Mona Hatoum: Shift (Oudenarder Straße) and at abc (Luckenwalder Strasse)

Mona Hatoum: Shift (Oudenarder Straße) and at abc (Luckenwalder Strasse)

Saturday, September 8, 2012Saturday, October 13, 2012


Berlin, Germany

(Please scroll down for the English version)

Mona Hatoum: Shift
September 08 – October 13, 2012
Eröffnung Samstag, 8. September von 18 bis 20 Uhr

Wir freuen uns, Sie auf unsere Ausstellung mit Arbeiten von Mona Hatoum aufmerksam zu machen. Mit 'Shift' zeigt die Künstlerin neben einer neuen, großformatigen Skulptur aus Murmeln und zwei Arbeiten, die in diesem Jahr während eines Arbeitsaufenthalts in Istanbul entstanden sind (Kapan iki und Shift), weitere Werke neueren Datums. Alle Arbeiten tragen unverwechselbar die Handschrift der Künstlerin, deutlich erkennbar an der formalen Gegenüberstellung einander kontrastierender Formen und Materialien, sowie an Hatoums stets wiederkehrender inhaltlicher Auseinandersetzung mit Hierarchien und Machtverhältnissen, Heimat und daraus resultierenden Konflikten.
«Ihre Installationen, Objekte und Performances prägen sich im Bewusstsein des Betrachters durch ihre ausgefallene, übertrieben bescheidene Erfindungsgabe ein. Eine Herausforderung, die durch die Verwendung vollkommen alltäglicher, herkömmlicher und unspektakulärer Materialien (Haar, Stahl, Seife, Murmeln, Gummi, Draht, Schnur etc.), mit denen sie so virtuos umzugehen versteht, untergraben und nahezu ad absurdum geführt wird.» (Edward W. Said)

Seit mittlerweile gut drei Jahrzehnten hinterfragt Mona Hatoum auf metaphorische Weise politische Zusammenhänge, häufig in Verbindung mit Raster- und Gitterstrukturen wie sie auch im Minimalismus zu finden sind. Kapan iki (2012) besteht aus einem Ensemble lebensgroßer Käfige aus sogenanntem Stabstahl, der gewöhnlich bei der Herstellung von Stahlbeton verwendet wird. In jedem dieser Käfige befindet sich ein undefinierbares, rotes Glasgebilde, dessen organische Erscheinung sich in starkem Gegensatz zu dem starren Gitter seiner Umfriedung befindet. Diese Glasobjekte scheinen ihren Käfigen förmlich entkommen zu wollen und evozieren durch ihre augenscheinliche Lebendigkeit klaustrophobische Gefühle. Man wähnt sich buchstäblich in der Falle sitzend ('Kapan' bedeutet auf Türkisch 'Falle').
Eine andere Installation, Bunker (2011), bezeichnet eine Reihe von Gebäuden aus rechteckigem Stahl, wie in der Architektur der Neuen Sachlichkeit baukastenartig zusammengesetzt. Verfärbung und Abschliff haben den tunnelartigen, aufeinander geschichteten Stahl durchlöchert. Die Skulpturen wirken vernarbt, als ob sie regelrecht einen Krieg durchlebt hätten. Obgleich ihre ursprüngliche Form allgemeingültiger Natur ist, bezieht sich die Architektur einiger 'Gebäude' aus dieser Serie auf Bauten aus Hatoums Heimatstadt Beirut. Die Miniatur-Modelle lassen an ein zukünftiges Bauvorhaben denken, in dem der Untergang schon im Vorhinein Spuren hinterlassen hat.
Für Turbulence (2012) wurden Tausende von glänzenden, durchscheinenden Glasmurmeln unterschiedlicher Größe auf dem Boden zu einem Quadrat arrangiert. Durch die Größenunterschiede der handgefertigten Kugeln entstehen naturgemäß Muster, die an Wolken, Länder oder Kontinente erinnern. Die höchst unregelmäßige Fläche wirkt stürmisch und bewegt, und bleibt doch in den Grenzen eines formal abstrakten Quadrats bestehen.
Bei Shift (2012) handelt es sich um einen Wollteppich mit dem Bild einer Weltkarte, die von gelben, konzentrischen Kreisen überzogen ist. Die an Radarwellen erinnernden Ringe suggerieren, dass die gesamte Welt eine potenzielle Gefahrenzone darstellt. Der Eindruck einer nicht intakten Topographie wird durch das in Teile zerschnittene und offenkundig falsch zusammengesetzte Bild verstärkt.
Worry Beads (2009) ist ein überdimensionaler und in Bronze gegossener Rosenkranz, wie er normalerweise zum Gebet oder bei der Meditation verwendet wird. Durch die extreme Vergrößerung wirken die Perlen des Kranzes hier jedoch wie Kanonenkugeln. Die ursprünglich friedvolle Metapher wird durch ein kriegerisches Bild ersetzt.
Impenetrable (s version) (2010) ist eine Installation aus Stacheldraht, der in einzelnen Drähten so an der Decke befestigt ist, dass ein ca. 10 cm über dem Boden schwebender Kubus entsteht. Während sich der Titel auf die Arbeit Penetrables von Jesús Rafael Soto bezieht, ist Hatoums undurchdringlicher Wald aus gefährlich spitzem Metalldraht stark mit Assoziationen behaftet, in visueller Hinsicht hingegen wirkt das Werk filigran und flüchtig.
Over my Dead Body (1988-2002) besteht aus einer großen Reklamefläche aus PVC, auf dem das Profil der Künstlerin als schwarz-weisse Großaufnahme abgebildet ist. Auf ihrer Nase steht ein Spielzeugsoldat, bereit, ihr zwischen die Augen zu schießen. Die Arbeit vermittelt ein sarkastisches und zugleich widersprüchliches Bild, bei dem die gängige Vorstellung vom aggressiv männlichen Blick durchleuchtet, und schließlich, mit den Mitteln von Plakatwerbung erzählt, umgekehrt wird.
Für Hair, there and everywhere (2004), eine Serie von Radierungen, hat Hatoum ganz einfach Menschenhaar zu ihrem Arbeitsmaterial gemacht, um - direkt auf die Druckplatte gelegt - wunderschöne und von Hand gearbeitete Strukturen zu schaffen, die trotz scheinbar unvorhersehbarer Faktoren im Arbeitsprozess, doch durch und durch gesteuert sind.

