Suspense

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invitation

Invitation

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Saturday, December 14, 2013Saturday, February 22, 2014

Lullin + Ferrari
Zurich, Switzerland

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Suspense

Florian Baudrexel, Franziska Furter, Sebastian Hammwöhner, Edit Oderbolz, wiedemann/mettler, Uwe Wittwer, und Gäste: Richard Hamilton, Jamie Isenstein, Al Taylor, Félix Vallotton


14. Dezember 2013 - 22. Februar 2014

Wir freuen uns sehr, die Gruppenausstellung Suspense mit Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern aus dem Galerieprogramm und einigen Gästen zu präsentieren. Der Titel der Ausstellung ist eine Referenz an Alfred Hitchcock und lehnt sich an dessen Ausführungen zum Begriff "Suspense" im Interview-Buch "Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?" mit François Truffaut an. Dort erläutert Hitchcock in mehreren Passagen den Begriff: Suspense sei ein zentrales Mittel, um das Publikum an eine Erzählung zu fesseln. Die Zuschauer erhalten Informationen, die eine Erwartungshaltung aufbauen, zum Beispiel die wiederholte Einblendung einer Armbanduhr auf dem Weg zum Bahnhof, um einen Zug zu erwischen. Hitchcock unterscheidet mit Nachdruck zwischen "Suspense" und "Mystery". Er stelle nicht Mystery-Filme, Kriminalfilme her, bei denen es darum geht, in einem intellektuellen Prozess einen Mörder ausfindig zu machen, ihn interessiere die Psyche der Personen, die Mechanismen und Dramaturgie der Erzählung. Das Publikum muss in einen emotionalen Prozess eingebunden werden. (Alfred Hitchcock, Unterscheidung zwischen "Mystery" und "Suspense", http://www.youtube.com/watch?v=-Xs111uH9ss)

Die von Hitchcock umrissene Idee von "Suspense" kann in der Ausstellung nicht streng befolgt werden, da es sich um unterschiedliche Medien handelt: Hier die punktuelle Folge einer Ausstellung, dort die zeitliche Struktur des Films. Die Idee von "Suspense" ist aber eine Art Richtschnur für die Gestaltung der Ausstellung und die Wahl der Arbeiten. Für den Plot, die Dramaturgie der Schau können beispielhaft folgende Schlagworte figurieren: Täuschung und Wahrheit, Stimmungen, Abwesenheit, Information und Spannung.

Den Auftakt zur Schau bildet eine Gruppe von Arbeiten der amerikanischen Performance-Künstlerin Jamie Isenstein. Sie wählte aus einer aktuellen Museumsausstellung in Portland, Oregon, einige Arbeiten eigens für "Suspense" aus. In der Fotografie Waxworks spielt sie mit Realitätsebenen, indem sie sich selber unter die Wachsfiguren stellt. Mit dem Intermission Sign unterbricht sie den Ausstellungsfluss. Die gemalten Rahmen für Zwischentitel, Silent film inter-title borders, verweisen auf die Stummfilmzeit. Interessanterweise eröffnete gerade das Gestalten von Zwischentiteln Hitchcock einen Zugang zum Filmbusiness und verschaffte ihm dort seinen ersten Job.

Ein wichtiger Aspekt von "Suspense", der in den Arbeiten von Al Taylor und Edit Oderbolz mitschwingt, sind Ideen von Gleich- und Ungleichgewicht. Beinahe Schwindel im Sinne von Taumeln – man denkt an den Film Vertigo – vermittelt die Arbeit von Edit Oderbolz. Narrative Ebenen und mögliche Referenzen zur Filmkunst werden neben den erwähnten Arbeiten von Jamie Isenstein, in den beiden überarbeiten, rätselhaften Fotografien Godot ist gekommen 1 + 2 von wiedemann/mettler und dem Aquarell Wäldchen von Uwe Wittwer – oft Ort des Verbrechens – greifbar.

Die Schau berührt Fragen der Produktion von Kunst: Wie kreieren Kunstschaffende mittels ihrer Arbeiten "Suspense"? Dies kann unterschiedlich betrachtet werden: Einige Werke besitzen durch die Art ihrer Fertigung einen dem Werk zugrundeliegenden, fabrizierten "Suspense", wie zum Beispiel das Spannungsbild #9 von Florian Baudrexel. Einige Arbeiten erzeugen einen emotionalen "Suspense" ausserhalb des Werks, indem sie eine Erzählstruktur, eine Dramaturgie entwickeln oder eine Bühne für Emotionen entwerfen, wie die Zeichnungen aus der Serie Shadow von Franziska Furter oder die Arbeit Ohne Titel (Jalousie schwarz) von Sebastian Hammwöhner.

Die Zusammenstellung und Anordnung der Arbeiten im Ausstellungsraum erzeugt ebenfalls "Suspense". Wie ist das Verhältnis der Zeichnung-im-Raum von Edit Oderbolz zum Aquarell von Uwe Wittwer oder dem Tiefdruck Berlin Interior von Richard Hamilton, der einen Tatort wiederzugeben scheint und an den Film Rear Window denken lässt? Welche Spannung wird in den Holzschnitten Le poker und L'alerte von Félix Vallotton erzielt? Welchen Ton trifft der Flötenspieler?

