Kovacek & Zetter GmbH

Das Tier in der Kunst

Das Tier in der Kunst

persische hunde by norbertine bresslern-roth

Norbertine Bresslern-Roth

Persische Hunde, 1929

papageienwald by ludwig heinrich jungnickel

Ludwig Heinrich Jungnickel

Papageienwald, 1914

löwenkopf, aus der serie

Ludwig Heinrich Jungnickel

Löwenkopf, aus der Serie "Schönbrunner Tiertypen", 1909

zwei dalmatinische esel by ludwig heinrich jungnickel

Ludwig Heinrich Jungnickel

Zwei dalmatinische Esel

Wednesday, May 25, 2011Thursday, June 30, 2011


Vienna, Austria

DAS TIER IN DER KUNST
Bresslern-Roth. Jungnickel. Praschl. Laske

25. Mai bis 30.Juni 2011

Das Tierstück als eigenständige Gattung der Malerei entwickelt sich im späten 17. und beginnenden 18. Jahrhundert. Die Grundlage bildet eine neue Art der Naturbetrachtung und die genaue Erforschung aller Tiere und ihrer Lebensräume. Prachtvolle Menagerien und Zooanlagen entstehen, in denen man die exotischsten Lebewesen bewundern und bestaunen kann. Vom bloßen Attribut oder ikonografischen Symbol wird das Tier zum alleinigen Darstellungsmotiv. Maler wie Melchior Hondecoeter, Paul de Vos oder Paulus Potter können als Meister dieses „Genre animaux“ genannt werden. Neben dem Jagdstück gewinnt die Genremalerei mit tierischen Akteuren zunehmend an Bedeutung. Das Tier wird im Zuge der Aufklärung als eigenständige Kreatur mit Gefühl, Verstand und Seele wahrgenommen und als solche dargestellt. Auch in der österreichischen Malerei blickt die Tiermalerei auf eine reiche Tradition zurück. An der Akademie für bildende Künste in Wien gibt es eine eigene Klasse für diese Gattung. Vor allem um die Jahrhundertwende erhält das Genre wichtige Impulse durch Maler wie Alfred Roller, Emil Orlik und Ferdinand Andri. In der Malerei und im Kunsthandwerk des Jugendstils spielt das Tier eine tragende Rolle mit vielfältigen Deutungsmöglichkeiten. Es ist Jäger und Beute zugleich, Freund und Feind des Menschen, geliebtes und gefürchtetes aber auch wegen seiner Schönheit und Vielfalt bewundertes Wesen.

Einer der berühmtesten österreichischen Tiermaler ist zweifelsfrei Ludwig Heinrich Jungnickel, von dem eine Vielzahl an hervorragenden Werken in der Ausstellung zu sehen ist. Zu den frühen Arbeiten gehören die wundervollen Holzschnitte der Serie der „Schönbrunner Tiertypen“, seltene Sammlerstücke, die in ihrer grafischen Brillanz beeindrucken und dem Jugendstil verhaftet sind. Sie belegen aber auch die intensive Auseinandersetzung des Künstlers mit dem japanischen Farbholzschnitt. In diesen frühen Jahren dürfen durchaus Parallelen zu Norbertine Bresslern-Roth gezogen werden, zweite wichtige Vertreterin der österreichischen Tiermalerei. Auch sie nimmt Anleihen bei den großen Meistern der japanischen Druckkunst. Die Ausschnitthaftigkeit der Motive, die starke Umrisshaftigkeit der Figuren und die manchmal extreme Aufsicht auf eine Szene weisen auf diese Wechselwirkung hin. Sie dienen einerseits der Steigerung der Dramatik, bewirken aber auch eine Ornamentalisierung des Darstellungsgegenstands, die wiederum auf eine Eigenheit des Jugendstils verweist. Hier kreuzen sich die Wege der beiden unterschiedlichen Künstlerpersönlichkeiten, ein durchaus interessanter Aspekt, dem in der Literatur bisher wenig Bedeutung beigemessen wurde.

In weiterer Folge entwickeln sich die beiden Künstler in durchaus unterschiedliche Richtungen weiter. Mit den 1914 entstandenen Holzschnitten „Zwei blaue Aras“ und „Papageienwald“ steigert Ludwig Heinrich Jungnickel die Ausdruckskraft seiner Motive, schafft bewegtere Kompositionen und entwickelt eine ganz individuelle Art des Expressionismus, der in dem Ölbild „Raubkatze“ oder dem Aquarell „Drei Tiger“ einen Höhepunkt findet. Die unbezwingbare Wildheit der Tiere und ihre animalische Potenz finden ihren Niederschlag im Gestus der Malerei. Ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sind zahlreiche Beispiele für Ludwig Heinrich Jungnickels virtuose Tierstudien in Kohle und Aquarell. Diese Bilder haben ihren Ursprung in der unmittelbaren Naturbeobachtung und sind zumeist direkt und spontan vor dem Motiv entstanden. Zu den beliebtesten Darstellungen gehören Katzen, Füchse und immer wieder Esel, die der Künstler ganz besonders ins Herz geschlossen hat. Mit sicherem Strich und einem unglaublichen Gespür für das Wesen der Tiere weiß der Künstler Eigenart und Charakterzüge jedes einzelnen einzufangen. Diese gefühlvolle Darstellung bewirkt, dass sich der Betrachter zu diesen Kreaturen so hingezogen fühlt. Die Tiere werden mit menschlichen Eigenschaften wie Stolz oder Eitelkeit ausgestattet. Das Humoristische oft fast Karikierende der Darstellung amüsiert und berührt zugleich.

