Galerie Henze & Ketterer & Triebold

ERNST LUDWIG KIRCHNER: Dresden - Berlin - Davos

ERNST LUDWIG KIRCHNER: Dresden - Berlin - Davos

ziegenhirt by ernst ludwig kirchner

Ernst Ludwig Kirchner

Ziegenhirt, 1918

Price on Request

toilettemachende mädchen by ernst ludwig kirchner

Ernst Ludwig Kirchner

Toilettemachende Mädchen, 1910

Price on Request

erna im atelier (akt im raum) by ernst ludwig kirchner

Ernst Ludwig Kirchner

Erna im Atelier (Akt im Raum), ca. 1927

Price on Request

zwei weibliche akte im atelier by ernst ludwig kirchner

Ernst Ludwig Kirchner

Zwei weibliche Akte im Atelier, 1910

Price on Request

blonde pippa in weissem tanzkostüm mit schirm by ernst ludwig kirchner

Ernst Ludwig Kirchner

Blonde Pippa in weissem Tanzkostüm mit Schirm, 1911

Price on Request

paar am strand by ernst ludwig kirchner

Ernst Ludwig Kirchner

Paar am Strand, ca. 1908

Price on Request

kühe by ernst ludwig kirchner

Ernst Ludwig Kirchner

Kühe, 1918

Price on Request

Saturday, September 6, 2014Saturday, February 7, 2015
Opening Reception: Saturday, September 6, 2014

Wettsteinstrasse 4
Riehen, 4125 Switzerland

ERNST LUDWIG KIRCHNER

Dresden – Berlin - Davos
Meisterwerke auf Papier 1906 - 1937

6. September – 7. Februar 2015

Vor Kirchner zogen sich die Damen und Mädchen, die Modelle und Freundinnen aus. Sie liessen sich vom Meister der Zeichnung, der Aquarelle sowie der Graphik zeichnen, malen und portraitieren. Mit wenigen klaren Linien fing der Künstler das Wesen und die Ausstrahlung der Menschen in seiner Umgebung ein, brachte diese zu Papier. Liegend, sitzend, stehend oder kniend präsentieren diese sich dem Betrachter und wirken nie gekünstelt in ihrer Haltung, als würde immer ein Moment des Bewegungsablaufes festgehalten werden. Bei der Toilette, beim Frisieren, beim Waschen, beim Schwimmen, beim Tanzen, beim Spielen, beim Sport, beim Rasten oder bei der Unterhaltung: Immer werden das oder die Modelle mit raschen, klaren Linien in Ihrer Haltung oder Bewegung eingefangen. Meistens posieren sie nicht für den Künstler, sie scheinen diesen gar nicht wahrzunehmen und sie wirken nicht als seien sie sich dessen bewusst, dass sie gerade gezeichnet oder gemalt werden.

Als Sohn eines Papierchemikers hatte Kirchner gute technische Kenntnisse des Mediums und eine ergiebige Quelle für seinen nachhaltigen und ständig sehr hohen Bedarf an gutem Papier. Günstige Bedingungen haben dafür gesorgt, dass so gut wie kaum etwas von dem unglaublich umfangreichen Werk des Künstlers verloren ging: Ausser einigen Ausnahmen, die im Rahmen der Aktion „Entartete Kunst“ vernichtet wurden, hat fast das gesamte Oeuvre die Zeit und vor allem die beiden verheerenden Weltkriege überdauert. Dies sicherlich auch dank dessen Übersiedlung und Aufbewahrung in der neutralen Schweiz.

Bevorzugt hat Kirchner satiniertes, oder zumindest leicht satiniertes chamois, also hell beiges, Papier verwendet. Zum Teil und nicht selten auch hellbräunliches (Pack-) oder gelbes Papier. Diese dienten als Bildträger für Bleistift-, Kreide- und Tuschzeichnungen aber auch für Aquarelle und Druckgraphik. Signiert hat der Meister lediglich die Blätter, die zu seinen Lebzeiten für Ausstellungszwecke oder durch Verkauf das Atelier verlassen haben. Dies hat dazu geführt, dass die Echtheit dieser nur schwerlich nachahmbaren Kompositionen eher durch den Nachlass-Stempel nachgewiesen ist, der mit einer in Tinte angebrachten Nummerierung Auskunft über Technik, Entstehungsort und Motiv gibt, sowie durch die unterschiedlichen Inventar-Nummern, die in den meisten Fällen auf den Rückseiten angebracht wurden.