Die Ausstellung wird durch die Aufmerksamkeit und durch das Interesse des Publikums vollendet. Wir wünschen Ihnen spannende Entdeckungen, schöne Weihnachten und ein gutes Neues Jahr.

Biographien:

Florian Baudrexel (geb. 1968 in München, lebt und arbeitet in Berlin) ist in seinen Skulpturen, Bildern und Collagen der Kompositionsgedanke – die Idee der Verhältnismässigkeit oder Relationalität – von grosser Bedeutung. Im Mai 2014 werden wir in der Galerie eine Einzelausstellung von ihm eröffnen.

Franziska Furter (geb. 1972 in Zürich, lebt und arbeitet in Berlin und Basel) erzeugt in ihren Skulpturen und Zeichnungen oft Stimmungen, die auf ausserbildliche Ereignisse, landschaftliche Konfiguration und meteorologische Ereignisse verweisen.

Richard Hamilton (geb. 1922 in London, gestorben 2011 in Oxford) war ein bedeutender englischer Konzeptkünstler, dessen unterschiedliche Werkgruppen für spätere künstlerische Strömungen wegweisend sind.

Sebastian Hammwöhner (geb. 1974 in Frechen, bei Köln, lebt und arbeitet in Berlin) zeichnet seit 2006 grossformatige Pastell-Zeichnungen auf schwarzem Papier, die auf verblüffende Weise Teppiche wiedergeben. Die überarbeiteten Lamellenstoren entstanden 2011.

Jamie Isenstein (geb. 1975 in Portland, Oregon, lebt und arbeitet in New York City, NY) benutzt für ihre Kunst unterschiedliche Medien. Oft werden ihre Ausstellungen von Performances begleitet.

Edit Oderbolz (geb. 1966 in Stein am Rhein, Schweiz, lebt und arbeitet in Basel) verfügt über eine magische Begabung, Ready-Made-Material mit subtilen Eingriffen zu kombinieren, und dadurch neue Konstellationen und Kompositionen zu kreieren. Wir werden im Frühjahr 2014 ihre zweite Einzelausstellung in der Galerie eröffnen.

Al Taylor (geb. 1948 in Springfield, Mass., gestorben 1999 in New York City, NY) war ein bedeutender, unkonventioneller Zeichner und Plastiker, der es verstand, seine unmittelbare Umgebung in poetische skulpturale und zeichnerische Arbeiten zu übertragen.

wiedemann/mettler (Pascale Wiedemann geb. 1966 und Daniel Mettler geb. 1965, leben und arbeiten in Zürich) ist ein herausragendes Künstlerpaar, das seit 2002 zusammen arbeitet. Sie entwickeln durch ihre Arbeiten in verschiedenen Medien von Fotografie bis Bügelperlen neue Welten und Konstellationen.

Félix Vallotton (geb. 1865 in Lausanne, gestorben 1925 in Paris) war ein bedeutender Maler, Zeichner und Druckgraphiker, der nach seiner kurzen Verbundenheit zur Gruppierung der Nabis ganz eigene Wege ging.

Uwe Wittwer (geb. 1954 in Zürich, lebt und arbeitet in Zürich) beschäftigt sich in seinem malerischen Werk mit Themen aus der Kunstgeschichte und seiner Lebenswelt, dabei greift er für die Bildfindung oft auf Fotografien aus dem Internet, in jüngster Zeit auch aus privaten Archiven zurück.

Die Eröffnung der Ausstellung "Suspense" ist am Samstag den 14. Dezember von 11 bis 18 Uhr. Dies fällt zusammen mit unserem alljährlichen Champagnerempfang. Die Ausstellung dauert bis zum 22. Februar 2014.

Zwei Veranstaltungen finden während der Ausstellung statt: Am 22. Januar 2014, 19 Uhr, kommt ein eigens für die Ausstellung konzipiertes Stück von Renata Burckhardt zur Aufführung. Am 6. Februar 2014, 19.30 Uhr zeigen wir einen von Meret Ernst ausgewählten und eingeführten Film.

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Suspense

Florian Baudrexel, Franziska Furter, Sebastian Hammwöhner, Edit Oderbolz, wiedemann/mettler, Uwe Wittwer, and guests: Richard Hamilton, Jamie Isenstein, Al Taylor, Félix Vallotton


14th December 2013 - 22nd February 2014

We are delighted to present the group show Suspense with works by artists from the gallery program and some guests. The title of the show refers to Alfred Hitchcock and his remarks on the term "Suspense" made in the interview book "Hitchcock" by François Truffaut. Several times in these interviews Hitchcock explains the notion of suspense: Suspense describes the central strategy to keep a public alert. The viewer receives information, which creates expectations, for example the repeated fading in of a wristwatch on the way to the station to catch a train. Hitchcock distinguishes fiercely between "Suspense" and "Mystery". He has never done a mystery-movie, except maybe once – mystery is an intellectual process like in a who-done-it, but suspense is essentially an emotional process. Hitchcock is interested in the psyche of the persons, in the mechanism and dramaturgy of the story. The public has to be involved into an emotional process. (Alfred Hitchcock, Distinction between "Mystery" and "Suspense", http://www.youtube.com/watch?v=-Xs111uH9ss)

The notions of suspense described by Hitchcock can’t be followed strictly in the exhibition, as we are dealing with different media: On the one hand the punctual succession of works in an exhibition, on the other hand the chronological structure of a movie. The idea of "Suspense" can only be a guideline for the form of the exhibition and the choice of works. For the plot, the dramaturgy of the show the following catchwords can be mentioned: delusion and truth, moods and absence, information and balance.

