MENSCHENBILDER - Contemporary Latvian Art

MENSCHENBILDER - Contemporary Latvian Art

erster liebesbrief by anna afanasjeva

Anna Afanasjeva

Erster Liebesbrief, 2013

Sold

anna by agate apkalne

Agate Apkalne

Anna, 2013

Price on Request

klatsch und tratsch by anna baklane

Anna Baklane

Klatsch und Tratsch

Sold

die kartenspieler by paulis postazs

Paulis Postazs

Die Kartenspieler, 2012

Price on Request

Friday, March 7, 2014Monday, June 2, 2014

Schlüterstraße 54
Berlin, 10629 Germany

MENSCHENBILDER - Contemporary Latvian Art

GRUPPENAUSSTELLUNG / GROUP EXHIBITION
von 07. März bis 2. Juni 2014

Vernissage am Freitag 07. März 2014 von 18.00 bis 21.00 Uhr

Riga, die Perle des Baltikums und Hauptstadt Lettlands, ist 2014 Kulturhauptstadt Europas - ein Titel, den die Europäische Union seit 1985 jährlich vergibt. Eine Stadt erhält ihn nicht nur für ihren Reichtum und ihre Vielfalt an Kultur, sondern auch aufgrund ihres Programmes für ein außergewöhnliches Jahr, das die bisherige Rolle im kulturellen Leben Europas belegen und die europäische Identität neben den individuellen Eigenschaften darstellen soll. Riga - neben dem schwedischen Umeå - als Kulturhauptstadt Europas im Jahr 2014 liefert auch einen Vorgeschmack auf die Euro-Einführung in Lettland, seit 2004 EU-Mitglied, im Jahr 2015.

Mehr als 200 Veranstaltungen sind 2014 unter dem Titel „Force Majeure“ (große Kraft?) in Riga geplant, dabei geht es auch recht musikalisch zu. Mit 745.000 Einwohnern versammelt die „Stadt des Jugendstils“ ungefähr ein Drittel des 2,4 Millionen Einwohner zählenden Staates, in dem die rund 50 Jahre währende sowjetische Fremdherrschaft die deutlichsten Spuren im Baltikum hinterließ und der um 1990 seine Unabhängigkeit mittels einer „Singenden Revolution“ wieder erlangte.

Mit dem Museum für Ausländische Kunst und seiner Sammlung europäischer Kunst vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart, dem Museum für Dekorative Künste, dem 2011 eröffneten Kunstmuseum Riga Bourse (Rīgas Birža), das den Dialog zwischen Ost und West herstellt, der im ehemaligen Zollhaus untergebrachten Ausstellungshalle für moderne und zeitgenössische lettische Kunst, dem Lettischen Künstlerverband, einer regen Galerieszene sowie der Janis Rozentāls-Kunstschule und der 1921 in Betrieb genommen Lettischen Kunstakademie zeigt sich die Stadt an der Düna, in der Richard Wagner und Johann Gottfried von Herder wirkten, ohnehin als Freund der schönen Muse. Im Kunstmusem Rīgas Birža präsentiert 2014 eine Ausstellung Gemälde, Grafiken und Zeichnungen seit 1960 von der PopArt, dem Fotorealismus und der Concept Art bis hin zur expressiven Ausdruckskunst; eine weitere Ausstellung in Riga zeigt 2014 Werke der lettisch-amerikanischen Künstlerin Vija Celmiņa, deren Familie 1945 vor der heran nahenden Roten Armee nach Deutschland floh und schließlich nach Amerika ging.

Unter dem Titel „Menschenbilder – Latvian Contemporary Art“ präsentiert die TVD ART Galerie in Berlin-Charlottenburg, die als einzige Galerie Deutschland die lettische zeitgenössische Kunst vertritt, neue Werke der Künstler und Künstlerinnen der Galerie und schlägt damit die Brücke zur lebendigen Kunstszene Rigas, an deren Institutionen die „Zeitgenossen“ von TVD ART ausgebildet wurden. Paulis Postazs, 1975 in Riga geboren, zeichnet in seinem großformatigen „Card Game“ ein lässiges Renaissance-Porträt von sich selbst mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern und vertauscht nicht nur das alte Kostüm mit zeitgenössischer Alltagsmode, sondern auch im Hintergrund die klassische Architektur Italiens mit den wilden Wäldern Lettlands. Anna Baklane, 1982 in Riga geboren, bittet zwei junge Damen zu „Klatsch und Tratsch“ an den Tisch und drückt mit der dekorativen Interieur-Tapete ihre Lust an der Vielfalt von Farben und Formen aus. Florale Fantasiemuster spielen auch eine wichtige Rolle in ihrem Porträt eines Kindes mit einer Katze im Arm, die zum Freund wird: „Ein echter Freund ist wie ein seltener Vogel“, lautet ein lateinisches Sprichwort, das Baklane als Bildtitel nutzte. Die um ein Jahr jüngere Anna Afanasjeva knüpft mit ihrem „Liebesbrief“ an ein Motiv an, das schon ein Vermeer van Delft reizte: mit den Requisiten der Liebeskunst der Alten Meister versieht die Künstlerin ihr junges Mädchen, das auf einer Decke im Freien von der schönsten Nebensache der Welt träumt. Agate Apkalne, 1977 in Riga geboren, hält sich an die Ölmalerei auf Holz, dessen Maserung ihren Gemälden einen märchenhaft-skurrilen Reiz verleiht: Auch sie lässt ihre „Liegende in Grün“ träumen, und umgeben von gaukelnden Schmetterlingen ist ihr Brustporträt einer jungen Frau, die ihre schönen Schultern entblößt dem Betrachter darbietet.

Was diese jungen Künstler bei TVD ART eint, ist ihre raffinierte Verbindung der Alten Meister, ihres Stils und ihrer Themen, mit dem modernen jungen Leben von Riga. Abgeneigt gegen schrille Töne und extraordinäre Sujets, schafft diese Kunst sich eine eigene Welt aus Traum, Mythos, Märchen und Realität und suggeriert mittels einer differenzierten Palette und einer stets figurativen Darstellung, die sich zwischen Neuer Sachlichkeit und Fotorealismus eine Nische sucht, ihre Sicht auf die Welt.

Dr. Angelika Leitzke