Galerie Thomas Schulte

MICHAEL MÜLLER:
In Situ. Warum kann man Gedanken nicht sehen (6. April 2013)
Ex Situ (6. – 20. April 2013)
Prolog: Skizze einer Ausstellung. Vom Problem heute zeitgenössisch zu sein (10. – 20. April 2013)

MICHAEL MÜLLER:
In Situ. Warum kann man Gedanken nicht sehen (6. April 2013)
Ex Situ (6. – 20. April 2013)
Prolog: Skizze einer Ausstellung. Vom Problem heute zeitgenössisch zu sein (10. – 20. April 2013)

ausstellungsansicht aus michael müllers in situ und ex situ, galerie thomas schulte, berlin (2013)

Ausstellungsansicht aus Michael Müllers In Situ und Ex Situ, Galerie Thomas Schulte, Berlin (2013)

Price on Request

Friday, April 5, 2013Saturday, April 20, 2013


Berlin, Germany

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MICHAEL MÜLLER:
In Situ. Warum kann man Gedanken nicht sehen (6. April 2013)
Ex Situ (6. – 20. April 2013)
Prolog: Skizze einer Ausstellung. Vom Problem heute zeitgenössisch zu sein (10. – 20. April 2013)

April 6 to 20, 2013
Eröffnung : Freitag, 5. April, und Dienstag, 9. April, beide Abende 19-21 Uhr
Opening : Friday, April 5, and Tuesday, April 9, both dates 7-9pm

Im April 2013 beginnt Michael Müller in der Galerie Thomas Schulte seinen Ausstellungszyklus „Achtzehn Ausstellungen“ mit den ersten drei Ausstellungen. Am Freitag, den 5. April 2013 eröffnen die Ausstellungen „In Situ. Warum kann man Gedanken nicht sehen“ und „Ex Situ“ und am Dienstag, den 9. April die Ausstellung „Prolog: Skizze einer Ausstellung. Vom Problem heute zeitgenössisch zu sein“. Während „In Situ. Warum kann man Gedanken nicht sehen“ nur an einem Tag zu sehen sein wird, nämlich am Samstag, den 6. April, laufen die anderen beiden Ausstellungen bis zum Samstag, den 20. April. Fortgesetzt wird der Ausstellungszyklus im Herbst 2013 und beendet in 2014.

Ausgangspunkt von Michael Müllers Ausstellungszyklus ist „Der Mann ohne Eigenschaften“ bzw. das hundertjährige Jubiläum des Jahres 1913, in dem Robert Musils unvollendet gebliebener Roman beginnt. Diesen Roman begann Michael Müller vor mehr als 17 Jahren, in konzentrierter konzeptueller wie zeichnerischer Arbeit in einer eigens von ihm entwickelten Zeichenschrift zu übersetzen, die auf Kreissegmenten, horizontalen und vertikalen Linien basiert und von dem Künstler K4 genannt wird. Eine große Gruppe der transkribierten Buchseiten wird für die gesamte Dauer der 15 Hauptausstellungen wandfüllend im Hauptausstellungsraum der Galerie hängen. Vor dieser Folie, mal sichtbar, mal hinter einem zugezogenen Vorhang, wird Michael Müller Ausstellungen inszenieren, in denen er häufiger mit Werken und Objekten anderer Künstler und Nicht-Künstler als denn mit eigenen die Figuren und die Zeit des Romans umkreist. Durch den fortwährenden Rollenwechsel von Künstler zu Kurator sucht Müller die Distanz zum Ausstellungsbetrieb und stellt die Aufgaben aller beteiligten Protagonisten in Frage, sei es den Galeristen, den Sammler, den Kritiker und natürlich allen voran den Kurator und Künstler.

In der Ausstellung „In Situ. Warum kann man Gedanken nicht sehen“, die nur für einen Tag im Hauptraum der Galerie zu sehen sein wird, tauchen bereits Motive auf, die im Laufe der Ausstellungsreihe vom Künstler immer wieder aufgegriffen und in neue Kontexte gestellt werden. An der Wand hängt ein gezeichnetes Porträt Robert Musils, vor dem ein Sockel mit der Originalausgabe des „Mann ohne Eigenschaften“ steht. Auch die Abgüsse und Originale altägyptischer Skulpturen sind ein Verweis auf Musils Jahrhundertroman. So zeigt ein Spiegel das göttliche Zwillingspaar Isis und Osiris, die zugleich Geschwister und Liebende sind, ein Mythos, den Musil in der Beziehung seiner Hauptfigur Ulrich zu dessen Schwester Agathe verarbeitet. Zu den ägyptischen Abgüssen werden andere Objekte assoziativ in Beziehung gesetzt, so u.a. die gezeichnete Kopie einer Renaissancezeichnung des Harpocrates, der – Stille anmahnend – die Hand vor den Mund hält.