A group of works by the American performance artist Jamie Isenstein starts the show. She especially chose for "Suspense" some works from a then current museum exhibition in Portland, Oregon. In the photograph Waxworks she plays with levels of reality by posing amongst the waxworks. With the Intermission Sign she disrupts the flow of the show. The painted frames for inter-titles, Silent film inter-title borders, refer to the age of silent movies. Funny enough, it was the creation of frames of inter-titles that opened up Hitchcock an entry to the film business and got him his first job in the industry.

An important aspect of "Suspense", which resonates in the works by Al Taylor and Edit Oderbolz, are ideas of balance and imbalance. Almost dizziness in the sense of stagger – one is reminded of the movie Vertigo – conveys the sculpture by Edit Oderbolz. Narrative layers and possible references to cinema are, in addition to the mentioned works by Jamie Isenstein, tangible in two enigmatic overworked photographs by wiedemann/mettler Godot has arrived 1 + 2 and the watercolour by Uwe Wittwer Copse – often a place of a crime scene.

The show also touches on question of the production of art: How do artists create with their works "Suspense"? One can look at this from different angles: Some works hold because of the way they have been made an immanent fabricated "Suspense", as for example Spannungsbild #9 (Tension Painting #9) by Florian Baudrexel. Some works generate an emotional "Suspense" outside of the work by developing a narrative pattern, a dramaturgy, or by creating a stage for emotions, as for example the drawings from the series Shadow by Franziska Furter or the work Untitled (Jalousie Black) by Sebastian Hammwöhner.

The combination and disposition of the works in the exhibition space generates also suspense. How does the drawing-in-space by Edit Oderbolz relates to the watercolour Copse by Uwe Wittwer or the etching Berlin Interior by Richard Hamilton, which seems to depict a crime scene and reminds one of the movie Rear Window? What kind of tension are the woodcuts Le poker and L'alerte by Félix Vallotton procuring? Which note strikes the flute player? – The exhibition is accomplished through the attentiveness and interest of the viewers. We wish you exciting discoveries, Merry Christmas and a Happy New Year!

Biographies:

Florian Baudrexel
(*1968 in Munich, lives and works in Berlin) is particularly interested in his sculptures, paintings and collages in the principle of composition – the idea of proportions or relations. In May 2014 we will inaugurate his second solo exhibition in the gallery.

Franziska Furter (*1972 in Zürich, lives and works in Berlin and Basel) often generates through her sculptures and atmospheres and moods, which are picking up events outside of the works, like meteorological events or constellation of landscapes.

Richard Hamilton (*1922 in London, died 2011 in Oxford) was an outstanding English conceptual artist whose distinctive group of works have a great impact on later artistic developments.

Sebastian Hammwöhner (*1974 in Frechen, near Cologne, lives and works in Berlin) draws since 2006 large pastel drawings on black paper, which are mimicking in an astonishing way carpets. A group of overworked jalousies were created in 2011.

Jamie Isenstein (*1975 in Portland, Oregon, lives and works in New York City, NY) uses different media. Often her exhibitions are accompanied by performances.

Edit Oderbolz (*1966 in Stein am Rhein, Switzerland, lives and works in Basel) has a magical ability to combine ready-made-material with subtle touches and therefore achieving new constellations and compositions. In the spring 2014 she will have her second solo show in the gallery.

Al Taylor (*1948 in Springfield, Mass., died 1999 in New York City, NY) was an important, unconventional draftsman and sculptor und Plastiker, who understood, how to transform his immediate surrounding in poetic works.

wiedemann/mettler (Pascale Wiedemann *1966 and Daniel Mettler *1965, live and work in Zurich) are a great artists couple working together since 2002. They develope in their works in different media, from photography to Hama bead pearls, new worlds and constellations.

Félix Vallotton (*1865 in Lausanne, died 1925 in Paris) was a mysterious painter, draftsman and print-maker, who after a short flirt with the artist group Nabis, went his own ways.

Uwe Wittwer (*1954 in Zurich, lives and works in Zürich) deals in his paintings and ink jets with subjects from art history and images from the Internet – recently he used as source material images from personal and private archives.

The opening reception of the exhibition "Suspense" takes place Saturday, 14 December from 11am to 6pm. The exhibition runs through 22 February 2014.

Two events are taking place during the exhibition:
22 January 2014 at 7pm, a theatre piece written especially for the show by Renata Burckhardt will be performed. 6 February 2014, at 7.30pm we are showing a movie chosen and introduced by Meret Ernst.