Aino Kannisto: She and She. Seit 1997

Aino Kannisto: She and She. Seit 1997

Friday, February 10, 2012Saturday, April 21, 2012


Bochum, Germany

Frühe und neue Fotografien von Aino Kannisto
10. Februar – 21. April 2012

Die Galerie m Bochum zeigt vom 10. Februar bis zum 21. April 2012 in der Ausstellung „She and She. Seit 1997“ neueste Arbeiten von Aino Kannisto. Damit widmet die Galerie der finnischen Fotografin zum dritten Mal eine Einzelausstellung.

In Aino Kannistos Fotografien ist immer sie selbst zu sehen in verschiedensten Räumen, Stimmungen und Rollen. Letzteres ist entscheidend, denn die Fotografien, die nicht als Selbstporträts missverstanden werden dürfen, geben keine Auskunft über die Künstlerin selbst, ihre Individualität und Gefühlslage. Vielmehr sind es imaginierte Leben, erdachte Szenen in ebensolchen Räumen, die dennoch nah und wahr erscheinen, unmittelbar aus dem Leben gegriffen. Ihre Werke speisen sich aus verschiedenen Bereichen des kulturellen und visuellen Lebens. Werbung und Mode spielen in Aino Kannistos Bildfindung eine Rolle und viele Bilder offenbaren den Film als Inspirationsquelle. Tatsächlich dienen auch eigene Erlebnisse oder Menschen, die sie getroffen hat, als Startpunkte.

Es ist leicht und fast unvermeidbar, Geschichten um die Szene und Figur im Bild zu erdenken. Wer ist die Frau? Was für ein Ort umgibt sie? Und vor allem: Was geschah vorher und was passiert nun? Interessanterweise lebt dieses offene Spiel mit Assoziationen und Phantasie ausgerechnet von den Dingen, die nicht im Bild sichtbar sind. Häufig entsteht durch den Blick der Frau, der in vielen Werken melancholisch und still in die Ferne und aus dem Bild heraus gerichtet ist, ein Eindruck von Sehnsucht und Nachdenklichkeit. Der Anlass dazu scheint immer außerhalb des Bildes zu liegen, niemals lassen sich innerhalb des Bildes Anhaltspunkte für eine solche Stimmung finden. Die Räume hüllen die Protagonistin schützend ein und kommen selten als Grund für ihre Melancholie in Frage. Diese ist eher begründet in ferner liegenden Gegebenheiten, vielleicht die Beziehung zu einer unbekannten und zudem unsichtbaren zweiten Figur, die emotional ganz nah, räumlich jedoch weit entfernt ist. Es ist nicht nur das unendliche Netz aus Gedankenfäden, das den Betrachter fesselt, sondern auch die Ästhetik der Fotografien, die Komposition der Formen und Farben. Nichts bleibt dem Zufall überlassen: Tapete, Kleidung und Alltagsgegenstände harmonieren farblich miteinander; der sorgfältig gewählte Bildausschnitt erzeugt Strukturen und ausgewogene Formgefüge und Flächenbezüge.

Aino Kannistos Fotografien sind sowohl in ihrer ausgefeilten Komposition, als auch ihrer subtilen Stimmung hochgradig reizvoll und offenbaren das feine Gespür der Künstlerin - nicht nur für die Bildkomposition, sondern auch für eine einfühlsame Bildatmosphäre. Führt man sich in Anbetracht dessen vor Augen, dass sich Aino Kannisto im Moment der Aufnahme selbst vor, und nicht hinter der Kamera befindet, stellen ihre Fotos zudem ihre Meisterschaft in der Beherrschung des Mediums unter Beweis.