Die Ausstellung „Ex Situ“ wird im Window Space der Galerie für die gesamte Dauer des Prologs zu sehen sein. In dem mit Le salon de l’éphémère betitelten Kabinett steht frei im Raum auf einem Sockel ein Blumenstrauß, dessen stetig verwelkende Erscheinung in einem Spiegel reflektiert wird.

Für die Ausstellung „Prolog: Skizze einer Ausstellung. Vom Problem heute zeitgenössisch zu sein“, die am 9. April eröffnet, wird der Hauptausstellungsraum der Galerie teilweise verändert und um weitere Werke ergänzt. An die ursprüngliche Stelle von Musils Porträt tritt das Inhaltsverzeichnis eines von Müller fingierten „3. Buches“ zum „Mann ohne Eigenschaften“. Das Inhaltsverzeichnis wird von einem langen, in zwei Spalten geteilten Text umflossen, wobei eine Spalte Musils unveröffentlicht gebliebene Vorworte zum „Mann ohne Eigenschaften“ wiedergibt und die andere ein Vorwort zur Ausstellungsreihe in der Galerie. Im Hauptausstellungsraum zeigt Müller außerdem das Gemälde einer Parklandschaft der deutschen Malerin Elsa Weise, einer Schülerin von Matisse und Corinth. Daneben wird ein Philipp Otto Runge zugeschriebenes Kinderporträt präsentiert, welches Müller aus der nicht unbedeutenden Kunstsammlung von Elsas Vater Felix Weise erworben und teilrestauriert hat. Auf beide Gemälde wurden vom Künstler sogenannte captchas aufgebracht, Tests, die prüfen, ob Eingaben in Internetformularen über Menschen oder Computer erfolgt sind. Die Worte „Mensch“ und „Kunst“, die in diesem Fall zu lesen sind, können nur von menschlichen Betrachtern erkannt werden. Müller thematisiert hier die Wahrnehmung von Kunst als etwas dem Menschen eigenes ebenso wie die Vergänglichkeit von Kulturgütern, indem er die in Vergessenheit geratenen, teilweise stark beschädigten Werke wieder in die öffentliche Wahrnehmung zurückbringt. Die Objekte des Prologs bilden den Ausgangspunkt von Entwicklungslinien, die den Ausstellungszyklus durchziehen und die einzelnen Ausstellungsteile miteinander verbinden. Mit der Zeit wird sich ein Netz von Bezügen zwischen den Werken und Ausstellungen bilden, so dass sich am Ende die vielen Einzelteile zu einem komplexen sinnhaften Ganzen zusammensetzen. Das Vorläufige und Unfertige des Romans wie die Unmöglichkeit zu einer präzisen Deutung wird zum Spiegel der Ausstellung.

Michael Müller, geboren 1970 in Ingelheim am Rhein, lebt und arbeitet in Berlin.Er studierte Bildhauerei und bildende Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf bei Magdalena Jetelova. Neben zahlreichen Galerieausstellungen war Müller in den vergangenen zehn Jahren an zahlreichen Gruppenausstellungen im In- und Ausland beteiligt, wie an der Landart Biennial in Ulan Bator, Mongolei (2010), an Ausstellungen in den Kunstsaelen in Berlin (2010), im Kunstmuseum Kloster unser lieben Frauen in Magdeburg (2010) und in der Kunsthalle zu Kiel (2010). Jüngst waren seine Arbeiten im Kunsthaus Dresden (2012) und in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik (2013) zu sehen. _____________________________________________________________________

In April 2013 Michael Müller will launch his exhibition cycle “Achtzehn Ausstellungen” (Eighteen Exhibitions) at the Galerie Thomas Schulte. The first three exhibitions will be opened on two separate evenings, beginning on Friday April 5th with “In Situ. Warum kann man Gedanken nicht sehen” (In Situ. Why Thoughts Cannot Be Seen) and “Ex Situ”, followed by “Prolog: Skizze einer Ausstellung. Vom Problem heute zeitgenössisch zu sein” (Prologue: Sketch of an Exhibition. On the Problem of Being Contemporary Today) on Tuesday April 9th. While “In Situ. Warum kann man Gedanken nicht sehen” will only be on display for one day – Saturday April 6th – the other two exhibitions will be on until Saturday April 20th. The exhibition cycle will be continued in the fall of 2013 and will end in 2014.

