John Baldessari 'Noses & Ears, Etc., Part IV'

John Baldessari 'Noses & Ears, Etc., Part IV'

installation view by john baldessari

John Baldessari

Installation view

Friday, June 1, 2007Saturday, July 28, 2007


Zurich, Switzerland

John Baldessari
Noses & Ears, Etc., Part IV
1. Juni - 28. Juli 2007

Wir freuen uns, Ihnen in unserer nächsten Ausstellung die neueste Serie von Werken des amerikanischen Künstlers John Baldessari präsentieren zu können. John Baldessari (*1931 in National City, Kalifornien, lebt und arbeitet in Santa Monica, Kalifornien) zählt seit den späten 1960er Jahren zu den bedeutendsten und vielseitigsten Vertretern konzeptueller Kunst. Mit seinem spektakulären „Cremation project“ von 1970, als der Künstler die meisten seiner vor 1966 entstandenen Gemälde verbrannte, hatte er seine Abkehr von der zeitgenössischen Malerei zelebriert. Er suchte nach einer allgemein verständlichen Formensprache und begann die Fotografie und die Videoperformances, Filme, Plakate und Bücher in den Mittelpunkt seines Schaffens zu stellen. Dabei dienen ihm Bilder aus den Medien als Ausgangsmaterialien, um deren Botschaften durch Fragmentierungen, Textmontagen und Übermalungen zu verfremden, und ihre Bedeutung zu hinterfragen und ungewohnte Bedeutungszusammenhänge zu eröffnen. Die oft humorvollen Kompositionen rechnen nicht nur mit Klischees ab, sondern hintertreiben auch unsere Lese- und Interpretationsgewohnheiten. Neben seiner regen Ausstellungstätigkeit unterrichtet Baldessari an der University of California Los Angeles. Für sein Lebenswerk wurde er mit dem „Govenor’s Award for Lifetime Achievement in the Visual Arts in California“, dem „Oskar Kokoschka“-Preis und „Spectrum“, dem internationalen Preis für Fotografie der Stiftung Niedersachsen ausgezeichnet.

Die Ausstellung setzt John Baldessaris neueste Serie von „Noses & Ears, Etc., Part IV“, eine Gruppe von übermalten, digitalen Fotoprints, fort. Wie der Titel verrät, fokussiert diese neue Serie auf Nasen und Ohren, während das übrige Gesicht mit einem Farbfleck überdeckt ist. Während die isolierte Darstellung von Augen und Lippen in bester kunstgeschichtlicher Tradition verankert sind, – man denke nur etwa an die Augen bei nepalesischen Tempeln oder Dalis Lippensofa – , wirken Ohren und Nasen für sich allein genommen irritierend, eigenartig oder gar unheimlich. Dass Baldessari sich hier auf Nasen und Ohren beschränkt, spricht für seine humorvollen Strategien, wie auch dafür, dass er damit die menschliche Identität auf ein Minimum beschränkt. Schon in den 1980er Jahren hatte Baldessari Gesichter von Filmstills aus Hollywood Filmen mit einem Farbfleck überdeckt. Damit torpedierte er unsere durch die Medien gesteuerte Gewohnheit, die Mimik dieser Gesichter nach tradierten Codes interpretieren zu wollen. Mit den verdeckten Gesichtern wird die menschliche Identität auf ein Minimum beschränkt. Nicht minder geschieht dies durch das Isolieren von Ohren und Nasen, wenn man damit nicht gerade eine brutale Entführungsgeschichte assoziert oder an physiognomische Besonderheiten denkt. Die Verhüllung des Gesichts, respektive die Fokussierung auf Ohren oder Nasen negiert die Individualität, und verwandelt ein identifizierbares Subjekt in ein nicht identifizierbares Objekt. Sie verweigert die Interpretation dieser Bilder, bietet jedoch gleichzeitig die Möglichkeit einer unvoreingenommenen Lektüre, eines Verständnisses jenseits unseres medial kodierten Bildlexikons an und vermag somit, den Betrachter zu einer neuen Sicht der Dinge zu befähigen. [Text: Dominique von Burg]

Wir freuen uns, Sie in der Galerie begrüssen zu dürfen und danken Ihnen für Ihr Interesse.

Mai 36 Galerie