Sprüth Magers Berlin London

Frankfurter Block: Arbeiten am Hohlkasten

Frankfurter Block: Arbeiten am Hohlkasten

altbau gegen neubau by reinhard mucha

Reinhard Mucha

Altbau gegen Neubau, 2014

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easton & amos by reinhard mucha

Reinhard Mucha

Easton & Amos, 2014

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"aus dem hintergrund müßte rahn schießen" by reinhard mucha

Reinhard Mucha

"aus dem Hintergrund müßte Rahn schießen", 2014

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versuchsanordnung ii zu ohne titel (reinhard mucha – die letzten werden die letzten sein – nationalgalerie berlin 1982 ), für mies van der rohe, [2013], 2008 by reinhard mucha

Reinhard Mucha

Versuchsanordnung II zu Ohne Titel (Reinhard Mucha – Die Letzten werden die Letzten sein – Nationalgalerie Berlin 1982 ), Für Mies van der Rohe, [2013], 2008

„der bau“ - auszüge aus dem großen kalender by reinhard mucha

Reinhard Mucha

„Der Bau“ - Auszüge aus dem großen Kalender, 1999–2000

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ohne titel (milch) by reinhard mucha

Reinhard Mucha

Ohne Titel (MILCH), 1979

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seelze by reinhard mucha

Reinhard Mucha

Seelze, 2012

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installation view 4 (frankfurter block) by reinhard mucha

Reinhard Mucha

Installation View 4 (Frankfurter Block)

installation view 3 (frankfurter block) by reinhard mucha

Reinhard Mucha

Installation View 3 (Frankfurter Block)

installation view 2 (frankfurter block) by reinhard mucha

Reinhard Mucha

Installation View 2 (Frankfurter Block)

installation view 1 (frankfurter block) by reinhard mucha

Reinhard Mucha

Installation View 1 (Frankfurter Block)

Friday, May 2, 2014Saturday, August 30, 2014

Oranienburger Straße 18
Berlin, 10178 Germany

Reinhard Mucha unterzieht seine Werke immer wieder einer kritischen Revision, einer Wandlung oder Erweiterung. Im Verlauf ihrer Reinszenierung von Ausstellungssituation zu Ausstellungssituation kommt es sukzessive zu einer Akkumulation von Raum und Zeit. So auch in seiner ersten Ausstellung bei Sprüth Magers in Berlin. Ausgehend von dem zentralen Werkkomplex Frankfurter Block, der 2012 in der Galerie Grässlin in Frankfurt erstmals zu sehen war, entwickelte Mucha den Gedanken, insgesamt acht der unter dem Ausstellungstitel Schaffnerlos – Werke ohne Arbeiten 1981 - 2012 gezeigten elf Stücke in Berlin noch einmal zu zeigen. Unter Hinzufügung einiger innenarchitektonischer Details, die als integraler Bestandteil für die langjährige Präsentation des derzeit ausgelagerten „Block Beuys“ im Hessischen Landesmuseum so charakteristisch waren, findet sich hier der Hauptraum der Galerie Grässlin in den Hauptraum der Galerie Sprüth Magers hineingestellt, als Ausstellung einer Ausstellung, und zugleich als eine diskrete Kampfansage an die scheinheilige Ideologie des White Cube.