The show bases itself on the 100-year anniversary of the year 1913, where Robert Musil’s “The Man Without Qualities” begins. Over 17 years ago Michael Müller started to conceptually translate Musil’s novel into his own graphic handwriting, known as K4, based on horizontal and vertical lines, as well as segments of circles. A large portion of the transcribed book pages will adorn the walls of the gallery’s main room for the extent of the 15 exhibitions. In alternating shows and against this backdrop – that will be visible during some occasions and behind a curtain during others – Müller will present works and objects – some his own and some taken from other artists and non-artists – that are placed together in the context and atmosphere of Musil’s novel. Through the continuous roll reversals from artist to curator, Müller establishes a distance to the exhibition industry, and thereby questions the functions of all protagonists involved in it – from the gallerist to the collector, the critic, and most of all, the curator and the artist.

In the exhibition “In Situ. Warum kann man Gedanken nicht sehen” that will only be on display in the gallery for one day, notable themes will make themselves visible. These themes will be carried from exhibition to exhibition, taking on new forms, in ever changing contexts. A portrait of Robert Musil will hang on one of the gallery walls, in front of which will stand a pedestal baring the original copy of “The Man Without Qualities,” as well as several ancient Egyptian replicas and originals referencing Musil’s seminal work. A clay handmirror depicts the divine twins, Isis and Osiris, who were at once siblings and lovers – a myth that Musil juxtaposes with his protagonist’s relationship with his sister. In the course of the exhibition, several other objects will be placed in relationship with the Egyptian relics, including the sketched copy of a Renaissance drawing of Harpocrates, who – beckoning silence – holds his hand to his mouth.

The exhibition “Ex Situ” will be on display in the gallery’s Corner Space for the extent of the prologue. In a cabinet baring the inscription Le salon de l’éphémère, will hang the copy of a flower still life by Henri Fantin-Latour. In front of this, on a pedestal freestanding in the room, will sit the bouquet of flowers depicted in the painting. In the course of the exhibition, a mirror will reflect the bouquet’s wilting process.

For the exhibition “Prolog: Skizze einer Ausstellung. Vom Problem heute zeitgenössisch zu sein” that will open in the gallery’s main room on Tuesday April 9th, will be altered in the course of the duration, accommodating new works. In this instance, the portrait of Robert Musil will be replaced by a table of contents of the “Third Book” fabricated by Müller as a part of “The Man Without Qualities.” The table of contents will be surrounded by a long text split into two columns, whereby one column is filled by Musil’s unpublished introduction to “The Man Without Qualities,” while the other is an introduction to the exhibition itself. Additionally, in the gallery’s main room, Müller will show a painting of a park landscape by the German painter, Elsa Weise, a student of Matisse and Corinth. Directly next to her work will hang a child’s portrait by Philipp Otto Runge, which Müller has claimed from Felix Weise’s prominent collection, and partly restored. The artist has added so-called captchas to both of the works. These tests verify whether inputs on Internet-forms were generated by humans or computers. The words “human” and “art” presented in this case, can only be distinguished by human observers. Hereby, Müller’s central theme is, on the one hand, the perception of art as a unique human trait, and on the other, the transience of cultural goods – which Müller demonstrates by returning forgotten and partially heavily damaged works back to the public eye. The objects in the prologue represent the starting points of developing directions that flow through the exhibition cycle, uniting the individual exhibition pieces with each other. In time, a network will unfold, creating references between the respective works and exhibitions, until finally, out of many sensuous single parts, a complex entirety will assemble. The novel’s rawness and incompleteness, as well as the impossibility of precise analysis will become the mirror of the exhibition.

Michael Müller, born in Ingelheim in 1970, now lives and works in Berlin. He studied sculpture and art at the Kunstakademie Düsseldorf with Magdalena Jetelova. Alongside numerous gallery exhibitions, his work has been shown in many group shows in Germany and elsewhere, such as the Landart Biennial held in Ulan Bator, Mongolia (2010), as well as at shows at Kunstsaele in Berlin (2010), at Kunstmuseum Kloster unser lieben Frauen, Magdeburg (2010), at Kunsthalle zu Kiel (2010), and most recently at Kunsthaus Dresden (2012) and at the Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn (2013).