Von Norbertine Bresslern-Roth, von der sich eine Vielzahl von Arbeiten in der Grafischen Sammlung Albertina sowie in der Sammlung Rudolf Leopold befinden, sind an die dreißig Linolschnitte zu sehen. Diese Technik entdeckt die Künstlerin schon früh für sich und erlangt damit internationale Bedeutung. Noch heute sind ihre Grafiken bei Sammlern auf der ganzen Welt äußerst beliebt. Ihr im Jugendstil wurzelnder narrativer Stil und der Detailreichtum ihrer Kompositionen unterscheidet sie von anderen Tiermalern ebenso wie die Dramatik, die manche Darstellungen auszeichnet. Sie zeigt keineswegs nur die idyllischen Seiten der Tierwelt, sondern auch das Lebewesen im Kampf gegen Naturgewalten und im Ringen ums Überleben. Es ist gelungen sehr seltene Linolschnitte wie „Greyhound“, „Junge Katzen“, „Violetter Ara“ und die „Persischen Hunde“ für die Ausstellung zu akquirieren. Gezeigt werden auch zwei beeindruckende Ölbilder „Geheimnis“ und „Die Bunten“. In dieser Technik hat Norbertine Bresslern-Roth einen ebenso unverkennbaren Stil entwickelt, der sich durch seine samtig-matte Oberfläche auszeichnet. Diesen Effekt erzielt die Künstlerin, indem sie die Farbe recht trocken auf hell grundierte Jute setzt, deren grobe Struktur stellenweise hervortritt. Immer steht das Tier im Zentrum ihrer Darstellungen, der Mensch greift höchstens als Jäger störend in die Naturidylle ein oder darf als stummer Beobachter an der Welt der Tiere teilhaben.

Wenn man an österreichische Tiermalerei denkt, darf ein großer Name nicht fehlen: Carl Fahringer, der als Professor die Klasse für Tiermalerei an der Wiener Akademie der bildenden Künste leitet, prägt mit seinem unmittelbaren, lebendigen Stil und einer ausgeprägten Farbigkeit eine ganze Künstlergeneration. Zu seinen Schülern zählt auch Stefan Praschl. Gemeinsam mit seinem Lehrmeister Carl Fahringer und seinem Freund Ludwig Heinrich Jungnickel ist dieser im Tiergarten Schönbrunn auf Motivsuche anzutreffen. Vor allem die Volièren mit den exotischen Vögeln hinterlassen einen bleibenden Eindruck auf den Künstler. Wundervolle Bilder wie jene in der Ausstellung gezeigten Ölbilder mit Papageien und Tukanen sind wichtige Beiträge zur Tiermalerei im Allgemeinen und zur österreichischen Malerei des Farbexpressionismus im Speziellen. Typisch für Stefan Praschl ist das Einfangen seiner Motive mit einigen wenigen gezielten Linien und eine übersteigerte Farbigkeit, mit der er den Expressionismus Carl Fahringers weiterentwickelt.

Natürlich darf auch Oskar Laske in dieser Ausstellung nicht fehlen, der mit seinem unvergleichlichen Phantasiereichtum Tiere in schier unendlichen Variationen als Motive seiner Bildfindungen einsetzt. Seien es biblische Szenen wie „Jonas und der Wal“ oder die berühmte „Fischpredigt“, literarische Themen wie der „Sommernachtstraum“ oder humorvolle Blätter wie die vielfältigen Tischkärtchen - Tiere nehmen einen zentralen Bereich im Schaffen des Künstlers ein. Bunte Fabelwesen, Mischformen aus Mensch und Tier finden sich da in den leuchtendsten Farben. Die Tiere nehmen menschliche Eigenschaften an oder verrichten menschliche Tätigkeiten und bringen uns so zum Schmunzeln.

„Gibt es für Künstler eine geheimnisvollere Idee als die, wie sich wohl die Natur in dem Auge eines Tieres spiegelt“ schreibt der große deutsche Expressionist Franz Marc und liefert so eine mögliche Erklärung für die Faszination, die das Tier über all die Jahrhunderte auf Künstler aller Nationen und Stilrichtungen ausgeübt hat und noch immer ausübt.
Sophie Cieslar

Der zur Verkaufsausstellung publizierte umfangreiche Katalog ist in der Galerie Kovacek & Zetter zu erwerben.