Ohne Titel (Kopf im Sand – Kunsthalle Bielefeld – Entstanden anlässlich der Ausstellung: „Ars Viva – Skulpturen und Installationen von Preisträgern des Kulturkreises im Bundesverband der Deutschen Industrie e.V.“ – 1981), [2012], 1982, wurde konzeptuell vor 30 Jahren angestoßen und seit 2012 als endgültige Fassung in den Frankfurter Block integriert. Mehrere hundert aus Zeitschriften ausgeschnittene Coupons, mit Hilfe derer die Zusendung von Informationsmaterial bei Unternehmen jeglicher Art angefragt werden konnte, hat Mucha mit seiner Adresse ausgefüllt und abgeschickt. 99 Photokopien der Bestell-Coupons wurden bereits 1981 für die Ausstellung in der Kunsthalle Bielefeld in einer auf die Architektur der Kunsthalle Bezug nehmenden Rahmung gefasst. Damals hingen die Photokopien wie preziöse Miniaturen auf einer der mit Leinen bezogenen Wandflächen des Museums, daneben wurde der Rücklauf von circa 600 Briefsendungen ungeöffnet in einer Tischvitrine gestapelt und präsentiert. Die Inflationierung personenbezogener Daten und die Beliebigkeit des so entstandenen Konvoluts an Informationen konterkarierte jegliches von Seiten der inserierenden Unternehmen und Institutionen gewünschte Kunden- und Persönlichkeitsprofil. Christoph Schütte beschreibt es 2012 in der FAZ als ein „im Kern analoges Werk, das auch im digitalen facebook-Zeitalter nichts von seiner (gesellschaftspolitischen) Relevanz eingebüßt hat.“ Ein Jahr später, 1982, hat Mucha für die Stipendiatenausstellung „Junge Kunst in Deutschland – Privat gefördert“, die im Kölnischen Kunstverein, der Neuen Nationalgalerie in Berlin und dem Lenbachhaus in München zu sehen war, die 99 gerahmten Coupons ebenso wie die ungeöffneten Briefe in nun insgesamt vier Vitrinen verstaut. Drei fotografische Ansichten der Installation in Bielefeld wurden beigelegt und die beleuchteten Vitrinen auf 16 Fußbänkchen gestellt, die in ihrer anarchisch-verspielten Anordnung stellvertretend und quasi als Platzhalter für die 16 ausstellenden Stipendiaten die wohlmeinenden Absichten der mäzenatischen Veranstaltung symbolisch unterliefen. Erst 2012 wurde dieses Ensemble durch vier Monitore ergänzt, die in Racks unter den Vitrinen hängen und videoanimierte Fotografien der drei Ausstellungssituationen von 1982/83 zeigen. Untermalt von der Geräuschkulisse jugendlicher Skateboardfahrer laufen auch die filmischen Darstellungen der untergeschobenen Fußbänkchen einer bruchlosen Musealisierung zuwider und kommentieren auf witzige Weise Motiv und Hintergrund der gesamten Ausstellungstournee.

[Capriccio] – Wie der tote Hase mit den Bildern verkehrt, 2012, spielt nicht nur auf Beuys, sondern auch auf die alltäglichen Routinen und Dispositive des Museums und des Ausstellungsbetriebes insgesamt an: Die Glasvitrine beherbergt zwei jeweils waagerecht auf Transporthunten positionierte Sockel, auf dem Boden davor liegt zusammengerollt und eingeklemmt zwischen den Beinen einer umgedrehten Fußbank eine Möbelpackdecke der Kunsttransportfirma „Hasenkamp – Internationale Spedition“ als Ladegut eines Konvois aus zwei Handwagen und einem Rollbrett.

Muchas Zeit als Akademiestudent wird zum Thema im Werk Der kluge Knecht (Ohne Titel – Staatliche Kunstakademie – Düsseldorf – 1981), 2002. Rose-Maria Gropp schreibt dazu in der FAZ: „Dort steht hinter vier Meter breitem Glas die altmodische Schrift des gleichnamigen Märchens der Brüder Grimm vom Gehilfen, der drei Amseln im Wald findet, statt die Kuh seines Herrn im Wald zu suchen. Dazu turnt ein junger Mann herum auf Endlosschleifen, zum Video geronnene Absage an Herrschaft und Gefolgschaft, vor Geräuschkulisse.“

In dem zweiteiligen Werkensemble Gewußt wodurch, nicht wissen womit. Gewußt wohin, nicht wissen wobei., [2007], 1983, inszeniert die selbstfotografierte Hand des Künstlers leere Pralinenschachteln auf einem Spiegel wie auf einer Bühne. Als glänzend schimmernde „Hohlkästen“, als Warencontainer scheinbar noch so individueller Ausprägung entlarven sie sich als glänzende Mogelpackungen, die jegliche kreative Selbstverwirklichungseskapismen mühelos einfangen.

