Frank Nitsche: Professional Smile

Frank Nitsche: Professional Smile

Saturday, January 12, 2013Saturday, February 16, 2013


Berlin, Germany

Frank Nitsche
PROFESSIONAL SMILE

12.Januar – 16.Februar 2013

Wir freuen uns, Sie auf die Ausstellung PROFESSIONAL SMILE mit neuen Werken von Frank Nitsche aufmerksam zu machen.

Der 1964 in Görlitz geborene, in Berlin lebende Maler unterzieht sein Werk einer konzeptuellen Selbstanalyse. In einer Serie großformatiger Leinwände spitzt Nitsche sein gestalterisches Vokabular radikal zu. Fast leere Flächen aus wenigen geometrischen Formen stehen beinahe körperlich wirkenden Architekturen aus Linien und Kreisen gegenüber, die in ihrer Komplexität an Konstruktionspläne aufeinander bezogener Bauelemente erinnern.

So entsteht entlang sorgfältig bestimmter Sichtachsen eine Ausstellung, in der Nitsche die Formensprache seines knapp zwanzigjährigen Oeuvres bis in seine Grundbestandteile zerlegt hat. An eine malerische Grammatik erinnernd, in der es zu jedem gefundenen Satzbau und jeder sprachlichen Aussage eine Alternative oder gar einen Gegenvorschlag geben kann, wird Nitsches Malerei zu einer Rhetorik, die sich mit der Offenlegung seiner Ausdrucksmittel selbst infrage stellt.

Formen, die in unserer Waren- und Medienwelt aufgrund ihres verkaufsfördernden Designs zu Konsumprodukten stilisiert wurden, seziert Nitsche mit dem Blick eines Pathologen um sie dann wieder neu zusammen zu setzen. Comicfiguren, Zeitungsillustrationen, Produktoberflächen und journalistische Bilderzählungen – alles fließt in Nitsches Formmaschine ein.

Anders als in früheren Werkphasen greift der Maler inzwischen aber auch auf seine eigenen Arbeiten zurück, die er jedoch nicht zitiert, sondern demontiert und neu konstruiert. Beispielhaft wird dies an einer Werkserie deutlich, die Nitsche 2010 / 2011 unter dem Titel HELLO CHINA im Brandenburgischen Kunstverein Potsdam gezeigt hatte. Die Gemälde hatten sich auf Architekturelemente des Ausstellungsgebäudes bezogen und dessen Formen musterbuchartig in sich aufgenommen. In der Ausstellung PROFESSIONAL SMILE sind diese Bilder nun wieder zu sehen. Sie sind jedoch einer malerischen Umarbeitung unterzogen worden und haben nach zahlreichen Übermalungen unter anderem ihre grüne Farbe verloren. Nitsche feiert seine Kunst nicht als fertiges Luxusprodukt, sondern sucht bei jedem Entwurf auch nach dem Gegenentwurf. Er untersucht, welche der minutiös ausgeführten Bewegungen, Haltungen oder Formen ein Bild zum Bild macht und integriert am Ende Form und Antiform in das Werk.

Die durchchoreographierte Ausstellung ist aber nicht nur kritischer malerischer Selbstversuch, sondern wird jäh durch das Panoptikum einer Fotowand aus Medienbildern unterbrochen, welche Nitsche seit seinen Studienjahren in Fotoalben sammelt. Mit seinen Alben, bei denen es sich jedoch keineswegs um Skizzenbücher handelt, entwickelt der Künstler ein subjektives künstlerisches Ordnungssystem, in dem vom Unfallfoto bis zur zoologischen Kuriosität rigide gerasterte Collagen unserer bilddurchfluteten Medienwelt entstehen.

PROFESSIONAL SMILE beschäftigt sich also damit, was künstlerische Oberflächen von den Oberflächen der uns umgebenden Welt unterscheidet. Radikaler gesagt fragt Nitsche sogar, was künstlerische Produkte eigentlich heute von beliebig umformbaren medialen Produkten unterscheidet. Die Ausstellung gibt eine konsequente Antwort: Kunst definiert sich durch ihre nicht endende Selbstinfragestellung, durch den unbedingten Mut zur ständigen Revision.

PROFESSIONAL SMILE ist Frank Nitsches fünfte Einzelausstellung in der Galerie Max Hetzler.