Galerie Springer Berlin

Arnold Odermatt 'Kantonspolizei Nidwalden'

Arnold Odermatt 'Kantonspolizei Nidwalden'

stans by arnold odermatt

Arnold Odermatt

Stans, 1963

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stans by arnold odermatt

Arnold Odermatt

Stans, 1949

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stans by arnold odermatt

Arnold Odermatt

Stans, 1950

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Saturday, September 18, 2004Saturday, November 13, 2004


Vom 18. September bis 13. November zeigt die Springer & Winckler Galerie Arbeiten des Schweizer Künstlers Arnold Odermatt. Bekannt wurde der pensionierte Oberleutnant der Nidwaldener Polizei durch seine „Karambolagen“, nahsichtig skulpturale oder in atmosphärische Landschaften eingebundene Unfallfotografien. Diese haben sich in den letzten sechs Jahren, vor allem aber seit Harald Szeemanns Präsentation auf der Biennale in Venedig 2001, auf dem internationalen Kunstmarkt etabliert und wurden bis vor kurzem noch im Fotomuseum Winterthur mit einer großen Ausstellung gewürdigt. In den Ausstellungsräumen der Fasanenstraße wird hingegen eine bislang noch wenig bekannte Werkgruppe des Künstlers präsentiert, welche das Hauptaugenmerk auf die Kollegen des Fotografen, auf den Arbeitsalltag der Kantonspolzei Nidwalden lenkt. Die bereits aus den „Karambolagen“ bekannte, formale Strenge einer klassisch graphischen Bildeinteilung und eine perfekte Beherrschung von Licht- und Schattenspiel paaren sich hier mit nicht selten kuriosen Aufnahmen aus dem Schweizer Polizeidienst.

Arnold Odermatt wird zur Eröffnung der Ausstellung in Berlin sein und steht für Interviewtermine zur Verfügung. Weitere Informationen zu Biographie, Ausstellungen und weiterführender Literatur stellen wir auf Anfrage gerne zur Verfügung.

Arnold Odermatt hat in seiner über 50jährigen Laufbahn als Schweizer Kantonspolizist zwischen 1948 und 1990 ein umfangreiches fotographisches Oeuvre zusammengestellt. Unfallautos, nahsichtig aufgenommen und durch den Verzicht auf Opferdarstellung und spektakuläre Aktion ganz auf ihre plastische, skulpturale Qualität reduziert, bilden neben atmosphärischen Landschaften und ausdrucksstarken Porträts die Hauptmotive innerhalb des Gesamtwerkes.

Die Springer & Winckler Galerie präsentiert in ihrer diesjährigen Ausstellung eine bislang weniger bekannte Werkgruppe von unmittelbarerem, privaten Charakter, in welcher der pensionierte Oberleutnant der Nidwaldener Kantonspolizei seine Kollegen in ihrem Arbeitsalltag begleitet. Einzel- und Gruppenporträts machen den Betrachter langsam mit dem Personal vertraut und lassen ihn bei jedem neuen Bild nach alten Bekannten Ausschau halten. Wir beobachten die Polizisten bei der Inspektion fast pedantisch akkurat aufgereihter Verkehrsschilder, in tiefer Konzentration versunken bei der sorgsamen Aufnahme von Fingerabdrücken, oder im Winter, beim Freilegen der Straßenschilder, die – vollständig zugeschneit – vor der Glätte vereister Straßen kaum mehr warnen können. Die zeitliche Distanz zum Dargestellten, verdeutlicht durch die altmodische Fremdheit von Arbeitsutensilien und Uniformen, verleiht den Aufnahmen jenen liebevoll komischen Zug, den man auch bei der Betrachtung historischer Fotoalben empfindet. Hinzu kommt die Kuriosität des bürokratischen Alltags. Irritierend genau deckt sich der in den Bildern real dokumentierte Polizeidienst mit dem prototypischem Klischee des peniblen, ordentlichen und ernsthaften Beamtentums. Dies verführt zu spielerischen Überlegungen über die Geschichten hinter den Bildern.

Das narrative Moment wird jedoch immer eingebunden in die formale Strenge graphischer Bildeinteilung und eine perfekte Beherrschung von Licht- und Schattenspiel. Die auch in dieser Gruppe überwiegenden schwarz-weiß Aufnahmen entsprechen mit ihrer konsequenten, klassisch-präziesen Komposition den bereits bekannten Unfallaufnahmen. Die Vorgänge scheinen ästhetisch eingefroren und damit jeder Zeitlichkeit entzogen. Der Reinheit eines Schattenrisses gleicht beispielsweise die Aufnahme dreier Taucher, die in ihren schwarzen Gummianzügen als monochrome, dunkle Flächen wie Löcher menschlicher Kontur aus einer verschneiten Landschaft ausgeschnitten wirken. Der surrealen Ästhetik eines Agentenfilms der 60er Jahre entspricht hingegen die Fotografie des Transportes eines Passagierflugzeugs der Swissair, welches vor diesigem Himmel und diffusen Hügelketten auf einem Floß übers Wasser gezogen und von den Schnellbooten der Wasserpolizei begleitet wird. Dramatisch eingespannt in horizontale und diagonale Kompositionslinien und mit der proportionalen Gleichsetzung von Gegenständen unterschiedlicher Distanz einem räumlichen Verwirrspiel preisgegeben, erhält der Vorgang nicht zuletzt durch die brilliante Schärfe der Aufnahme jenen überrealen Zug, der ihn zum reinen Bild werden läßt.