Der Hohlkasten, ein Terminus technicus aus der Welt des Brückenbaus, ist als Metapher archetypisch für Muchas Denkweise und spielt auch in Ohne Titel (MILCH) – 1:1 Modell des 2004 ausjurierten Beitrags zu „Kunst am Bau – Eingeladener Wettbewerb“ für die Volkswagen Universitätsbibliothek der Technischen Universität und der Universität der Künste Berlin, [2014], 1979, einer knapp acht Meter langen Skulptur, eine tragende Rolle. Der Realisationsprozess dieses Stücks zeigt zugleich exemplarisch den langen Weg der Entstehung: von der initialen Idee 1979, über den Vorschlag für eine Ausschreibung zu Kunst am Bau für den zentralen Lichthof der Volkswagenbibliothek Berlin 2004, bis zur erstmaligen Ausführung für die Ausstellung bei Sprüth Magers 2014 und bringt unter anderem den sinnfälligen Gedanken an die Universität als Alma Mater, die nährende Mutter, auf malerische Weise zum Vorschein.

Die Referenz zu Donald Judds frühestem Werk von dreidimensionalem Charakter, einem Bildobjekt von 1961, in das Judd eine rechteckige Kuchenform aus Aluminiumblech integrierte, ist erkennbar in Seelze [2014], 2012. Die ebenso rechteckige Zinkwanne, ein Fundstück, welches von einer Stahlkonstruktion gefasst und getragen wird wie eine zeitgenössische Multifunktionsarena, ist zum Betrachter hin geschlossen durch eine spiegelnde, rückseitig mit grauen Linien bemalte Glasscheibe.

Hans-Joachim Müller spricht in der Welt am Sonntag 2012 von Muchas „eigenwilliger Art sinnlicher Bedachtsamkeit. [...] Wenn Mucha Kunst macht, stellt er nicht gefühlte Nähe, sondern gedachten Abstand her". Neben dem Aspekt der Sinnlichkeit stellt Müller jenen der Zeit heraus: „Wenn eines dieses Werk verbindet, dann ist es die Kompression von Zeit, zu der es immer wieder ansetzt. Mucha staut den Zeitfluss auf, dickt ihn mit seinen hauseigenen Konservierungsstoffen ein [...] die künstlerische Haltung wird dann immer so etwas wie aktiver Widerstand gegen die Fliehkräfte der Geschichte.“

Zeitgleich zeigt Sprüth Magers Berlin die Einzelausstellungen 'Eine Ansammlung von Gegenständen' von Peter Fischli & David Weiss und 'Hustlers' von Philip-Lorca diCorcia. Für weitere Information und Presseanfragen kontaktieren Sie bitte Sina Deister (sd@spruethmagers.com).

Öffnungszeiten der Galerie: Di – Sa, 11 – 18 Uhr

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Reinhard Mucha subjects his work again and again to critical revision, conversion and extension. In the course of the re-enactment of each work from exhibition to exhibition he enacts an accumulation of space and time, and this process takes place in his first exhibition at Sprüth Magers, Berlin. The core of the exhibition is a large work called Frankfurter Block, which was first presented as an ensemble of eleven works at Galerie Grässlin, Frankfurt in 2012. For the Berlin show, Mucha recreated the scale and proportions of the main room of Galerie Grässlin, building a gallery within the main space of Sprüth Magers. The artist added interior details, such as a carpeted floor and linen-clad walls, referring to the “Block Beuys”, a seven-room installation by Joseph Beuys that was for many years on display at the Hessisches Landesmuseum, but now dismantled. This new incarnation of Frankfurter Block incorporates the gallery in which it was most recently exhibited, further extending the scope and scale of the work.

