Dokoupil 'Der Ring des Nibelungen'

Dokoupil 'Der Ring des Nibelungen'

Thursday, June 21, 2012Thursday, June 28, 2012


Munich, Germany

Eröffnung: 21. Juni 2012, 19 bis 21 Uhr Um 20 Uhr Gespräch zwischen Dokoupil und Karl Pfefferle.

In Bezugnahme auf die diesjährigen Münchner Opernfestspiele mit ihrem Fokus auf Wagners Ring des Nibelungen, zeigt die Galerie Karl Pfefferle erstmals eine Reihe von Bildern und Skizzen, die Dokoupil (*1954) zu diesem Thema 1993 geschaffen hat.

Der „Einfallsreichtum, die innere Freiheit und bildnerische Intelligenz“, die Robert Fleck (Kurator der Ausstellung Dokoupil. Malerei im 21. Jahrhundert, Deichtorhallen Hamburg, 2005) dem Werk Dokoupils zuschreibt, spiegelt sich in diesen Arbeiten aufs Beste wider.

Ohne jeden Betroffenheits- oder Anklage-Ethos nimmt sich Dokoupil des von den Nationalsozialisten ideologisch funktionalisierten Mythenstoffes an: Er entwirft für den Bankettsaal des Hotel Elephant in Weimar, das 1937 als „Führer-Quartier“ auf der Achse München / Berlin erbaut wurde, einen 14-teiligen Bilderzyklus. Dabei nähert sich Dokoupil dem Wagnerschen Kosmos von Liebe, Macht und Verrat vollkommen frei an. Seine Darstellungen beziehen sich zwar auf die Bühnengestaltung Josef Hoffmanns für die Uraufführung des Rings in Jahr 1876, doch tauchen die Nibelungen-Gestalten nur als Umrisse, als flimmernd vibrierende Flammenspuren auf, die wie Heraufbeschwörungen von etwas Schatten- oder Geisterhaftem wirken. Das Trugbildhafte dieser mythischen Schlüsselszenen wird noch gesteigert durch die von Dokoupil Ende der 80er Jahre entwickelte Technik des Malens mit Kerzenruß, das den malerischen Gestus verschleiert. Das Dargestellte bleibt flüchtig, fragmentarisch und löst sich an den Bildrändern bis hin zur rein weißen Fläche auf. Einen genialen Kontrapunkt setzt Dokoupil, indem er durch die Initialen der Handlungsträger mit ihrer vordergründigen Signalwirkung ein dadaistisches Buchstabenspiel einfügt und damit dem Heldenepos seine Bedeutungsschwere nimmt.

Noch pointierter wird alles weihevoll Teutonische in den linearen Filzstift-Zeichnungen und spontanen, comicartigen Skizzen karikiert.

Zur Ausstellung gibt die Galerie zwei Portfolien unterschiedlicher Größe (Auflage 1 + 1 a.p.) mit jeweils 14 Pigmentdrucken zu dem Nibelungen-Zyklus von Dokoupil heraus. Zu sehen sind die Arbeiten bis zum 28. Juli 2012, dienstags bis freitags jeweils 11 bis 18 Uhr, samstags 11 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung.