Häusler Contemporary

Michael Venezia: Stop Looking, Start Finding. Paintings 1970 - 2013 (Zurich)

Michael Venezia: Stop Looking, Start Finding. Paintings 1970 - 2013 (Zurich)

untitled by michael venezia

Michael Venezia

Untitled, 1971

spz by michael venezia

Michael Venezia

SPZ, 1972

Thursday, November 21, 2013Saturday, February 22, 2014


Zurich, Switzerland

Michael Venezia

«Stop Looking, Start Finding»
Paintings 1970 – 2013

Kurator Dr. Heinz Liesbrock
(Josef Albers Museum Quadrat, Bottrop)

Eröffnung: Donnerstag, 21. November 2013, 18–20 Uhr
21. November 2013 bis 22. Februar 2014

Mit einer retrospektiv angelegten Überblickschau stellt Häusler Contemporary offiziell Michael Venezia (*1935, Brooklyn, NY) als Künstler der Galerie vor. Wir freuen uns, unser Programm mit Venezias innovativem Ansatz, der in den 1960er-Jahren wesentlich zur Erneuerung des Malereibegriffs beitrug, folgerichtig ergänzen zu können und den Künstler in seiner erst zweiten Schweizer Einzelausstellung zu zeigen. Die bis anhin erste Präsentation hierzulande wurde 1996 von Dr. Dieter Schwarz im Kunstmuseum Winterthur ausgerichtet.

Dr. Heinz Liesbrock, der diese Schau damals für den Westfälischen Kunstverein, Münster, übernahm und das Werk Venezias 2009 erneut im Josef Albers Museum in Bottrop vorstellte, ist ein langjähriger Freund und Kenner von Michael Venezias Arbeit. Wir freuen uns deshalb, dass wir ihn als Kurator unserer Ausstellung gewinnen konnten.

Venezia hat sich von Beginn seiner Karriere an, um 1965, in einem emphatischen Sinn als Maler verstanden, auch wenn dieses Bekenntnis dem damaligen künstlerischen Geist der Minimal und Conceptual Art zu widersprechen scheint. Er teilt die Prämissen seiner Generation, zieht aber daraus seine eigenen Folgerungen. Als er 1958, nach einem Kunststudium bei Peter Busa am State University of New York College in Buffalo, nach New York zurückkehrt und für ein Jahr eine Stelle am Museum of Modern Art antritt, begegnet er Künstlern wie Dan Flavin, Sol LeWitt und Robert Ryman, mit denen er sich bald anfreundet und denen er lebenslang verbunden bleibt. Das Gespräch, das diese Protagonisten damals beginnen, hilft mit, eine neue Grundlage für die Entwicklung der amerikanischen Kunst zu legen, von der sie sich in den kommenden Jahrzehnten nähren wird. Auch wenn die einzelnen Künstler unterschiedliche Wege beschreiten, so teilen sie doch dasselbe Anliegen: Die Routine und Selbstverliebtheit, die sich in den Gesten des Abstrakten Expressionismus mittlerweile eingeschrieben hatten, zu überwinden und zu transzendieren. Während viele seiner Kollegen dafür den ‘Weg der Skulptur’ wählen, geht es Venezia darum, die Grenzbereiche der Malerei auszuloten und deren inhärente Bedingungen zu reflektieren. Seine Kunst baut deshalb ausdrücklich auf die Flächigkeit des Bildträgers und die Materialität der Farbe. Jeder räumliche Illusionismus und die Vorspiegelung einer vermeintlichen emotionalen Unmittelbarkeit im malerischen Gestus sollen ausgeschlossen werden. Zugleich wird das Paradigma der Komposition im Sinn eines Gleichgewichts unterschiedlicher Bildelemente abgelöst. Der Maler als personaler Autor des Bildes tritt gänzlich in den Hintergrund.

Ende der 1960er Jahre findet Michael Venezia zur Farb-Sprühpistole als adäquatem Mittel, um das Handschriftlich-Gestische des Pinselstrichs hinter sich zu lassen. Unsere Ausstellung setzt bei diesen Werken ein, die mit ihrem experimentelle Ansatz den Begriff ‘Bild’ neu beleuchten: Das Sprühmoment etwa wird stets am Rande angesetzt, die Fläche von dort aus bearbeitet. Venezias konzeptuelles Ziel dabei ist es, die verschiedenen Spraymarkierungen, zwei oder mehrere, möglichst identisch zu gestalten in der Erinnerung an Einfallswinkel der Farbe, Stärke des Luftdrucks und Zeitdauer der Besprühung. Kalkül und Zufall, Konzept und Intuition stehen dem Werk hier gleichermassen Pate.

Die althergebrachte, rechteckige Leinwand lässt der Künstler bald ebenfalls hinter sich und ersetzt sie durch eine stabförmige Unterlage, die zunächst noch mit Leinen bespannt ist, später aus massivem Holz besteht. Das Verhältnis von Rand und Bildfläche wird hier abermals neu definiert, das Gemälde objekthaft in die Breite gedehnt. Die ersten Werke dieser Art entstehen 1970/71, weiterhin in der Spray-Technik. Mitte der 1980er-Jahre schliesslich tauscht Venezia die Sprühpistole ein gegen Pinsel und Spachtel und beginnt, Vierkanthölzer an der Frontseite annähernd unifarben mit Öl zu bemalen. Zwei oder drei dieser Hölzer werden bald horizontal aneinander gereiht zu einem einzigen, langen Objekt und ab 1991 schliesslich auch übereinander geschichtet in den «Stacked Paintings». Was vermeintlich als Rückkehr zur ‘traditionellen’ Malerei erscheint, ist tatsächlich eine neue Art, ihre Prinzipien innerhalb der nun enger gefassten Bedingungen herauszufordern, zu betonen und so das ‘Experiment Malerei’ fortzusetzen.

Die jüngsten Werke in unserer Ausstellung enthalten nun Stäbe, die in sich unterschiedliche Farbigkeiten aufweisen, scheinbar aus einem einzigen, langen Pinselstrich gezogen. Tatsächlich sind es ungezählt viele Malgesten, die Venezia ausführt und in denen er die Akrylfarbe nass in nass gleichsam auf dem Bildträger direkt mischt. Der Endpunkt, der Moment, in dem er die Bewegung einstellt, ist vorab unentschieden aber nicht willkürlich gewählt, er ist bestimmt von der Malerei selbst, die sich dem Künstler zeigt: «Indem Du malst, wirst Du die Malerei finden.» Sinnlichkeit, malerische Spontaneität und konzeptuelle Erfahrung kommen in diesen Gemälden zusammen und machen Venezia zu einem der markantesten Protagonisten im Feld der zeitgenössischen Malerei.

Deborah Keller