The complete Frankfurter Block is composed of an ensemble of discrete works, but it originates 30 years ago with Untitled (Head in Sand - Kunsthalle Bielefeld - Created for the exhibition: „Ars Viva - Sculpture and Installations by prize-winners selected by the Cultural Committee of German Business within the Federation of German Industries BDI e.V. “ - 1981), [2012], 1982. This work began with a simple gesture: Mucha filled out and mailed several hundred coupons, cut from newspapers, requesting material from a range of companies. In 1981, 99 photocopies of the order forms were framed in silver, which referred to the architecture of the exhibition space at the Kunsthalle Bielefeld. At that time, these copies were hung on one of the canvas-covered walls of the museum, while the approximately 600 unopened envelopes were stacked in a display case. The proliferation and arbitrariness of the data gathered in this way undercuts the customer and marketing profiles sought by corporations. One year later, in 1982, Mucha stored the 99 framed coupons along with the unopened letters in four display cases for “Junge Kunst in Deutschland – Privat gefördert” a group show for sixteen artists on a privately funded stipend, which was presented at the Kölnischer Kunstverein, the Lenbachhaus, Munich, and the Neue Nationalgalerie, Berlin. An installation view from the exhibition in Bielefeld was added to the four showcases, and each was placed on sixteen footstools (one per leg of each showcase), with the footstools acting as stand-ins for the sixteen artists in this exhibition. In 2012, Mucha expanded the ensemble by installing four video monitors beneath the display cabinets, showing animated photographs of the three exhibitions. The footstools and the anarchic background noise of skateboarders combine to work against any institutionalisation of the work.

Frankfurter Block is further extended by four more works within the space. Placed next to the core installation of showcases, [Capriccio] - How a Dead Hare Operates with Pictures, 2012 alludes not only to Beuys, but also to the mechanisms inherent to exhibitions: the glass cabinet contains two horizontal plinths, each on a dolly, while on the floor adjacent lies a rolled-up blanket from the transport company Hasenkamp. In Knowing whereby, not knowing wherewith. Knowing whereto, not knowing whereat., [2007], 1983, the artist’s hand presents an empty chocolate box against a mirror. The brightly shimmering box seems to promise choice and individuality, yet only offers a set number of shapes within a system. Nearby, Seelze [2014], 2012 brings to mind the minimalist sculptures of Donald Judd. The zinc tub, a found piece which is framed by a steel construction and whose bottom is lined with felt, has been closed off by a glass panel painted, on the side facing the sculpture, with lines.

Mucha's student years at the art academy is the key motif in The Clever Servant (Ohne Titel – Staatliche Kunstakademie – Düsseldorf – 1981), 2002. Writing in the Frankfurter Allgemeine Zeitung, Rose-Maria Gropp describes the work: “Behind a glass panel four meters wide, in old-fashioned typography, is the eponymous fairy tale by the Grimm brothers about the servant who finds three blackbirds in the forest instead of searching for the cow of his master. On a screen next to the fairy tale, a young man rolls and leaps in an endless loop, seeming to foment rebellion in a video.”

Beyond the walls of Frankfurter Block, Untitled (MILCH), 1:1 model of the eliminated competition entry to „Kunst am Bau – Eingeladener Wettbewerb“ for the Volkswagen University Library of the Berlin Institute of Technology (TU) and the Berlin University of the Arts (UdK)), 2004 - [2014], 1979, an almost eight-meter-long sculpture, exemplifies Mucha’s use of the box girder or “Hohlkasten”. A technical term from bridge building, the box section allows for the construction of complex integrated structures, and thus offers a metaphor for how Mucha conceives so much of his work. At the same time, this work is an example of the patience that informs Mucha’s process. The artist had the initial idea in 1979, revived it for a proposal for a site-specific commission for the Volkswagenbibliothek Berlin in 2004, and produced it for the exhibition at Sprüth Magers.

In 2012 in Die Welt am Sonntag, Hans-Joachim Müller speaks of Mucha's “individual manner of sensuous thoughtfulness. […] When Mucha makes art, he does not produce tangible proximity, but instead distance that is thought.” In addition to the aspect of sensuousness, Müller emphasizes the temporal element: “If this work is unified by one thing, then it is the compression of time to which it constantly returns. Mucha impedes the flow of time, thickens it with his home-made preservatives […] the artistic attitude accordingly becomes always a sort of active resistance to the centrifugal forces of history.”

Sprüth Magers Berlin is concurrently presenting the solo exhibitions 'Eine Ansammlung von Gegenständen' by Peter Fischli & David Weiss and 'Hustlers' by Philip-Lorca diCorcia.

For more information and press enquiries, please contact Sina Deister (sd@spruethmagers.com).

Opening Times of the Gallery: Tue – Sat, 11 am – 6 pm