Häusler Contemporary

Jürgen Partenheimer: Das Archiv (Zürich)

Jürgen Partenheimer: Das Archiv (Zürich)

lichtschwarm by jürgen partenheimer

Jürgen Partenheimer

Lichtschwarm, 2013

Price on Request

carme (die sängerin) by jürgen partenheimer

Jürgen Partenheimer

Carme (Die Sängerin), 2013

Price on Request

Friday, June 13, 2014Saturday, August 16, 2014
Opening Reception: Friday, June 13, 2014, 6 p.m. (EST)

Stampfenbachstraße 59
Zurich, 8006 Switzerland

Please scroll down for English Version

Das Jahr 2014 ist ein Jürgen Partenheimer-Jahr: Zum Auftakt wurde er mit dem «Audain Distinguished Residency Award» der Emily Carr University of Art + Design, Vancouver ausgezeichnet, einem der renommiertesten Kunstpreise Kanadas. Daneben zeigen mit der Pinakothek der Moderne in München, den Deichtorhallen Hamburg/Sammlung Falckenberg, dem Gemeentemuseum Den Haag und der Contemporary Art Gallery, Vancouver gleich vier bedeutende Institutionen thematische Ausstellungen zum Werk des Künstlers. Wir freuen uns ausserordentlich, dass wir in unserer Zürcher Galerie exklusiv ausgewählte Arbeiten aus dem Konvolut der Pinakothek-Ausstellung präsentieren können.

Jürgen Partenheimer (*1947, München) gehört mit seiner einzigartigen Interpretation der Abstraktion, die er als «metaphysischen Realismus» bezeichnet, zu den wegweisenden Positionen der zeitgenössischen Kunst. Seine Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen verbinden minimalistisches Formenvokabular mit lyrischem Inhalt. Ungegenständliches wird zur Andeutung von Organischem, Pflanzlichem, manchmal auch Architektonischem, um sich sogleich aber der Begrifflichkeit wieder zu entziehen. Die Dinge bleiben in der Schwebe, wobei die Formen und Linien gleichzeitig eine unprätentiöse, zeichenhafte Selbstverständlichkeit ausstrahlen, sodass der Betrachter eine Vorstellung vom nicht-darstellbaren Dazwischen – vom Metaphysischen – erhält. Partenheimers Werk eröffnet individuelle Denk- und Imaginationsräume, die in den verschiedenen Ausstellungsprojekten dieses Jahres wie weitläufige Landschaften erkundet werden können.

Unter dem Titel «Das Archiv», den auch die vier Museumspräsentationen und eine begleitende Publikation tragen, versammelt unsere Schau Arbeiten des Künstlers aus den vergangenen 5 Jahren. «Das Archiv» wird dabei nicht als eine statische Ansammlung von Gewesenem und auch nicht als rein physisches Konvolut verstanden. Vielmehr betont Partenheimer, dass das Archiv ein «System der Bewegung» ist, das sich aus «Vorstellung und Wirklichkeit» zusammensetzt und das «Augenblicke zukünftiger Vergangenheiten» bereits mit einschliesst.

Eine Visualisierung seiner Gedanken zum «Archiv» hat der Künstler im gleichnamigen Gemälde von 2013 realisiert: Amorphe und eckige Elemente, fein konturierte Formen und satt ausgemalte Flächen sind in ein scheinbar flexibles Gleichgewicht gebracht. Auch jenes blumen- oder samenartige Gebilde, das einzig nicht durch eine Linie mit den anderen Körpern verbunden ist, steht in unsichtbarer Beziehung zum Rest der sehr offenen Komposition, die durch eine grau-blaue Schattierung am unteren Bildrand geerdet wird. In der Malerei zeigt sich das «Archiv» deutlich als ein wandelbares Konstrukt von Verhältnissen und sichtbaren oder unsichtbaren Verbindungslinien.

