Agate Apkalne: Parallele Welten

Agate Apkalne: Parallele Welten

fütterung by agate apkalne

Agate Apkalne

Fütterung, 2011

samstagmorgen by agate apkalne

Agate Apkalne

Samstagmorgen, 2011

andere wahrheit by agate apkalne

Agate Apkalne

Andere Wahrheit, 2011

freundliche begegnung by agate apkalne

Agate Apkalne

Freundliche Begegnung, 2011

Friday, May 13, 2011Friday, July 1, 2011


Berlin, Germany

Agate Apkalne (Latvian)
Parallele Welten

Neue Bilder
Es erscheint ein Katalog. Klicken Sie bitte hier Agate Apkalne: Parallele Welten.

Ausstellungseröffnung am 13. Mai 2011
Ausstellungsdauer: bis 1. Juli 2011

PARALLELE WELTEN

Der Gemäldezyklus „Parallelwelten“ von Agate Apkalne ist das neueste Werk im Schaffen der Künstlerin. Der Zyklus setzt die für die Künstlerin charakteristische Ästhetik, Formbildung und Thematik zwar fort, die Art und Weise, mit der dies erfolgt, zeugt aber von einer neuen, qualitativ anderen Entwicklungsstufe im Schaffen der Malerin.

Bezüglich der Malerei von A. Apkalne wird fast immer akzentuiert, dass diese den klassischen und in der Kunstgeschichte etablierten Werten entspricht. Eine realistische Ausdrucksform, überdachte Komposition, anatomische Zeichnung, das Kolorit und das Spiel von Licht und Schatten, ihre Kontraste sowie die Nutzung anderer formaler Aspekte wecken bei Kennern Assoziationen zur Malerei der Renaissance oder des Barocks. Jedoch - auch wenn dies alles bekannt ist - verwirren die Gemälde von A. Apkalne immer wieder: Sie sind sehr deutlich, sogar illustrativ, gleichzeitig gibt es aber eine Dimension, die nicht erlaubt, sich völlig dem Realitätsgefühl hinzugeben. Einerseits lassen die Gemälde Parallelen zu den Kanons der Kunstgeschichte erkennen, andererseits kann ihr Inhalt ziemlich idiosynkratisch sein. Der Sinn bleibt - bei der Betrachtung des Gemäldes dem Auge folgend - wie im Linienenlauf zwischen diesen beiden Gegensätzen stecken. Die in der Kunstgeschichte etablierten Prinzipien von Heinrich Wölfflin, welche die Merkmale der Renaissance und des Barocks z.B. auf Grund von Gegensatzpaaren voneinander trennen, lassen die Malerei von A. Apkalne in einem etwas anderen Licht erscheinen und den Schlüssel zu ihrer Eigenartigkeit erfassen.
Und zwar ist der Raum in der Gemäldeebene in diesem und auch in den vorausgehenden Zyklen in zwei Bereiche einteilbar – in den unteren Teil oder die ‘Bodenebene’, bei der häufig das Motiv schwarz-weißer Schachbrett-Felder verwendet wird, die sich in eine scheinbar endlose Perspektive erstrecken, und in den oberen Teil, der seinerseits eine Front bildet und jede Möglichkeit des Raums oder der Tiefe ausschließt. Der untere Teil mahnt, sich weiter, tiefer ohne Angaben der Längen- und Breitengrade zu bewegen, der obere stellt vor vollendete Tatsachen – alles, was zu sehen ist, liegt vor einem wie auf der Hand, und man braucht nicht weiter zu gehen. Das Motiv des orientalischen Teppichs ohne ausgeprägte Tiefe und Stofflichkeit. Es scheint, dass seine Aufgabe Dekorativität ist - im Gegensatz zu der Tür in einen anderen Raum (Realität, Welt), dessen Grenzen und Dimensionen nicht festsetzbar sind.
Was die Ausstattung des Gemälderaums bezogen auf die Gemäldeebene betrifft, so ist gleichzeitig dieses aktive sowie passive Element vorhanden. Das ist der Hintergrund, auf dem wie auf einer Theaterbühne mit Hilfe von Lebewesen und Gegenständen ein Sujet vorgeführt, ein Inhalt mitgeteilt wird. Das gleichzeitige Vorhandensein von Dynamik und Statik macht die Mitteilung des Inhalts mehrdeutig interpretierbar.
Die „Parallelwelten“ setzen das für die Künstlerin charakteristische Wirken in Zyklen fort, wo eine bestimmte Idee in Gemälden verschiedener Formate bearbeitet wird. Jedes Gemälde gibt einen Aspekt oder eine Nuance dieser Idee wieder. Ebenso wird auch die für A. Apkalne wichtige Thematik der menschlichen Seelenzustände, der Gefühle und Emotionen fortgesetzt, diesmal wird aber die Bedeutung des privaten Raums (die Gedanken und die Gefühle, das Sein) akzentuiert sowie seine Grenzen, und Kontaktmöglichkeiten zwischen verschiedenen Individuen werden erforscht. Die Problematik der Freiheit und des Solipsismus.
In den Gemälden dominiert die Gestalt der Frau – sowohl im Alter eines heranwachsenden Kindes als auch einer erwachsenen Frau. Das Mädchen vertritt den Anfang, der sich im Habitus vollzieht; er ist aber nicht bedingt, weil der generelle Lebensdrang im Kindesalter noch im Kind selbst steckt – in seinen Wünschen, Bedürfnissen, in seiner Neugier; die Unwissenheit über Gefahren und die aus Erfahrung gemachten Korrekturen. Diese Freiheit, die man den sozialen Pflichten und der Verantwortung sowie dem Erwerb der sozialen Normalität einer erwachsenen Frau gegenüberstellen kann, fesselt scheinbar die Künstlerin. Das alles spiegelt der Zyklus „Manipulation“ (2008) auf elegante Weise wider.
Kann das künstlerische Schaffen der Malerin im Ganzen als ein innerer Weg angesehen werden? Als einer, der zur in den „Parallelwelten“ entdeckten und erforschten Freiheit führt? Die Manipulation als Lernprozess. Die Beziehungen zwischen der werdenden und der erwachsenen Frau. Man kann spekulieren, dass dies konkret die Erklärung des Umgangs der Künstlerin mit ihrer Tochter sei. Die Tochter als Impuls und das Mädchen als Alter Ego, mit dessen Hilfe man zum Anfang zurückkehrt und die Erfahrung des Erwachsenen erforscht. Andererseits ist dieses Thema allgemein menschlich – die Wahrscheinlichkeit wird dem bereits gelebten Leben gegenübergestellt; eine spielerische Erkenntnis neben den eine konkrete Bedeutung ausdrückenden Gesten, indirekt auf die ‘Entwicklung’ verweisend und damit auch eine abstrakte Zeitdimension in die Malerei hineinbringend. Dieses Herangehen erlaubt es, eine Mitteilung zu schaffen, die durch intuitive Wahrnehmung klar wird, indem man sie mit der eigenen Erfahrung und den eigenen Gefühlen vergleicht.
Die Fähigkeit der Künstlerin, die formalen Aspekte zu beherrschen und sie zielgerichtet anzuwenden, damit ein bestimmtes Sujet mit Hilfe der Komposition, präziser Gestik und Zeichen im Rahmen des Gemälderaums zum Ausdruck kommt, wird im neuesten Zyklus durch eine delikate und gewandt eingebundene surrealistische Note sowie durch die Verstärkung der Farbenbedeutung und Symbolik ergänzt. Im Ganzen sorgt dies für einen ästhetisch und semantisch gesättigten Kunstgenuss.

Iliana Veinberga, Mag.art
Riga