Häusler Contemporary

Hubert Kiecol: Früh (Lustenau)

Hubert Kiecol: Früh (Lustenau)

ort by hubert kiecol

Hubert Kiecol

Ort, 1981

drei strassen by hubert kiecol

Hubert Kiecol

Drei Strassen, 1989

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installation view

Installation view

Friday, May 16, 2014Monday, September 1, 2014

Baumschlager Eberle Lochau ZT GmbH, Millennium Park 20
Lustenau, 6890 Austria

Hubert Kiecol
Früh


Eröffnung: Freitag, 16. Mai 2014, 19 Uhr
Ausstellung: 16. Mai – September 2014

Das Werk von Hubert Kiecol (*1950, Bremen), einem der bedeutendsten Vertreter der zeitgenössischen Skulptur, besticht verblüffenderweise durch seinen spezifischen Umgang mit Vertrautem: Architektonische Elemente, denen er durch gezielte Reduktion eine gelassene Selbstvertsändlichkeit und archetypische Klarheit verleiht, sind sein Formenvokabular. Im Ausstellungsraum in Lustenau zeigen wir seine frühen Haus- und Treppenskulpturen aus Beton, die in diesen besonderen räumlichen Bedingungen eine optimale «Bühne» erhalten.

Hubert Kiecol hat in den frühen 1980er-Jahren die Basis seines künstlerischen Ausdrucks entwickelt: Inmitten der teilweise schrillen und eklektischen Formulierungen, zu denen viele seiner Zeitgenossen und Studienkollegen wie etwa Martin Kippenberger oder Albert Oehlen in jener Zeit neigten, hat Kiecol sich dem Einfachen, dem Alltäglichen verschrieben, das er mit seinen eigenen Mitteln und in Kenntnis der Minimal Art zu intensivieren und «kondensieren» suchte. Es sind Motive wie Treppen, Häuser, schliesslich Stelen und Fenster, die er in kleinem Mass auf ihre wesentlichsten Merkmale verdichtet. Seine Materialien sind Beton, später Stahl, Glas und in jüngster Zeit auch Holz – nicht die höchst aufgeladenen Materialen wie Marmor oder Bronze der klassischen Skulptur also, sondern wiederum die «banalen» Mittel, die alltägliche Materie unserer heutigen Zeit.

Für die Ausstellung in Lustenau versammelt Hubert Kiecol unter dem Titel «Früh» kleinformatige Haus- und Treppenskulpturen aus Beton, die am Anfang seiner kontinuierlichen Untersuchung am Objekt, seiner Befragung der Form und des Raumes stehen. Die Präsentationsweise im Ausstellungsraum folgt ebenfalls der Art und Weise, wie die Objekte in Ausstellungen der 1980er-Jahre zu sehen waren: Vereinzelt oder zu kleinen Gruppen zusammengefügt, sind die nur 26 cm hohen Häuser und die maximal 35 cm Hohen Treppen direkt auf den Boden platziert. Damit verschrieb sich Kiecol ganz klar einem Verständnis von Skulptur, wie es am Beginn der Moderne etwa durch Brancusi definiert worden war: Der Bedeutung anzeigende Sockel war als redundant erklärt worden. «Die Skulptur beginnt auf dem Boden», notierte Kiecol hierzu, seine Objekte «wollten nie erhöht werden und bestimmen direkt vom Boden aus den Raum».

Es ist ein Bild von Schlichtheit und ruhiger Klarheit, das sich dem Besucher in Lustenau präsentiert. Die Objekte gewinnen trotz ihrer geringen Grösse an Monumentalität durch die radikale Formreduktion und das Material. Dennoch sind Kiecols Werke weit entfernt von den nüchtern erhabenen Schöpfungen der Minimal Art. Seine Häuser und Treppen beinhalten stets auch eine metaphorische Ebene, indem sie als vertraute aber ihrer Funktion enthobene Elemente die allgemeine Bedeutung von Architektur und Behausung für den Menschen evozieren. Das Haus kann für Geborgenheit und Schutz stehen, aber auch in einem generellen Sinn für «Lebensraum», während die Treppe immer eine Bewegung suggeriert. Und nicht zuletzt ist auch das Verhältnis von Aussen und Innenraum ein Thema, das mit diesen kleinen «Häusern im Haus» befragt wird.

Deborah Keller