Häusler Contemporary

Trip: Peter Young, Michael Venezia, Richard Allen Morris (Munich)

Trip: Peter Young, Michael Venezia, Richard Allen Morris (Munich)

Friday, October 26, 2012Friday, December 21, 2012


Munich, Germany

Trip: Peter Young | Michael Venezia | Richard Allen Morris
27.10. bis 21.12.2012
Eröffnung: Donnerstag, 26. Oktober 2012, 18 bis 21 Uhr

Häusler Contemporary lädt mit der Ausstellung »Trip« zur Begegnung mit drei wichtigen Positionen der amerikanischen Malerei der 1960er und 1970er Jahre bis heute ein. Neben Richard Allen Morris und Peter Young stellen wir mit Michael Venezia erstmals einen weiteren bedeutenden Vertreter des Postminimal Painting vor.
Den Auftakt zu »Trip«, einer ideellen Reise durch die jüngere Geschichte internationaler Malerei macht Peter Young (*1940, Pittsburgh, PA, USA), der im New York der 1960er Jahre die strengen Formprinzipien der wesentlich von Donald Judd geprägten Minimal Art mit den Mitteln der Malerei durchbrach und ironisierend in Frage stellte. Youngs künstlerisches Konzept fand in der New Yorker Kunstszene große Beachtung, nach erfolgreichen Ausstellungen, unter anderem in der Galerie von Leo Castelli, verließ der Künstler dennoch New York in Richtung Arizona, wo er seitdem lebt und arbeitet.
Im großformatigen Werk »#10-1965«, einem raren Beispiel aus der frühen Werkphase des Künstlers, durchbricht eine strenge Linearkomposition alle Regeln der Geometrie: ein Viereck ist aus der Balance gesetzt und öffnet den Bildraum wie ein fragmentiertes Tor, gleichsam als eine symbolische Einladung zur Begegnung mit den unterschiedlichen künstlerischen Konzepten der Ausstellung.
In den 1970er Jahren wandte sich Young einer von ethnischen und psychedelischen Impulsen geprägten Malerei zu. In der Ausstellung sind Beispiele seiner intensiv farbigen, ornamenthaften Kompositionen aus den 1970er und 1980er Jahren zu sehen, die von den Formrapporten indianischer Ornamentik geprägt sind. Eine subjektive Annäherung an abstraktes Formgefüge, ganz ohne ideologische Schwere. Peter Young löste sich in den 1990er Jahren aus diesen strengen Form- und Farbrhythmen und erweiterte seine Malerei in eine schwungvolle, raumgreifende Geste, ohne die konkrete Abstraktion dabei gänzlich zu verlassen.
Mit der umfassenden Retrospektive Peter Youngs 2007 im P.S.1 New York begann eine konsequente Wiederentdeckung dieses spannenden Oeuvres in der Gegenwart.

Der kompromisslose Formwille und sein besonderes Interesse an den Entwicklungen der abendländischen Malerei machen Richard Allen Morris (* 1933, Long Beach, CA, USA ) zu einem einflussreichen »Künstler Künstler«, den sein Freund und Kollege John Baldessari mit Henri Rousseau verglich. (»He is like what Rousseeau was to other painters in Paris...«). In einer intensiven Auseinandersetzung mit Werken von Giotto, Toulouse Lautrec, Daumier oder Kirchner führt Morris in den 1960er Jahren einen malerischen Dialog mit dem klassischen Motiv in einer radikalen Reduktion formaler Mittel, indem er Teile der Komposition nicht farbig ausführt, sondern die intendierte Farbgebung lediglich handschriftlich vermerkt. Die großformatigen Werke »From the Imperial Court (from Toulouse Lautrec)« und »Revival (from Giotto)«, beide aus 1962, stehen damit als wegweisende Beispiele konzeptueller Malerei.
Aus dem Jahr 1965 stammt die der Ausstellung den Titel gebende Arbeit »Trip«, in der Morris Malerei und Collage zu einer Bildeinheit verbindet. Auf eine in rigoroser Geste bemalte Leinwand setzt der Künstler eine Postkarte des Fujiyama und entführt den Betrachter, nicht ohne Augenzwinkern, in geheimnisvolle exotische Welten. Mit »Gilroy« präsentieren wir einen der »Heads«, die ebenso prägend sind für das Werk und die späte Bekanntheit von Richard Allen Morris wesentlich mit begründet haben.
Michael Venezia (*1935, Brooklyn, N.Y., USA) ist erstmals in einer Ausstellung bei Häusler Contemporary vertreten. Auch er gilt als Erneuerer der Malerei der 1960er Jahre, besonders der stilprägenden Tendenzen des abstrakten Expressionismus, den er mit seinen eigenen Mitteln fortsetzen und interpretieren wollte, um ihm damit auch neue Aspekte von Qualität zu verleihen. Mit Freunden wie Dan Flavin, Sol Lewitt oder Robert Ryman entstanden die Grundlagen für den konzeptuellen Diskurs. Nach einer Periode, in der Venezia mit geometrisierenden Farbstreifen experimentierte, fokussierte er die malerischen Qualitäten des homogenen Bildgrundes und begann, das Bild von seinen äußeren Begrenzungen her zu bearbeiten. Das großformatige »Untitled_69_1« aus 1969 ist beispielgebend für die malerische Technik dieser Zeit, als Venezia Farbe mit einer Spraypistole auf die Leinwand aufbrachte. Die malerische Intervention konzentrierte sich auf die Bildränder, von wo aus die Farbe auf die Fläche gesprüht wurde und zur Bildmitte hin immer feiner und transparenter erschien. Es entstanden Bilder von kraftvoll sinnlicher Ausstrahlung, auch auf Papier, das durch teilweise Faltung die Farbfelder in scharfen Stegen durchtrennte. Zufall und Konzept blieben die wesentlichen Gestaltungsprinzipien Venezias bis heute.
Im Gegensatz zu den sich ungehindert ausbreitenden Farben auf der Fläche zwingt Venezia in seinen »Bars«, stabförmigen Bildobjekten, die Farbe auf eine kleinstmögliche Oberfläche. Die direkt bemalten Holzlatten werden zu Trägern unterschiedlichster Materialien: mit Spachtel oder Pinsel bringt er neben Öl und Acrylfarben auch Aluminiumpigmente, Blattgold oder Kupferfolie auf, um jegliche homogene Geschlossenheit der Oberfläche zu brechen. In der Arbeit »VS« aus dem Jahr 2007 greift Venezia diesen seit seinem Frühwerk bearbeiteten Werktypus wieder auf und segmentiert die laminierte Oberfläche des schmalen Stabes durch kraftvolle Farbigkeit.