Generell sind die Gemälde von Jürgen Partenheimer von einer leichten aber steten Bewegtheit geprägt. Die Linien tanzen über die Bildfläche wie im «Lichtschwarm» (2013), oder sie schmiegen sich zwischen pulsierenden Gestirnen empor wie in «Carme (Kairos)» (2013). Auch ein so flächiges und farbstarkes Bild wie «Renga I» (2012) wird vom Dialog der Formkonturen ins Fliessen gebracht. Die Titel der Werke entlehnt Partenheimer vielfach der Lyrik, der Mythologie oder der Philosophie verschiedener Kulturen, womit er dem Spiel der Relationen im Bildraum weitere Dimensionen hinzufügt.

Das (un-)sichtbare Netz von Beziehungen setzt sich schliesslich auch in der Ausstellungsinstallation fort: Mit der Anordnung seiner Werke beweist Partenheimer ein unverkennbares Gespür für Räumlichkeit und die darin befindlichen Objekte. Durch spannungsreiche Kombinationen und manchmal überraschende Platzierungen der Arbeiten gestaltet der Künstler in unserer Galerie für die Besucher ein Ausstellungserlebnis, das wie ein Archiv Entdeckungsmöglichkeiten in verschiedenen Schichten bereithält.

Deborah Keller

-------------------------------------------------------------------------------------

The year 2014 is a Jürgen Partenheimer-year: as a start, he received the «Audain Distinguished Residency Award» of the Emily Carr University of Art + Design, Vancouver, one of Canada’s renowned art awards. Furthermore four prestigious institutions such as the Pinakothek der Moderne, Munich, the Deichtorhallen Hamburg/Sammlung Falckenberg, the Gemeentemuseum Den Haag, and the Contemporary Art Gallery, Vancouver show thematic solo exhibitions of the artist’s work. We are delighted to be able to present an exclusive selection of works from the Pinakothek-exhibition at our Zurich gallery.

With his unique interpretation of abstraction for which he created the term «metaphysical realism», Jürgen Partenheimer (*1947, Munich) is one of the seminal figures of contemporary art. His paintings, drawings, and sculptures unite a vocabulary of minimal forms with lyrical contents. Abstract elements at times allude to organic or architectural objects yet they invariably evade explicit definitions. Things remain uncertain, but at the same time the shapes and lines radiate an unpretentious and emblematic implicitness thus providing the viewer with a sense of the non-objective – the metaphysical. Partenheimer’s oeuvre leaves room for imaginations and opens up individual spiritual spaces that can be discovered like vast landscapes in this year’s various exhibition projects.

Our show unites works by the artist from the past five years, sharing the same title as that of the four museum exhibitions including the accompanying publication: «The Archive». «The Archive» tough is not understood as a static accumulation of the past, neither it is meant to be purely physical. Instead Partenheimer points out that the archive is a «system of movement», comprised of «imagination and reality», that already includes «moments of a future past».

The artist’s thoughts concerning the «Archive» are visualized in the eponymous painting of 2013: amorphous and angular elements, shapes of subtle contours and lushly painted planes are combined with a seemingly flexible equilibrium. The only object that is not explicitly connected to the others by a line – a seed- or plant-like structure – is also invisibly related to the rest of the very open composition that is grounded by a gray-blue shading at the lower edge of the canvas. Through the painting it becomes obvious that the «Archive» is a mutable construct of visibly and invisibly connecting lines.

Generally, a subtle but constant movement characterizes all of Jürgen Partenheimer’s works. Lines dance across the picture plane as in «Lichtschwarm» (2013), or they nestle upwards between pulsating stars as in «Carme (Kairos}» (2013). Even «Renga I» (2012), a painting dominated by planes and strong colors, flows in the dialogue of the forms’ outlines. The titles of the works are often derived from lyrics, mythology or philosophy of different cultures. Thus Partenheimer adds another dimension to the interplay of relations within the pictorial space.

The (in-)visible network of relations also spans the overall exhibition installation: the way that Partenheimer arranges his works gives evidence of an unmistakable sense of space and the objects therein. With ingenious combinations and sometimes surprising placements of his works, Partenheimer creates an exhibition that provides special experiences and possibilities for discoveries in several layers – just as an archive does.

Deborah Keller