Galerie der Moderne Stefan Vogdt

SEVEN SEAS Das Meer in der Fotografie

SEVEN SEAS Das Meer in der Fotografie

kawa=flow by yamamoto masao

Yamamoto Masao

Kawa=Flow

Friday, April 19, 2013Tuesday, July 30, 2013


Munich, Germany

Pentti Sammallahti, Yamamoto Masao, Klaus Kinold, Kristoffer Albrecht, Peter Weber, Zlata Vucelić und Tiina Itkonen

Die Galerie Stefan Vogdt in München zeigt vom 19. April bis Ende Juli 2013 die Gruppenausstellung „Seven Seas – Das Meer in der Fotografie“. Sieben Fotografen werden in der Galerie Arbeiten präsentieren, die sich mit dem Thema Meer, seiner visuellen Übersetzung in ein künstlerisches Medium und seinen inhaltlichen und formalen Implikationen auseinandersetzen.

Über sechs Jahre lang hat die Galerie Arbeiten ihrer Künstler gesammelt, die sich mit dem Meer befassen. Durch verschiedene künstlerische Ansätze, Techniken, Stimmungen und Sichtweisen ist eine thematische Ausstellung entstanden, die sowohl durch Gemeinsamkeiten, als auch durch die Unterschiede, die einzelnen Positionen der Künstler ausarbeitet und gleichzeitig die Deutungsweite des Meeres visualisiert. Von stark formalen Werken, die sich vor allem auf die sinnliche Weite und die speziellen Lichtstimmungen konzentrieren bis hin zu Arbeiten, die das Gewaltige der Weltmeere in den Vordergrund stellen und den menschlichen Bezug thematisieren, variieren die Positionen. Einen Aspekt haben sie jedoch alle gemeinsam: Es ist der meditative Moment, den der Anblick des Meeres unweigerlich befördert. Kein anderes Motiv gibt eine solche faszinierende Weite vor, die das Medium der Fotografie auf eine besondere Probe stellt. Der Horizont, der auf die Unendlichkeit des Ozeans deutet und gleichzeitig die Sicht am anderen Ende limitiert, ist in kaum einem der ausgestellten Werke vergleichbar.

Bedeutende Fotografen wie der Finne Pentti Sammallathi (*1950) zeigen anhand dieses ausgewählten Sujets die besondere Qualität ihrer Arbeit: In unzähligen Reisen durch die Länder der Welt sucht Sammallathi, der wohl bekannteste finnische Fotograf der Gegenwart, nach Bildkompositionen, die eine erstaunliche Mischung aus bestimmten Lichtverhältnissen, einzigartigen Naturstimmungen und geographischen sowie kulturellen Merkmalen vereinen. Im Kontext zu seinen Arbeiten, die sich vornehmlich auf die Peripherien der Zivilisation konzentrieren, sind die Meerfotografien Ausdruck für eine hohe poetische Ader. Sammallathi scheint sich in den entstandenen Abzügen nahezu vor der Schönheit des Meeres zu verbeugen.

Hier hat Sammallathi viel mit seinem Landsmann Kristoffer Albrecht (*1961) gemein. Auch ihn fasziniert die sich ständig verändernde Szenerie und Komposition, die er bei seinen täglichen Spaziergängen in Südfinnland erlebt. Orte, an denen das Meer auf die Küste trifft, fotografiert er auf der ganzen Welt und spürt dabei die besonders magischen Momente auf.

Der Japaner Masao Yamamoto (*1957) lotet in seiner Serie „Kawa = Flow“ formale Aspekte des Mediums aus. Die monochromen, reduzierten Farben geben der Oberflächenstruktur des Wassers die volle Aufmerksamkeit. Die oft auftauchende, leichte Unschärfe lässt die Motive vor den Augen des Betrachters verschwimmen und spielt verführerisch mit optischen Verwandtschaften zur Malerei. Seine besonders kleinen Formate lassen den Blick inniger werden und den Betrachter in Relation zu den auftauchenden Weiten treten. Der Titel der Serie deutet auf einen für den Buddhisten Yamamoto wichtigen inhaltlichen Aspekt der Arbeiten hin: „Kawa“ steht für den immerwährenden Fluß des Lebens, eine enge Verbindung zwischen der Gegenwart und der Zukunft. Der Vorgang des Fotografierens selbst und das Element des Wassers transportieren für Yamamoto diese Philosophie.

Mit dem Münchner Fotografen Klaus Kinold (*1939) wurde eine wichtige Gegenposition zur klassischen Landschaftsfotografie gesetzt. Der studierte Architekt hat sich weniger der Kunst, als vielmehr der Fotografie verschrieben. Gemeint ist damit die vordergründige Aufgabe des Fotografen, seine Umwelt zu dokumentieren. Auf extreme Blickwinkel oder verzerrende Perspektiven verzichtet Kinold, seine Fotografien sind durch Klarheit und Objektivität geprägt. Als einer der wichtigsten Architekturfotografen der Gegenwart deutet Kinold in seinen Arbeiten auf die konstruierte Umgebung des Meeres: geometrische Linien, verschiedenen Ebenen und Materialien, klare Strukturen und Kompositionen. Durch seine teilweise sehr großen Formate bewirken seine Werke ein ähnliches Ehrfurchtsgefühl, wie man es vor riesigen Bauwerken empfindet.

Neben Klaus Kinold ist auch Tiina Itkonen (*1968) mit einer großformatigen Arbeit vertreten. Das Bild aus ihrer Serie „Greenland Landscape“ strahlt in starken, kräftigen Farben und zeigt Grönland fast schon untypisch: Die freundlichen, bunten Häuser brechen die unendlichen Weiten und stellen das Alltagsleben in den Vordergrund. Das Meer liegt unter dicken Eisschichten bedeckt und nichts scheint die Idylle trügen zu können.

Die analogen Handabzüge von Zlata Vucelić (*1942) sind im Gegenzug dazu ein starker Kontrast. Die am Mittelmeer entstandenen Werke zeigen die unruhigen Wellen, die im sensiblen Mondlicht über den Sand gespült werden. Die Gischt erstrahlt in einem stechenden Weiß und kriecht oder stürzt an den Strand. Dadurch erhalten die Wellen in Vucelićs Arbeiten einen fast schon narrativen Charakter, der verschiedene Gemütszustände und Stimmungen in den Weiten des Meeres suggeriert.

Auch Peter Weber interessieren in seiner Serie „Terra aeterna“ vor allem die Wellen, die immer wieder kommen und gehen. In einem spirituellen Gleichgewicht strahlen seine Arbeiten eine innige Ruhe und Sicherheit aus und betonen die meditative Kraft des Meeres. Die im Tryptichon gezeigten Werke verfolgen dabei chronologisch die Bewegung der Wellen und schwelgen in einer Balance zwischen tiefer Ruhe und Aufwühlung.

(Text: Dana Weschke)