Häusler Contemporary

Gary Kuehn: Gestures and Twists (Zurich)

Gary Kuehn: Gestures and Twists (Zurich)

gary kuehn, studio view, new york 2014

Gary Kuehn, studio view, New York 2014

Price on Request

Thursday, August 28, 2014Saturday, November 8, 2014
Opening Reception: Thursday, August 28, 2014

Stampfenbachstraße 59
Zurich, 8006 Switzerland

Gary Kuehn
Gestures and Twists


Eröffnung: Donnerstag, 28. August 2014, 18 – 20 Uhr
Ausstellung: 28. August – 8. November 2014

Gary Kuehns Schaffen spielt sich seit jeher im Spannungsfeld von Begrenzung und Freiheit ab. So erstaunt es nicht, dass er in den 1960er-Jahren zu jenen Künstlern gehörte, die sich aus der formalen Autorität von Minimal Art und Abstraktem Expressionismus lösten und mit neuen Ansätze die Kunst nochmals radikal veränderten. Harald Szeemann hatte diese Tendenzen 1969 in seiner legendären Berner Ausstellung «When Attitudes Become Form» zusammengefasst und so Kuehns Werk ein erstes Mal in die Schweiz gebracht. Ab 18. September zeigt das Kunstmuseum Liechtenstein die erste umfangreiche museale Überblicksausstellung des Künstlers überhaupt. Wir freuen uns, dass wir parallel dazu vertiefte Einblicke in zwei seiner wichtigsten Werkgruppen geben können.

Die Werke von Gary Kuehn (*1939, New Jersey) befassen sich mit den zwei wesentlichen Aspekten der gegenständlichen Welt: Form und Material. So selbstverständlich diese beiden Komponenten auch erscheinen mögen, so vielfältig sind Kuehns Ansätze, deren Unbedingtheit zu befragen und ihre physischen Eigenschaften mittels Skulptur und Zeichnung bis an die Grenzen auszuloten, ja, zu unterwandern. Seit den Anfängen seiner Karriere sind es oft geometrische Grundformen wie Kreis, Quadrat oder Dreieck, die in Verbindung mit seinem Interesse an handwerklichen und industriellen Materialien wie Metall, Schaumstoff oder Holz die Basis seiner künstlerischen Untersuchungen bilden. Charakteristisch für Kuehns Werk ist dabei stets auch ein emotionaler Aspekt, der über das rein Formale hinaus eine metaphorische Ebene assoziieren lässt.

Exemplarisch für diese enge Beziehung von Form und Inhalt ist das «Gesture Project», das Kuehns Schaffen leitmotivisch bis heute durchzieht. Neben Papierarbeiten, die als Vorskizzen für skulpturale Umsetzungen gelten können, entstanden seit Ende der 1960er Jahre Zeichnungen auf unterschiedlichsten Bildträgern, die den Bleistift- oder Pinselstrich als Resultat einer Bewegung, als «Abdruck» menschlicher Gestik ins Zentrum rücken. Der Spielraum der Bewegung wird dabei stets augenscheinlich durch äussere Bedingungen eingegrenzt, durch den Rand des Blattes oder durch ein Raster, das der Künstler Beispielsweise in zwei Arbeiten von 2011 zugrunde legte. Innerhalb dieser Grenzen sucht die Linie in scheinbar wilder Entschlossenheit ihren Weg, verdichtet sich mal zum dunklen, chaotischen Wulst oder lässt Schlaufen entstehen, welche den Rahmen beinahe sprengen. Die Auflehnung der gezeichneten Linie gegen die Begrenztheit der Bildfläche erinnert unweigerlich an persönliches Entfaltungsstreben bzw. an Einschränkung menschlicher Freiheit. Noch gesteigert ist dieser Ausdruck in den zwischen 1976 und 1978 entstandenen «Copper Pieces». Das äussere Korsett ist hier durch Kupferplatten gegeben, die direkt auf das Papier montiert sind und den Weg der gestischen Linie zunächst diktieren, um sie schliesslich ihrem freien Lauf zu überlassen. Geprägt von der Formung durch die Platte setzt sich die Linie jedoch kaum verändert auf dem offenen Papier fort. Auch die neuesten Werke der Ausstellung, die «MIddlesex»- Arbeiten, sind dem «Gesture Project» zuzuordnen. Die Linie ist hier weitgehend gezähmt, eine im finalen Bild nicht mehr sichtbare Schablone hat sie in regelmässigen Abständen geformt und erst die so entstehende, angedeutete Spiralform bildet eine Öffnung ins Ungewisse.

Neben dem «Gesture Project» präsentieren wir die im Werk von Kuehn ebenfalls sehr grundlegende Serie der «Twist PIeces», die er in den 1970er-Jahren begann und Mitte der 1980er zur Gänze entfaltete, und die inhaltlich an die «Gesture»-Arbeiten anknüpft. Horizontal gelagerte Metallstangen sind ineinander verknotet oder verschraubt und verweisen so ebenfalls auf eine körperliche Bewegung zurück. Die vollendete Geste des Drehens wird dem Betrachter – vermittelt durch den «Twist» im Metall – fast bildhaft vor Augen geführt. Gleichzeitig operiert Kuehn hier mit der scheinbaren Aufhebung von Materialeigenschaften, wie er es schon in den frühen Skulpturen der 1960er getan hat, indem der harte Stahl eine weiche Geschmeidigkeit vortäuscht, die eine Diskrepanz in unserem erfahrungsbedingten Wissen und dem, was wir sehen hervorruft. Nicht zuletzt kann die Verknotung, das Gewundene wiederum als Metapher für emotionale oder auch soziale Zustände gelesen werden.

Deborah Keller

Kuehns Werke wurden schon früh in der Paul Bianchini Gallery und der Fischbach Gallery in New York sowie in der Galerie Ricke in Köln gezeigt. Ausserdem war er Teil von so massgebenden Ausstellungen wie «Eccentric Abstraction», New York 1966, «When Attitudes Become Form», Bern 1969, und «documenta 6», Kassel 1977.