Anna Amadio: For Winners

Anna Amadio: For Winners

grosser ast / big branch by anna amadio

Anna Amadio

Grosser Ast / Big Branch, 2012

die glückliche hand / the lucky hand by anna amadio

Anna Amadio

Die glückliche Hand / The Lucky Hand, 2012

springen / jumping by anna amadio

Anna Amadio

Springen / Jumping, 2012

lesen / reading by anna amadio

Anna Amadio

Lesen / Reading, 2011

von lebak bis sesann no. 7 by anna amadio

Anna Amadio

Von Lebak bis Sesann No. 7, 2010

von lebak bis sesann no. 10 by anna amadio

Anna Amadio

Von Lebak bis Sesann No. 10, 2010

Saturday, October 27, 2012Saturday, December 1, 2012


Zurich, Switzerland

Anna Amadio: For Winners
27. Oktober bis 1. Dezember 2012

Eröffnung: Samstag/Sonntag, 27./28. Oktober 2012 von 11 bis 17 Uhr
Gleichzeitig mit dem Galerien-Wochenende DIE ZUERCHER GALERIEN

Wir freuen uns sehr, Ihnen neue Arbeiten von Anna Amadio (*1963 in Belp bei Bern, lebt und arbeitet in Basel) in ihrer zweiten Einzelausstellung in unserer Galerie präsentieren zu können. Die Künstlerin stellt drei verschiedene Werkgruppen vor, die sich gegenseitig ergänzen, aber auch im Widerspruch zueinander stehen. Im ersten zur Strasse hin sichtbaren Schaufensterraum platziert Anna Amadio zwei grossformatige goldige Reliefbilder und stellt würdevoll, in die Mitte des Raumes auf einen verspiegelten Sockel, eine aus Zweigen und goldener Farbe gefügte, kleine Plastik namens For Winners. Der goldene Raum ist für Sieger gemünzt. Gewinner werden mit goldenen Medaillen ausgezeichnet. Im Titel finden sich weitere Verweise und Fragestellungen. Wer sind diese Gewinner? Ist es die Künstlerin, die eine Ausstellung realisiert hat, oder die Besucher der Schau? Wem gilt die Maxime "For Winners"?

In der Ausstellung For Winners wird exemplarisch das Kunstwollen von Anna Amadio, die innere Notwendigkeit und Entfaltung ihrer künstlerischen Arbeit sicht- und greifbar. In einigen prägnanten Äusserungen erläutert die Künstlerin den Entstehungszusammenhang der neuesten, den mittleren Raum besetzenden, skulpturalen Arbeiten. Sie sind eine Reaktion auf eine Gruppe von Stillleben, die erstmals in einer Ausstellung im Jahr 2010 in Köln gezeigt wurde. In der Ausstellung For Winners ist diese Werkgruppe exemplarisch mit zwei Arbeiten Von Lebak bis Sesann Nummer 9 und Nummer 10 vertreten. Anna Amadio hat die Stillleben der Kölner Ausstellung bewusst, im Sinne eines konzeptuellen Kontrapunkts zur Idee der Nature morte, durch deren Herstellung mit einem Zeitfaktor versehen: Durch das Vakuumisieren des nassen Bildmotives wird die Vollendung des Bildes, die fertige Malerei hinausgezögert. Das langsame Trocknen der Farben bewirkt, dass das Bild sich verändert und in Bewegung bleibt. Aus der Nature Morte wird ein sich bewegendes Bild. Verschiedene Faktoren bestimmen die Erscheinung des Endprodukts; die Farbmischung, der sich im Bildinneren befindliche Druck, Gravitation, Raumtemperatur beeinflussen und verändern das Stillleben. Der genaue Zeitpunkt der Fertigstellung der Bilder ist nicht eindeutig und für jedes der Bilder verschieden.

Diese "fliessende" Erfahrung weckte bei der Künstlerin das intuitive Bedürfnis nach einem Punkt, einem genau bestimmbaren Zeitraum. Sie strebte nach einer Beschränkung des Zufalls, der Kontingenz. Somit drängte sich ihr die Arbeit mit der Form des Punktes auf. Der Punkt ist als Form das abgeschlossenste und lesbarste Zeichen – die verständlichste Behauptung und Setzung überhaupt. Der Punkt steht am Schluss eines Satzes. Er kann aber auch inhaltlich am Anfang einer Diskussion stehen und bestimmt eine Argumentation. Punkte werden gegeben, verteilt, abgestrichen und vorgehalten. Sie besitzen durchaus Abstufungen: Punkte können als schwach oder stark gelten. Ein Punkt kann sachlich oder emotional vorgebracht werden. Er drückt etwas aus, ab oder weg. Der Punkt ist mächtig, aber er ist auch manipulierbar oder kann als minder wichtig eingestuft werden. Der Punkt hat seinen Wert. Je mehr und grösser der Punkt geformt wird, desto mehr verliert er sich in der Fläche und ist als Ausgangspunkt nicht mehr lesbar: Er hängt durch, wölbt und drängt sich um den Träger, schlappt runter und vermischt sich mit anderen kleingebliebenen Punkten oder gross gewordenen Flächen. Diese verlorenen Punkte, die Flächen, die die vorausgehende Punktform eingebüsst haben, gewinnen im Gegenzug an Farbpräsenz, Strahlkraft und Formbarkeit. Sie sind anpassungsfähig, geschmeidig, weich, kontaktfreudig und kommunikativ. Ohne ihren Ursprung zu verleugnen haben sie ihren Auftrag zu punkten zurückgestuft.

