Häusler Contemporary

Michael Venezia: Brooklyn Variations (Munich)

Michael Venezia: Brooklyn Variations (Munich)

untitled nm/r qq by michael venezia

Michael Venezia

Untitled NM/R QQ, 2001–2013

Price on Request

Thursday, June 5, 2014Sunday, August 31, 2014
Opening Reception: Thursday, June 5, 2014

Maximilianstraße 35
Munich, 80539 Germany

Michael Venezia
Brooklyn Variations


Eröffnung: Donnerstag, 5. Juni 2014, 18–21 Uhr
Dauer: bis August 2014
Dienstag-Freitag 11–18 Uhr, Samstag 11–14Uhr

Eine umfangreiche Einzelausstellung bei Häusler Contemporary Zürich führte im November 2013 Michael Venezia offiziell als neuen Künstler der Galerie ein. Wir freuen uns sehr, diesen innovativen Maler, der in den 1960er Jahren wesentlich an der Erneuerung des Malereibegriffs beteiligt war, nun auch in der Münchner Galerie mit einer Einzelausstellung zu präsentieren. Unsere Schau legt den Schwerpunkt auf frühe Gemälde von 1966 bis 1970 sowie auf ganz neue, noch nie gezeigte »Bar Paintings«. »Brooklyn Variations« nennt Michael Venezia seine erste Einzelausstellung bei Häusler Contemporary München. Brooklyn ist der Geburtsort des Künstlers und der Ort, an dem er auch heute wieder – im Wechsel mit längeren Aufenthalten in Trevi (IT) – lebt und malt. Der Titel ist also eine Hommage an den langjährigen »Lebensraum« und auch ein Zugeständnis dafür, dass dieser Stadtteil den Künstler in seinem Schaffen beeinflusst und geprägt hat. Mit dem Begriff der »Variation« evoziert Venezia ausserdem den Vergleich zur Musik – und in der Tat finden sich in den ausgestellten Bildern, die eine Zeitspanne von rund 50 Jahren umfassen, unterschiedliche »Töne«. Doch bei allen künstlerischen Phasen, die Venezia seit seinen Anfängen durchlief, hat er sein Anliegen konsequent verfolgt: Der Malerei, dieser traditionsreichen Gattung, treu zu bleiben und ihr innerhalb ihrer Gegebenheiten neue Dimensionen abzugewinnen. Venezias künstlerische Haltung hat sich in den 1950er Jahren, im Unterricht von Peter Busa am State University College of New York in Buffalo herausgebildet und ab 1958 in der New Yorker Kunstszene konkretisiert. Hier befreundete er sich bald mit Künstlern wie Dan Flavin, Robert Ryman oder Sol LeWitt und trieb mit ihnen den Diskurs um eine Erneuerung der Malerei, ja, der Kunst überhaupt, voran.

Das früheste Gemälde unserer Ausstellung stammt von 1966. Es zeigt vielerlei bunte »Farbbänder«, die mehr oder weniger parallel und mit klar begrenzten Konturen dynamisch über die Leinwand streben – eine nicht grundierte Leinwand. Michael Venezia legte so den Bildträger und die aufgetragenen Farben als je eigenständige Elemente offen. Das Ziel war nicht, ein harmonisches Ganzes zu schaffen, sondern eben gerade die mit dem Spachtel scharf gegeneinander abgesetzten Farben in ihren spezifischen Eigenheiten zum Vorschein zu bringen.

Dasselbe Prinzip gilt für die wenig später entstandenen Gemälde, die nur noch drei bis fünf verschiedene, senkrecht verlaufende Farbbahnen aufweisen. Auch wenn man auf den ersten Blick ein berechnetes Flächenverhältnis wie bei den Konkreten Künstlern vermutet, liegt auch diesen Bildern keine bewusste oder gar kalkulierte Komposition zugrunde. Indem er an mehreren Leinwänden parallel arbeitete, ging es ihm um das Ausloten von verschiedenen Farbmengenverhältnissen nebeneinander, die weder einem kompositorischen noch einem mathematischen Grundsatz unterliegen. In diesen Werken benutzte Venezia erstmals die Farbsprühpistole, die es ihm zudem erlaubte, Abstand zu nehmen von der Idee eines schöpferischen Gestus, der oft in die Spachtel- und Pinselstriche hinein projiziert wird. In den anschliessenden Gemälden der frühen 1970er Jahre wurde der Sprühstoss zum einzigen Element, das die Bildfläche meist vom Rand her und in mehreren, regelmässig gesetzten Markierungen optisch bestimmt.

Den zweiten Teil unserer Ausstellung bilden »Bar Paintings« von 2013 und 2014, welche Venezias aktuellste Auseinandersetzungen mit der Malerei zeigen, die aber weiterhin in den Erkenntnissen der frühen Streifenbilder gründen. Die Farbbahnen verlaufen hier nicht mehr vertikal, sondern bestehen aus zwei bis vier horizontal aneinander gereihten und übereinander gestapelten Holzblöcken. Schon ab 1970 hatte Venezia seine Experimente zunehmend auf stark gelängten Horizontalformaten ausgeführt, zunächst in der Sprühtechnik, ab Mitte der 1980er schliesslich wieder mit Spachtel und Pinsel. In den »Bar Paintings« der letzten Jahre mischt Venezia nun in mehreren Malgesten die Acrylfarbe direkt auf dem Bildträger, wodurch Pinsel- und Spachtelspuren sichtbar bleiben und eine sinnlich schillernde Oberfläche entsteht. Die separat bemalten, einzelnen Holzstäbe werden schliesslich zu Blockformationen vereint, die nicht wie übliche Gemälde gehängt, sondern auf einer feinen Metallschiene lose aufgelegt sind. Wie bei den Streifenbildern der 1960er wird so die Eigenständigkeit der einzelnen Elemente betont. Das Auflegen verleiht der Malerei zudem ein ganz eigenes, von Leichtigkeit durchdrungenes »Gewicht«.

Deborah Keller