Zur Ausstellung erscheint ein illustrierter Katalog mit einem Text von Patricia Falguières. Dies ist Mona Hatoums dritte Einzelausstellung in der Galerie Max Hetzler.

Mona Hatoum, 1952 in einer palästinensischen Familie in Beirut geboren, lebt und arbeitet seit 1975 in London. Seit der Auszeichnung mit dem DAAD-Stipendium (Berliner Künstlerprogramm) 2003/04 lebt sie auch in Berlin. 2004 wurde Hatoum mit dem Sonning-Preis der Universität Kopenhagen, dem Roswitha Haftmann-Preis (Zürich), 2010 mit dem Käthe-Kollwitz-Preis (Akademie der Künste Berlin) und 2011 mit dem Joan Miró Preis (Barcelona) ausgezeichnet.
Ihre Arbeiten wurden weltweit gezeigt. Hatoum hatte Einzelausstellungen in Museen und Institutionen wie Fundació Joan Miró, Barcelona und Arter, Space for Art, Istanbul (beide 2012); Sammlung Goetz, München (2011); Whitechapel Art Gallery, London; Beirut Art Center, Beirut; Akademie der Künste, Berlin (alle 2010); Fondazione Querini Stampalia, Venedig (2009); Daadgalerie, Berlin; Darat al Funun, Amman (beide 2008); Sydney Museum of Contemporary Art (2005); Hamburger Kunsthalle; Kunstmuseum Bonn; Magasin 3, Stockholm (alle 2004); Tate Modern, London (2000); Museum of Contemporary Art (MCA), Chicago; The New Museum of Contemporary Art, New York (beide 1997); The Fabric Workshop and Museum, Philadelphia; De Appel Foundation, Amsterdam (beide 1996) und Centre Georges Pompidou, Paris (1994).
Mona Hatoum hat an der Istanbul Bienniale (1995 and 2011), der Biennale in Venedig (1995, 2005), Documenta XI (2002), der 3. Auckland Trienniale (2007) und der 15. Sidney Biennale (2006) teilgenommen. Eine Teilnahme an der Liverpool Bienniale im September 2012 steht bevor.

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Mona Hatoum: Shift
September 08 – October 13, 2012
Private View Saturday, September 8 6 - 8 pm

Galerie Max Hetzler is pleased to announce an exhibition by Mona Hatoum. 'Shift' features several recent works by the artist, including a new, large sculpture made of marbles and two works created during a residency in Istanbul earlier this year (Kapan iki and Shift). All of the works in the exhibition embody the artist's signature use of contrasting forms and materials as well as her interest in the themes of power structures, conflict and 'home'.
«Her installations, objects and performances impress themselves on the viewer's awareness with curiously self-effacing ingenuity which is provocatively undermined, nearly cancelled and definitively reduced by the utterly humdrum, local and unspectacular materials (hair, steel, soap, marbles, rubber, wire, string etc.) that she uses so virtuosically.»(Edward W. Said)

