Galerie Michael Janssen

Thomas Grünfeld 'felt felt'

Thomas Grünfeld 'felt felt'

maggie by thomas grünfeld

Thomas Grünfeld

Maggie, 2006

Friday, May 5, 2006Tuesday, May 30, 2006


Cologne, Germany

Eröffnung am Freitag, 5. Mai, 18-21 Uhr, bis 30. Mai 2006 / Opening on Friday, May 5, 6-9 pm, until May 30, 2006

Das Werk Thomas Grünfelds ist gekennzeichnet von der Auseinandersetzung mit visuellen und haptischen Erfahrungen sowie dem Dialog von einer naturhaften und einer artifziellen Formensprache. Seine Arbeiten, wie die in den 90er Jahren entstandenen 'misfits' und die 'Gummis', unterliegen einer gewissen Willkür in ihrem Entstehungsprozess. Das Kreieren von Formen, wodurch 'neue' Eigenschaften und Qualitäten entstehen, und das künstlerische Prinzip der Collage als konzeptionelles Stilelement durchziehen das Werk des Künstlers wie ein roter Leitfaden.

In der aktuellen Ausstellung präsentiert Grünfeld in der Galerie Michael Janssen eine konsequente und zugleich vollkommen neuartige Werkgruppe. Die seit 2005 entstehenden 'Filzbilder' eröffnen einen neuen Diskurs mit der Kunst in seinem Werk: Grünfeld verlagert seine Auseinandersetzung mit Raum, Form und Darstellung auf die ebene, geschlossene Fläche; es findet eine Distanzierung von den vollplastischen Objekten statt und eine Hinwendung zu der zweidimensionalen Darstellung von Formen, die aus Elementen zusammengesetzt ein Bild ergeben.

Die Ausstellung zeigt Wandbehänge, die ausschließlich aus dem Material Filz bestehen. Der feste, matte und dichte Filz dient als Mittel der Opazität, wodurch eine starke Reduktion der Polarität und des Zusammenhangs von Form bzw. Figur und Hintergrund erzielt wird. In diesem Sinne stehen auch die Farben im Kontrast zueinander und bewirken ein Absondern der einzelnen Elemente. Raumeindrücke stellen sich nur durch die unterschiedlich leuchtenden Farbgebungen und durch die Tiefendimension des Materials ein, das nebeneinander, ineinander und aufeinander verarbeitet ist. Durch diese Technik und der Materialität des Filzes entsteht kaum Tiefenwirkung, sondern eher ein reliefartiger Effekt, der wiederum die geometrischen Formen einzelner Elemente unterstreicht und die Spuren des Entstehungsprozesses offenbart. Auf eine unschuldige, spielerische Art entsteht auf diese Weise z.B. ein Baum im 'Filzbild' “Affenschaukel” (2006).

Das, was die Motive auf den ersten Blick als einen naiven, kindlich-emotionalen sogar poetisch wirkenden Diskurs mit der Kunst erscheinen lassen, entfaltet sich auf den zweiten Blick als eine differenzierte, höchst detaillierte Auseinandersetzung mit Zeichen, Wahrnehmung und Bedeutung. Aber auch die Kategorien wie Identität und Verschiedenheit, Authentizität und Fälschung stehen in einem dialektischen Spannungsverhältnis zueinander. Die kunsthistorischen Bezüge (Picabia) und die zeitgenössische Referenz (Hume, Baechler) sowie folkloristische Anspielungen (Votivtafeln, ex votos) sind vorhanden. Gleichzeitig fallen die 'Filzbilder' aus dem Rahmen, denn sie sind auf einer gewissen Art und Weise 'schräg'. So fordern sie den Betrachter heraus anders zu denken als in Kategorien einer historischen Abfolge von Stilen und künstlerischen Bewegungen und eröffnen dadurch eine neue Dimension in der Wahrnehmung von Kunst, denn alles scheint 'bildwürdig'.

In Analogie zu seinem Werk greift der Künstler in der Realität existierende Zeichen, Bilder, Erinnerungen und Gegenstände auf, übernimmt diese und transponiert sie so, dass die Form von der Bedeutung getrennt wird. Herausgelöst aus einem kontextuellen Zusammenhang und durch die Verwendung von (kunsthandwerklichem) Filz abstrahiert, durchlaufen die Gegenstände einen Wandel, wodurch sie anonym gemacht werden. Einerseits kann der Betrachter die Spezifik des Motivs erkennen, andererseits ist die ihm innewohnende Erzählung nicht als historisches Dokument zu identifizieren. So bewegen sich Grünfelds 'Filzbilder' zwischen Figuration und Abstraktion und scheinen keinen Sinn erfüllen zu wollen.

In English

Thomas Grünfeld's work is characterised by the confrontation between visual and tactile experience, and the dialogue between natural and artificial languages of form. His pieces, such as 'misfits' and 'Gummis' ['rubbers'], which were produced in the 90s, are subjected to a certain arbitrariness in their creative process. The pervasive themes of crafting forms to create 'new' properties and qualities, along with the artistic principle of collage as a conceptional element of style are apparent throughout the artist's work.

In the current show Grünfeld presents a consistent and yet entirely new group of pieces at the Galerie Michael Janssen. The 'felt pictures' which he began producing in 2005 open a new discourse with the art in his work: Grünfeld transposes his confrontation with space, form and portrayal to flat, closed surfaces. He moves away from fully concrete objects towards a two-dimensional presentation of forms that are patched together to produce elements of an image.

The exhibition presents hangings that are exclusively made of felt material. The firm, dense, matt felt serves as a medium of opacity, achieving a strong reduction in the polarity and bond between forms or figures and their background. In this sense, the colours also contrast from each other and serve to highlight individual elements. The impression of space is only conveyed through the diverse glowing tones and the dimension of depth in the material, which is crafted beside, within and on top of itself. This technique and the felt material itself hardly produce any depth at all, instead having the effect of a relief, which in turn underlines the geometric form of individual elements and reveals traces of the creative process. For instance a tree is created in such an innocent, playful way in the 'felt picture' 'Affenschaukel' ['monkey swing'] (2006).

What initially makes the motifs seem to be a naive, childish, emotional and even poetic discourse with art, unfolds at a second glance to reveal a distinctive, highly detailed confrontation with symbols, perception and significance. Aspects such as identity and difference, and authenticity and forgery, coexist in mutual dialectic tension. References to art history (Picabia) and contemporary influences (Hume, Baechler), as well as allusions to folklore (votive tablets, ex votos) are all apparent. At the same time, the 'felt pictures' are unusual because they are in a sense 'oblique'. They challenge the viewer to think differently instead of using categories of a historic order of styles and artistic movements, thereby opening a new dimension in artistic perception, since everything is perceived as 'image-worthy'.

Like his work, the artist picks up on signs, images, memories and objects that exist in reality, takes them over and transposes them in a way that separates their form from their significance. Released from contextual connotation and abstracted by the use of (craftsmen's) felt, the objects are transformed and become anonymous. The viewer can recognise the specifics of the motif, but cannot identify the story residing inside it as a historical document. In this way, Grünfeld's 'felt pictures' are somewhere between figurative and abstract art, seemingly unwilling to fulfil any significance.