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The exhibition »Trip« at Häusler Contemporary surveys three important positions in American painting from the 1960s and 70s to the present day. Besides Richard Allen Morris and Peter Young, we are proud to present for the first time work by Michael Venezia, another important representative of Postminimal Painting.
The exhibition, a conceptual exploration of the recent history of international painting, opens with Peter Young (b. 1940 in Pittsburgh, PA). Working in New York in the 1960s, Young used painting to undermine and ironically question the rigid formal principles of Minimal Art, which had developed under the dominant influence of Donald Judd. Although his approach met significant interest in New York’s art scene, and despite several successful exhibitions, notably at Leo Castelli Gallery, Young eventually left New York and settled in Arizona, where he has been living and working since.
The rigorous linear composition in his large-scale painting »#10-1965«, a rare example of his early work, defies the rules of geometry: the rectangle has been set off-balance and opens the picture space like a fragmented gate – a symbolic invitation to explore the different conceptual approaches highlighted in the present exhibition.
In the 1970s Young turned to a style of painting marked by ethnical and psychedelic influences. »Trip« includes examples of his brightly coloured, ornamental compositions from the 1970s and 1980s, which take their cue from the formal principles of Indian decorative art – a subjective exploration of abstract arrangements, unburdened by ideology. In the 1990s the artist freed himself from these stringent rhythms of form and colour, expanding his painting into dynamic, expansive strokes, without entirely abandoning the notion of concrete abstraction.
Young’s comprehensive retrospective at P.S.1 in 2007 initiated a systematic rediscovery of the artist’s exciting body of work.

With his uncompromising focus on form and particular interest in the history of Western painting, Richard Allen Morris (b. 1933 in Long Beach, CA) is a highly influential »artists’ artist«, who was once compared by his friend and colleague John Baldessari to Henri Rousseau (»He is like what Rousseau was to other painters in Paris...«). Since the 1960s, through a confrontation with works by Giotto, Toulouse-Lautrec, Daumier and Kirchner, Morris has been engaging in an intense dialogue with classical painting. This has resulted in a radical reduction of his formal vocabulary, whereby entire parts of his compositions are left bare, their intended colours merely indicated in handwriting. His large-scale works »From the Imperial Court (from Toulouse Lautrec)« and »Revival (from Giotto)«, both from 1962, are seminal examples of conceptual painting.
»Trip«, the work from 1965 that lends its title to this exhibition, combines painting and collage into a pictorial unity. On a canvas grounded with rigorous strokes, the artist has placed a postcard of Mount Fuji, thus ironically embarking spectators on a journey to mysterious and exotic places. With »Gilroy«, Häusler Contemporary presents one of the »Heads« which have equally marked the artist’s oeuvre and played a significant role in his subsequent recognition.

Michael Venezia (b. 1935 in Brooklyn, NY), who is exhibiting for the first time at Häusler Contemporary, is widely considered to have played a major role in the renewal of painting in the 1960s, notably the various seminal strands of Abstract Expressionism, which he expanded and reinterpreted through a personal approach, investing it with new aspects of quality. With his friends Dan Flavin, Sol LeWitt and Robert Ryman, he laid the foundations for the conceptual discourse. After a period in which he experimented with geometrical colour stripes, he explored the painterly qualities of the homogenous picture plane and began working on the image by starting on its outer limits. The large-scale work »Untitled_69_1« from 1969 is a perfect example of the artist’s technique in those years, when he applied the paint to the canvas with a spray gun. The painterly intervention focused on the fringes of the image as the starting point from where the paint was sprayed onto the surface so as to gradually thin out towards the centre and appear translucid. Venezia thus created paintings which radiate a powerful impression of sensuality, also on paper, which was partly folded so as to divide the various colour fields like sharp demarcation lines. Today chance and concept remain essential creative principles in the artist’s work.
Contrasting with this freely expanding paint, the colours in »Bars«, a series of stick-shaped painterly objects, are confined to the smallest possible surface. These wooden slats, on which the paint is applied directly with a spatula or brush, become the support for various materials besides oil and acrylic paint, such as aluminium pigments, gold leaf and copper foil, which break up the homogeneity of the surface. In »VS«, from 2007, Venezia returns to this type of works, which he has been developing since the beginning of his career, and partitions the laminated surface of the thin stick with bright and powerful colours.