For three decades Mona Hatoum has been interrogating political issues through diverse metaphors that frequently reference Minimal Art and, in particular, its use of the grid. The installation Kapan iki (2012) consists of a group of human-scaled, cage-like structures, made from the steel rods used to reinforce concrete in building construction. Inside each cage is an ambiguous red glass shape, which seems to be oozing its way out, making a striking contrast to the formal grid of its enclosure. The work suggests themes of entrapment ('kapan' is the Turkish word for 'trap') as well as evoking a physicality and energy from within the sculpture.
Another installation entitled Bunker (2011) consists of a group of schematic, modernist-type buildings made out of modular steel tubing. The rectangular tubes have been stacked together and subjected to cutting and burning, making the sculptures look like buildings that have been scarred by war. Although mostly generic in form, some of the 'buildings' in this series of work are based on actual buildings in Hatoum's native Beirut. The maquette-like scale of this work suggests a future construction project in which signs of destruction are already present.
In Turbulence (2012), thousands of clear, differently-sized marbles are arranged in a square on the floor. The variables of shape between each hand-made sphere create natural patterns that are reminiscent of clouds, countries or continents. The overall impression is of a highly irregular ground, turbulent and swirling, yet it remains contained within a formally abstract square.
Shift (2012) is a wool carpet that depicts a world map overlaid with yellow seismic rings, suggesting that the whole world is a potential danger zone. The carpet has been sliced up and put back together and the deliberate misalignment of its sections destroys the topographical integrity of its image.
Worry Beads (2009) is based on a traditional rosary, used for prayer and meditation, that has been enlarged and cast in bronze. Through its dramatic change in size, the beads of the rosary now appear more like cannon balls making the sculpture resonate with war rather than peace.
Impenetrable (s version) (2010) is an installation built up from individual lengths of barbed wire that are hung from the ceiling to form a perfect, suspended cube, hovering slightly above the floor. The title refers to Jesús Rafael Soto's Penetrables, but this threatening avalanche of pointed metal stems is impossible to enter, heavy with associations and yet delicate and ethereal at the same time.
Over my Dead Body (1988-2002) consists of a large PVC billboard featuring a black and white close-up of the artist's face with a toy soldier poised to shoot between her eyes. The work is a humorous, yet contradictory image that reverses the idea of an aggressive male gaze, adopting the language of advertising and the street.
In her series of etchings Hair, there and everywhere (2004), Hatoum has utilised the abject material of hair – placed directly onto the ground of the etching plate – to create beautiful, self-made patterns that seem at once random and controlled.

Accompanying the exhibition will be a fully illustrated catalogue with an essay by Patricia Falguières. This will be Mona Hatoum’s third solo exhibition at Galerie Max Hetzler.

The artist, born to a Palestinian family in Beirut in 1952, has lived and worked in London since 1975. Since 2003/04, when Hatoum received the DAAD grant of the Berlin Artists-in-Residence programme, she divides her time between Berlin and London. In 2004 she was awarded the Sonning Prize (University of Copenhagen) and the Roswitha Hoffmann Prize (Zurich), in 2010 the Käthe-Kollwitz-Prize (Akademie der Künste Berlin) and in 2011 the Joan Miró Prize (Barcelona).
Her work has been exhibited worldwide. She has had solo shows at museums and institutions such as Fundació Joan Miró, Barcelona and Arter, Space for Art, Istanbul (both 2012); Sammlung Goetz, Munich (2011); Whitechapel Art Gallery, London; Beirut Art Center, Beirut; Akademie der Künste, Berlin (all 2010); Fondazione Querini Stampalia, Venice (2009); Daadgalerie, Berlin; Darat al Funun, Amman (both 2008); Sydney Museum of Contemporary Art (2005); Hamburger Kunsthalle; Kunstmuseum Bonn; Magasin 3, Stockholm (all in 2004); Tate Modern, London (2000); Museum of Contemporary Art, Chicago; The New Museum of Contemporary Art, New York (both 1997); The Fabric Workshop and Museum, Philadelphia; De Appel Foundation, Amsterdam (both 1996) and at the Centre Georges Pompidou, Paris (1994).
Mona Hatoum has also participated in the Istanbul Biennial (1995 and 2011), the Venice Biennale (1995, 2005), Documenta XI (2002), the 3rd Auckland Triennial (2007) and the 15th Biennale of Sydney (2006). Hatoum will be participating in the Liverpool Biennial 2012.

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abc
Private View
Thursday, September 13
6–9 pm
Station-Berlin
Luckenwalder Strasse 4–6
10963 Berlin