Galerie Thomas Schulte

THOUGHT

THOUGHT

insallation view thought @galerie thomas schulte, berlin 2. februar-30. märz 2013

Insallation View THOUGHT @Galerie Thomas Schulte, Berlin 2. Februar-30. März 2013

Friday, February 1, 2013Saturday, March 30, 2013


Berlin, Germany

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THOUGHT

RICHARD DEACON, IDRIS KHAN, PACO KNÖLLER, JONATHAN LASKER, ALLAN MCCOLLUM, MICHAEL MÜLLER, ALBRECHT SCHNIDER

02 February to 30 March 2013

Opening: Friday, February 1st, 7-9pm

Am Freitag,den 1.Februar 2013 eröffnet die Galerie Thomas Schulte die Grup-penausstellung THOUGHT mit zeichnerischen Werken von Richard Deacon, Idris Khan, Paco Knöller, Jonathan Lasker, Allan McCollum, Michael Müller und Albrecht Schnider. Die Ausstellung wird bis zum 30. März zu sehen sein.

Allen voran entwickelte die Minimal- und Konzeptkunst in den 60er Jahren neue Strategien, an deren Anfangs- und Endpunkt oft die Zeichnung als Träger künstlerischer Ideen steht. Die Ausstellung thought in der Galerie Thomas Schulte vereint sieben Künstler der Galerie, für welche die Zeichnung Reflexion eines konzeptuellen, denkerischen Prozesses und Manifestation bildnerischer Abstraktionsvorgänge ist.
Der amerikanische Künstler Jonathan Lasker (geboren 1948 in Jersey City, usa), der sich mit den Möglichkeiten von Malerei angesichts einer zunehmend konzeptorientierten Kunst auseinandersetzt, begann ab 1986, seine Kompositionen in Zeichnungen und kleinen Formaten bis ins Detail zu entwerfen, um sie anschließend im Großen präzise nachzubilden. Die organische, subjektiv-gestische Bildsprache früherer Arbeiten wurde nun abgelöst von einem zunehmend gedanklichen Prozess, welcher der ständigen Kontrolle des Künstlers unterworfen ist und jegliche Zufälligkeiten ausschließt.
In ähnlicher Weise dient die Zeichnung dem Schweizer Künstler Albrecht Schnider (geboren 1958 in Luzern, Schweiz) als Modell für die Malerei und kann als essenzielle Grundlage seines Oeuvres bezeichnet werden. Auch Schniders Zeichnungen erforschen die Möglichkeiten bildnerischer Darstellung, sei es in abstrakten Studien oder aus geometrischen Formen zusammengesetzten, gesichtslosen Porträts. Die Unmittelbarkeit des zeichnerischen Prozesses dient ihm dabei als Gegenpol zur strengen Komposition seiner Gemälde, denn anders als bei Lasker ist die Zeichnung für Albrecht Schnider nicht zwangsläufig eine direkte Vorlage.
Auch im bildhauerischen Schaffen von Richard Deacon (geboren 1949 in Bangor, Wales) nimmt die Zeichnung als Ausdruck planerischer Gedanken und Konzepte seit jeher eine zentrale Stellung ein. Sein zeichnerisches Werk zeigt dabei deutlich Deacons kompromisslose Suche nach den Grenzen und Möglichkeiten der zeitgenössischen Skulptur. In der Fläche legt Deacon die denkerische Grundlage für die spätere skulpturale Umsetzung seiner Arbeiten und schafft dabei gleichzeitig ein eigenständiges zeichnerisches Werk, das in sich Vorbildcharakter hat.
Der Künstler Allan McCollum (geboren 1944 in Los Angeles, usa) entwickelte in den 80er Jahren für jede Gattung traditioneller Kunstwerke Surrogate, funktionierende Stellvertreter, die durch eine einfache Kombinatorik von Farben und Formen individualisiert und zugleich seriell vervielfältigt werden. Seine Drawings, die in Gruppen von 15 bis zu 180 Exemplaren präsentiert werden, entstehen als achsensymmetrische Figuren durch die Kombination von Geraden und Viertelkreisen, die durch Schablonen auf Karton übertragen und mit Grafit ausgemalt werden. Sie repräsentieren die Zeichnung selbst in der Form einer dichten schwarzen Fläche. Auch wenn sie massenproduzierten Objekten ähneln, gleicht keines der von McCollum geschaffenen Drawings dem anderen.
Mit Idris Khan (geboren 1978 in Birmingham, England) und Michael Müller (geboren 1970 in Ingelheim am Rhein) zeigt die Galerie zwei jüngere Positionen, die sich mit dem zeichnerischen Medium auf unterschiedliche Weise auseinandersetzen. Michael Müller macht den eigenen zeichnerischen Gestus zum Thema seiner Arbeiten. Seine kartografischen Bleistiftzeichnungen sind meist große Gefüge, die sich aus mehreren genormten Papierbögen zusammensetzen und dicht mit abstrakten Schraffuren bedeckt sind. Müllers Arbeit Gefühl und Gefüge stellt dabei das Bedürfnis nach Gesamtheit einer innerbildlichen Fragmentierung gegenüber, die durch die zeichnerischen Brüche zwischen den einzelnen Blättern thematisiert wird.
Idris Khan, der sich vor allem mit der Überlagerung digitaler Reproduktionen von Bildern, Texten und Partiturseiten einen Namen gemacht hat, hat in den letzten Jahren begonnen, vermehrt auf eigenes Material zurückzugreifen, wobei er die Grenzen des zeichnerischen Mediums nicht in einem konventionellen Sinne denkt. Die Kodierung von Botschaften und Schrift als Medium der Wissensspeicherung macht der Künstler zum Thema seiner in der Ausstellung präsentierten Stempelarbeiten. Die von Khan radial aufgetragenen Schriftzüge sind so übereinandergeschichtet, dass der eigentliche Text nur noch schwer entzifferbar ist. Für seine großformatige Wandarbeit im Corner Space der Galerie verwendete Khan ein Werk des spätmittelalterlichen Theologen Meister Eckhart. Die zirkuläre Form der repetitiven Schriftzeichen entspricht dabei dem von dem Dominikaner verhandelten Verständnis von Zeit und Ewigkeit.
Eine Sonderposition in der Ausstellung nehmen die Arbeiten von Paco Knöller (geboren 1950 in Obermarchtal) ein, von denen 14 Blätter aus der Werkgruppe The Thinking Reed im Window Space der Galerie präsentiert werden. Knöller begann seine künstlerische Ausbildung in den 70er Jahren an der Kunstakademie in Düsseldorf noch bei Joseph Beuys. Im Beuysschen Sinne ist auch Knöllers zeichnerischer Prozess Ausdruck materialisierten Denkens und ist damit sehr eng mit seinen Denkbewegungen verknüpft.