Überwältigend ist, in welcher Anzahl und Fülle und vor allem in welcher Qualität diese Werke auf Papier geschaffen wurden und erhalten sind. Dem Ernst Ludwig Kirchner Archiv – zuerst in Campione d’Italia ab 1979 und nun seit 1993 in Wichtrach bei Bern geführt – liegen Daten und Abbildungen von mindestens 12‘000 Skizzenbuchblättern, über 20‘000 Zeichnungen, 2‘000 farbigen Kreidezeichnungen und Aquarellen und mindestens ebenso vielen graphischen Werken vor. Dies ist, wenn man die relativ kurze Schaffenszeit Kirchners berücksichtigt, das umfangreichste Werk auf Papier des gesamten vergangenen Jahrhunderts – nur vergleichbar mit dem Oeuvre des ebenso künstlerisch „besessenen“ Pablo Picasso. Dabei sei hier angemerkt und hervorgehoben, dass jedes Blatt eine komplette Komposition zeigt, also keine Detailstudien und als absolutes Unikat anzusehen ist, was auch – und dies muss besonders betont werden – für die Druckgraphik zutrifft, die der Künstler in sämtlichen Entstehungsphasen eigenhändig ausgeführt hat und die er – was Papier, Zustand und Einfärbung betrifft – jeweils variierte.

Charakteristisch ist in diesen Werken die auf die Konturen reduzierte klare Linienführung, selten gewischt oder laviert, die kaum Volumina entstehen lässt. Ein stark auf das Wesentliche reduzierter Darstellungsmodus, der eine besonders rasche Arbeitsweise ermöglichte. Diesen hatte sich Kirchner während der gemeinsamen Jahre der Künstlergruppe „Brücke“ in den sogenannten „Viertelstundenakten“ zu eigen gemacht. Dabei durften die Modelle nicht länger als 15 Minuten in einer bestimmten Position verharren und das Gesehene musste in eben dieser Zeit von den Künstlern auf Papier festgehalten werden. Dies führte dazu, dass Korrekturen, wie etwa radieren, nicht möglich waren: wenn er sich geirrt hatte, dann überzeichnete er, sodass die Korrektur in der Darstellung sichtbar blieb.

Kirchner interessierte sich besonders für die Bewegung und so schuf er sehr oft Serien, sodass Momentaufnahmen des gesamten Bewegungsablaufes entstanden, wie Fotos, die in bestimmten Zeitabständen geschossen werden. Dies sehr gerne in unterschiedlichen Techniken, sodass wir oft ein Motiv in Ausführungen als Zeichnung, Kreide, Tusche, Holzschnitt, Radierung und Lithographie sowie als Gemälde kennen. Ja bisweilen auch als Plastik, Teppich und Fotografie.

Besonders inspirierend wirkte auf Kirchner der nackte menschliche Körper, insbesondere der weibliche Akt. Ob in den Ateliers in Dresden, Berlin und Davos, oder an den Moritzburger Teichen, an den Stränden der Insel Fehmarn und in den Wäldern von Davos, Kirchner stellte immer und immer wieder Erna, seine Lebensgefährtin und ständige Muse, Modelle, Freundinnen, die zu Besuch kamen, Tänzerinnen und Bauerntöchter dar, liess sich von deren nackter Haut zu wunderbaren Kompositionen animieren. Was ist denn auch unmittelbarer als der nackte Körper für die Darstellung der natürlichen Bewegung? Als Sonderling wird er sicherlich dadurch gegolten haben, besonders in Davos.

In der kommenden Herbstausstellung in unseren Galerieräumen in Riehen können Sie eine ganze Reihe von herausragenden Aktdarstellungen von Ernst Ludwig Kirchner aus den Dresdner, Berliner und Davoser Jahre sehen. Die Präsentation umfasst aber auch Werke zum Thema Zirkus, Tänzerinnen, Portraits, Bauern bei der Arbeit und sich Unterhaltende sowie Beispiele aus der Serie zur Wigman-Tanzgruppe, die Kirchner 1926 während seiner ersten Deutschlandreise nach der Übersiedlung in die Schweiz schuf. Auch hier war für ihn das Einfangen von Bewegung von besonderer Bedeutung.

_________________________

ERNST LUDWIG KIRCHNER

Dresden – Berlin – Davos
Masterpieces on Paper 1906 – 1937


6th September - 29th November 2014

All of them – the women and girls in his circle of friends and acquaintances – posed in the nude for Kirchner, the master of drawing, watercolour and printmaking. With just a few clear strokes of the brush or pencil, Kirchner was able to convey the essence and personalities of the people about him. Reclining, seated, standing or kneeling, they present themselves to the viewer in a completely natural, never artificial pose, as though they are performing an altogether normal movement or action that the artist has captured momentarily on paper. Whatever the activity, whether doing one's toilet, combing one's hair, washing, swimming, dancing, playing, or simply resting or conversing, Kirchner's models are captured with the deftest of lines. In most cases they do not pose for the artist, indeed they seem to take no notice of him, nor do they seem to be aware of the fact that they are being drawn or painted.