Die freistehenden, allein erkennbaren, oder angesammelten kleinen, mittleren oder grossen Punkte üben in den skulpturalen Arbeiten von Anna Amadio einen Druck auf den Farbträger aus. Das Gewicht der jeweils runden Kleckse drückt die Äste zu Boden; sie werden für sie zu einer Last. In der Ausarbeitung sowohl der Punkt-Arbeiten als auch der Stillleben sind Fragen der Gravitation und räumlichen Orientierung massgebend. Bei den Stillleben trug Anna Amadio das Motiv horizontal auf und stellte die Bilder vertikal auf. Bei den neuen Skulpturen brachte die Künstlerin die Punkte jeweils beidseitig der liegenden Äste horizontal. Die Gravitationskraft bestimmt die Form mit. Die künstlerische Produktion unterliegt somit nicht lediglich den Eingriffen von Anna Amadio, sondern wird auch physikalischen Prozessen bewusst übergeben.

Anna Amadio versteht sich in erster Linie als Plastikerin und dies beinahe im eigentlichen Sinne des Wortes. Sie ist mit vielen Einzelausstellungen im In- und Ausland hervorgetreten und zählt zu den bedeutensten schweizer Künstlerinnen. In ihrem Werk finden sich grosse Innovationskraft und genaue Beharrlichkeit.

Die Eröffnung findet in Anwesenheit der Künstlerin am Samstag, 27. und Sonntag 28. Oktober 2012 von 11 bis 17 Uhr statt.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 12–18 Uhr, Samstag 11–17 Uhr und nach Vereinbarung

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Anna Amadio: For Winners
27 October to 1 December 2012

Opening: Saturday/Sunday, 27 /28 October 2012 from 11am to 5pm
Within the scope of the Gallery-Weekend by THE ZURICH GALLERIES

We are very pleased to show new works by Anna Amadio (*1963 in Belp near Bern, lives and works in Basel) in her second exhibition in our gallery. The artist presents three different bodies of works; they complement each other on the one hand and are antagonistic on the other. In the first room of the gallery, opening up through large windows towards the street, Anna Amadio has placed two large, golden relief painting and has put in the middle of the room with a grand gesture on a mirrored pedestal a small sculpture called For Winners, made of branches, golden pigments and glue. The golden room is coined for winners. Winners are decorated with golden medals. The title allows further questions and references: Who are the winners? Is the artist meant, having realized an exhibition, or the visitors of the show "For Winners"?

In the exhibition For Winners the notion of "Kunstwollen", Anna Amadio's inner aim and necessity to produce art, emerges. In some telling remarks the artist throws light on the production of her most recent sculptural works, shown in the central room of the gallery. The sculptures are a reaction to a group of still lifes, presented for the first time 2010 in an exhibition in Cologne. In the show For Winners this body of works is represented exemplarily with two works From Lebak to Sesann Number 9 and Number 10. Anna Amadio has introduced deliberately through their fabrication – as a conceptual counterpoint to the idea of the nature morte – a time factor: Through the vacuum process of the wet images the completion, the drying of the colours, is delayed. The slow drying of the colours causes that the images are gently changing and stay in constant flux. The nature mortes morph into moving images. Several factors determine the appearance of the final product; the mixture of the colours, the pressure inside the painting, the force of gravity, the ambient temperature all these points have an effect on the still lifes. The precise moment of the completion of the paintings is ambiguous and for each image different.

This "floating" experience urged Anna Amadio to set points, create precise moments in time. The artist aimed for an end of all contingency. Therefore the idea and concept of the point became prominent in her work. As a form the point is the most complete and legible sign. The point stands at the end of a sentence. But he can also stand at the beginning of a discussion and lead an argumentation. Points are being given, distributed, discarded and reproached. They can express a scope of meanings: Points can be strong or weak. A point can be made factually or emotionally. The point expresses something, pushes something away or covers something. A point can be strong, but he is also manipulable, or can be classified as less important. The point has its value. The more and the bigger the point is, the more it gets lost in the space and is not readable anymore as the point of departure: It dips, bends and pushes towards its carrier. The point falls off its base and mingles with other, smaller points and surfaces.

These lost points – the surfaces having lost their previous point form – gain in return colour force and formability. They are flexible, smooth, sociable and communicative. Without disclaiming their provenance they have reduced their duty to score. In the sculptural works of Anna Amadio the freestanding or grouped small, medium or large points execute a pressure on the carrier of the colour points. The weight of the round blobs pushes the branches towards the floor; they become a burden. In the execution of both the pointed sculptures and the still lifes questions of gravitation and spatial orientation are decisive. In the group of still lifes Anna Amadio applied the subject horizontally and positioned them afterwards vertically. In the new sculptures the artist attached the points on both sides of the lying branches horizontally. Gravitation co-determines the form. The present works are therefore not only subject to the interventions of the artist but have been deliberately committed to physical procedures.

Anna Amadio works primarily as a sculpture. Her work has been shown in many one person and group exhibitions. She ranks among the most important Swiss artists. Her oeuvre stands out due to her innovative capacity and her precise persistence.

The opening takes place Saturday, 27 and Sunday 28 October 2012 from 11 to 5 pm. The artist will be present.