Samuelis Baumgarte Galerie

Heinz Mack: Strukturen - Licht - Bewegung

Heinz Mack: Strukturen - Licht - Bewegung

blaue pagode by heinz mack

Heinz Mack

Blaue Pagode, 1993

fünf himmelsrichtungen by heinz mack

Heinz Mack

Fünf Himmelsrichtungen, 1970

gitter-rotor by heinz mack

Heinz Mack

Gitter-Rotor, 1967

ohne titel by heinz mack

Heinz Mack

Ohne Titel, 2013

ohne titel by heinz mack

Heinz Mack

Ohne Titel, 2007

ohne titel by heinz mack

Heinz Mack

Ohne Titel, 2013

Saturday, October 19, 2013Friday, January 31, 2014


Bielefeld, Germany

Heinz Mack
Strukturen – Licht – Bewegung

19.10.2013 – 31.01.2014
Eröffnung: Samstag, 19.10.2013 um 17 Uhr

Der Künstler ist anwesend.
Es ist ein 80-seitiger Farbkatalog mit einem Text von Gerhard Charles Rump erschienen

Der ZERO-Künstler Heinz Mack (*1931) gehört zu den wichtigsten lebenden Künstlern unserer Zeit. Als Mitbegründer der ZERO-Gruppe (mit u.a. Otto Piene und Günter Uecker) hat er das Gesicht der internationalen Kunst des 20. Jahrhunderts entscheidend geprägt und ist weiterhin schöpferisch und bedeutend an der vordersten Front des ästhetischen Weltzugriffs zu finden. Aktuell beginnt eine große Welttournee der ZERO-Gruppe um Heinz Mack. Highlight ist 2014 das Guggenheim Museum New York, weitere Stationen sind 2015 das Stedelijk Museum in Amsterdam und der Gropius-Bau in Berlin. Die Ausstellung in der Samuelis Baumgarte Galerie konzentriert sich auf den Begriff der Struktur, der in Macks Werk eine sehr große Rolle spielt und in die ästhetischen Bereiche von Licht und Bewegung als Kunstfaktoren hineinreicht. Struktur meint zumeist die Zusammenfügung von Systemelementen (wie beispielsweise in 'Transit', 2006, Chromatische Konstellation, Acryl auf Leinwand, 203 x 307 cm). In der Analyse von Struktur, könnte man sagen, erschließt sich der Modellcharakter der Dinge in ihrem systematischen Zusammenhang mit dem Aufbau der Welt, was für Heinz Mack stets wichtig ist.

Mack hat sich gegen das Erzählerische und Figurative gewandt, hat in einer systematischen Abstraktion Welt dargestellt. In seinen Werken wie 'Ohne Titel', 2010 (Chromatische Konstellation, Acryl auf Leinwand, 166 x 130 cm), 'Ohne Titel', 2012 (Chromatische Konstellation, Acryl auf Leinwand, 64 x 66 cm) und auch der Marmorskulptur 'Ohne Titel', 2006 (61 x 20 x 20 cm, Holzsockel 85 x 30 x 25 cm) schreiten die einzelnen Elemente voran, aufeinander aufbauend, vom Kleinsten bis zum Größten, nur dass ihnen eine semantische Dimension fehlt, sie erzählen keine Geschichten. Die Bedeutung im herkömmlichen Sinne, die mit Abbildung einherginge, wird durch Anmutung und durch Emotion ersetzt. Das Setzen von bildlichen Elementen erscheint nur auf den ersten Blick von Willkür geleitet ('Eikon', 2000, Chromatische Konstellation, Acryl auf Leinwand, 210 x 260 cm). Sehr schnell erschließt sich, dass Bildelemente durch Platzierung differenziert werden, dass ihre Abfolgen und Bezüge auf den ihnen gemeinsamen Charakter zeigen. Die Dinge sind so, wie sie sind, nur weil sie auf eben diese ihre Art in ihrem jeweiligen Zusammenhang stehen. Verteilungen – nicht zufällige, nicht symmetrische Distribution und/oder nicht wiederholte Reihung – schaffen ein erweitertes Wahrnehmungsfeld und bestimmen den Existenzraum der Struktur, der identisch mit dem Bildraum ist. Hierfür stehen exemplarisch Werke wie 'Flight', 2012 (Chromatische Konstellation, 130 x 110 cm), 'Der Tanz', 2013 (Chromatische Konstellation, Acryl auf Leinwand, 111 x 140 cm) und auch 'Ohne Titel', 2013 (Chromatische Konstellation, Acryl auf Leinwand, 107 x 120 cm).