As the son of a chemist working in the paper industry, Kirchner not only possessed sound technical knowledge of the medium but also had a constantly plentiful source of good-quality paper for his requirements. Circumstances were such that hardly any works from his incredibly vast oeuvre were lost. With the exception of just a few works that fell victim to the “Degenerate Art” campaign of the National Socialists, almost his entire oeuvre survived the ravages of time, and not least the two world wars. A decisive factor was certainly Kirchner's early emigration to Switzerland where his works could exist in the relative safety of a neutral country.

Kirchner preferred to use calendered, or at least slightly calendered chamois – i.e. light-beige – paper. He also used, and not infrequently, a light-brown (packing) or yellow paper. These papers served not only as supports for his pencil, chalk and pen-and-ink drawings but also for his watercolours and prints. The artist would sign only those works that were intended for exhibition or were sold directly from his studio. Thus the authenticity of Kirchner's works on paper – notwithstanding the fact that they are difficult to imitate – is evidenced rather by the estate stamp, which contains a reference number, handwritten in ink, that furnishes information on the technique, the motif and the place where the work was produced, and also by various inventory numbers that in most cases are to be found on the backs of the works.

No art lover can fail to be overwhelmed by the quantity – and hence even more so by the quality – of these works on paper that have survived to the present day. The Ernst Ludwig Kirchner Archive – which was established in Campione d’Italia in 1979 and has now been operating in Wichtrach near Bern since 1993 – has records of at least 12,000 sketchbook pages, over 20,000 drawings, 2,000 coloured chalk drawings and watercolours and at least just as many prints. When we consider Kirchner's relatively short life as an artist, this is the largest oeuvre of works on paper in the whole of the 20th century, comparable only with the oeuvre of that equally “obsessed” artist Pablo Picasso.

What is also remarkable is the fact that every single work is a complete composition, that is to say, not a preliminary study for some other work and may therefore be regarded as being absolutely unique. This also applies – and this is a point that deserves particular emphasis – to the prints that Kirchner not only produced by his own hand from beginning to end but also varied from one exemplar to the next in terms of paper, state and colouration.

A characteristic feature of all these works is their clarity and economy of line and contour, seldom blended or washed and hence rarely creating an effect of depth or volume. Kirchner's technique reduced the motif to its very essentials and thus permitted a particularly fast execution. It was a technique that Kirchner acquired during the years spent with his fellow “Brücke” artists, when they would practice what they called “quarter-hour nudes”, for which the models were not allowed to remain in the same pose for longer than 15 minutes and the artists had to capture what they saw in just as short a time. The artists had to work so fast that there was no time for corrections with an eraser, for example, and any mistakes simply had to be drawn over, thus leaving the corrections visible in the drawing.

Kirchner was particularly interested in the capturing of movement, many of his series being reminiscent of early chronophotographic images of whole sequences of movement. These depictions were often created in various techniques and the same motif would appear in a whole diversity of media – drawing, chalk, pen/brush and ink, woodcut, etching, lithograph and oils – and sometimes as sculptures, tapestries and photographs.

Kirchner was above all inspired by the human body and especially the female nude. No matter where he was – in the studios in Dresden, Berlin and Davos, on the shores of the Moritzburg Lakes, on the beaches of the island of Fehmarn or in the forests around Davos – Kirchner portrayed not only Erna, his lifelong companion and muse, time and time again but also their women friends who came to visit them, dancers and even the young daughters of neighbouring peasants, their nakedness inspiring the most wonderful compositions. For what could be a more direct way of representing natural movement than the naked body? All the same, Kirchner will certainly have been considered unconventional, not to say weird, especially in Davos.

While the forthcoming exhibition in the rooms of our gallery in Riehen will present a whole diversity of nude depictions from Kirchner's years in Dresden, Berlin and Davos, it will also include works devoted to such other themes as the circus, dancers, peasants at work and people in conversation as well as works from the Mary Wigman dance series, which Kirchner painted in 1926 during his first return visit to Germany following his emigration to Switzerland. Here, too, Kirchner attached the utmost importance to the capturing of movement.

We cordially invite you to the forthcoming exhibition. The vernissage will be on Saturday, 6th September, between 12.00 noon and 7.00 p.m. and a preview will also be possible during the Season Opening of the Basel Galleries on the preceding evening, Friday, 5th September between 5.00 p.m. and 9.00 p.m.

Alexandra Henze Triebold
(Translation by John Brogden)