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Galerie Thomas Schulte is opening a group exhibition entitled, THOUGHT, with drawings by Richard Deacon, Idris Khan, Paco Knöller, Jonathan Lasker, Allan McCollum, Michael Müller and Albrecht Schnider, on Friday, 1 February 2013. The exhibition will run until 30 March.

Minimal and Concept art in the 1960s were the first to develop new strategies for which the drawing, as the carrier of the artistic ideas, was often the starting and end point. The exhibition, thought, at Galerie Thomas Schulte brings together seven artists which the gallery represents and for whom the drawing reflects conceptual thought processes while at the same time manifesting processes of pictorial abstraction.
American artist Jonathan Lasker (born 1948 in Jersey City, usa), who engages with the possibilities of painting in the face of an increasingly concept-oriented art, began in 1986 to make detailed drafts of his compositions using drawings and small formats, only to then recreate them precisely in large formats. The organic, subjective-gestural idiom of his earlier works was thus replaced by an increasingly intellectual process that is under the artist’s constant control and excludes any chance elements.
For Swiss artist Albrecht Schnider (born 1958 in Lucerne, Switzerland) the drawing also serves as a model for painting and can be regarded as an essential basis for his oeuvre. Schnider’s drawings also explore the potential of pictorial representation, be it in abstract studies or in faceless portraits made up of geometrical forms. For Schnider, the immediacy of the drawing process functions as a counterbalance to the strict composition of his paintings, for unlike in Lasker’s case, for him the drawing is not necessarily a direct model.
The drawing as an expression of planning-related ideas and concepts has always played a major role in the sculptural work of Richard Deacon (born 1949 in Bangor, Wales). Deacon’s drawings clearly exhibit an uncompromising exploration of the limits and potential of contemporary sculpture. On the plane, Deacon lays the intellectual ground plan for the later execution of his sculptures, thereby simultaneously creating an independent drawing oeuvre which in itself is a ‘role model’.
In the 1980s, Allan McCollum (born 1944 in Los Angeles, usa) developed surrogates for each genre of traditional artworks. These functioned as representatives whose simple combination of colours and forms he individualised and at the same time replicated in series. His Drawings, presented in groups of 15 to 180 copies, emerge as axisymmetric figures due to their combination of straight lines and quadrants transferred to cardboard using stencils and coloured in with graphite. These represent the drawing itself, in the form of a dense black plane. Even if they resemble mass-produced objects, not one of the Drawings created by McCollum is similar to the other.
The gallery is showing two younger positions with Idris Khan (born 1978 in Birmingham, England) and Michael Müller (born 1970 in Ingelheim on the Rhine). Both artists engage in different ways with the medium of the drawing. Michael Müller takes his own drawing gesture as the theme of his art. His cartographical pencil drawings are usually large constructs consisting of several standard sheets of paper covered in dense abstract hatching. Müller’s work Gefühl und Gefüge confronts the need for wholeness with a fragmentation that is inherent in the picture and is addressed by means of the breaks between the individual drawing sheets.
Idris Khan, who has made a name for himself above all for his superimpositions of digital reproductions of pictures, texts and musical scores, has recently begun to rely on his own material and does not conceive of the drawing’s limits in any conventional sense. In the stamp works presented here in the exhibition, the artist addresses the theme of the coding of messages and writing as a medium for storing knowledge. Khan’s radically applied lettering is superimposed in such a way that the actual text is difficult to decipher. For his large-format wall drawing in the Corner Space of the gallery, Khan has used texts by the late-medieval theologian Meister Eckhart: the circular form of the repetitive lettering corresponds to the Dominican theologian’s understanding of time and eternity.
The works by Paco Knöller (born 1950 in Obermarchtal) have a special position within the exhibition. Fourteen of them, from the series, The Thinking Reed, are presented in the gallery’s Window Space. Knöller began his art training in the 1970s with Joseph Beuys at the Kunstakademie in Dusseldorf and this is still evident in his particular drawing style. In Beuys’ sense, Knöller’s drawing process is also an expression of material-thinking and thus the result of a very conscious act of thinking.