Der Variantenreichtum im Werk von Heinz Mack weist darauf hin, dass Gleiches auf mannigfache Art gesagt werden kann, und es geht nicht um Kausalitäten, sondern darum, Möglichkeiten, Zwänge und Absichten, Vielfalt zu erzeugen. Im Vordergrund stehen nicht die Teile, Dinge, Gruppen oder Kräfte, sondern vor allem die Ganzheit, das offene Kommunikationssystem, Rückmeldungen und Beziehungen, wie in der aktuellen Leinwand 'Ohne Titel', 2013 (Acryl auf Leinwand, 97 x 124 cm) und auch der Papierarbeit 'Ohne Titel', 1979 (Tusche mit Pinsel auf Papier, 79 x 107 cm). Im Seh-Akt erfährt der Betrachter das Verhältnis der Möglichkeiten zum Ergebnis: Gibt es auch noch so viele denkbare Varianten, das Werk konnte, Macht der Notwendigkeit, so wie es ist, nur dieses eine Mal auf diese Weise entstehen, so zum Beispiel 'Red Cross', 2012 (Chromatische Konstellation, Acryl auf Leinwand, 163 x 147 cm). Im Bezugsverhältnis von Fläche und Raum findet sich immer eine einmalige, unwiederholbare Qualität der Aussage, und man unterscheidet ein technisches und ein ästhetisches Problem der Reduktion von potenziell ja unendlichem Raum auf Fläche wie beispielsweise in der Arbeit Ohne Titel, 2008 (Chromatische Konstellation, Acryl auf Leinwand, 130 x 160 cm) und 'Ohne Titel', 2011 (Chromatische Konstellation, Acryl auf Leinwand, 76 x 95 cm). Was hieran technisch ist, mag vernachlässigt werden, das Ästhetische jedoch wird zum Thema der Bilder.

Licht bei Mack ist häufig das so genannte 'Transzendentale Leuchtlicht', ein Licht, das aus sich selbst leuchtet, nicht als Beleuchtung auftritt. Jenes Licht entrückt die Erscheinungen jedoch auch dem Alltag und verweist darauf, dass der Betrachter in der Wahrnehmung dieser Werke in eine gesonderte Welt tritt, die zum alltäglichen Normaluniversum in einem zwar gegenseitig erklärenden, dennoch komplementären Verhältnis steht. Tritt Bewegung hinzu, etwa in den Skulpturen mit sich drehenden Scheiben ('Gitter-Rotor', 1967, Replik 2010, Plexiglas, Holz, Motor, 124 x 124 x 23 cm) und Achsen ('Ohne Titel', 2013, Edelstahl, 212 x 56,5 x 42,5cm, Plinthe Diameter 30 cm), verbindet Mack die Faszination des Mechanischen (als scheinbar Belebtes) mit der der Bewegung und des Lichtes, und das ruft eine ungemeine ästhetische Dichte hervor. Stabilität (Geometrie) und Dynamik (Rotor) treten in lebendigen Austausch, sobald das Ganze mit dem Licht interagiert. Manche Werke zeigen die Licht- Interaktion ihrer Struktur ohne Rotoren, ohne mechanische Bewegung im Objekt ('Ohne Titel', 2012, Edelstahl, 70 x 49 x 40,5 cm). Sie verlagern sie in den Körper des Betrachters, dessen Ortsveränderungen unmittelbare visuelle Effekte hervorrufen. So kann man sehen, wie Struktur im Werk von Heinz Mack ein vielgestaltiges und entscheidendes, das Wesen des Werkes konzeptuell wie konkret mitbestimmendes Element darstellt. Durch die Aktivierung der Bestimmtheit von Struktur wird alles Beliebige aufgehoben und in sinnfällige Zusammenhänge ästhetischer Notwendigkeit eingebettet. Es gehört zu den wenigen Übereinstimmungen in ästhetischer Theorie, dass so etwas als besondere Form von Wahrheit gilt.

Die Ausstellung ist geöffnet Montag – Freitag 10:00 – 18:00 Uhr, Samstag 10:00 – 14:00 Uhr