Early Color - Arbeiten von Saul Leiter, Raghubir Singh und Evelyn Hofer

Early Color - Arbeiten von Saul Leiter, Raghubir Singh und Evelyn Hofer

monsoon rains, monghyr, bihar by raghubir singh

Raghubir Singh

Monsoon Rains, Monghyr, Bihar, 1967

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Evelyn Hofer

"Little Italy", Mulberry Street, New York, 1965

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driver by saul leiter

Saul Leiter

Driver, ca. 1950

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Thursday, January 26, 2012Saturday, April 21, 2012


Munich, Germany

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E A R L Y C O L O R -
ARBEITEN VON SAUL LEITER, RAGHUBIR SINGH UND EVELYN HOFER

ERÖFFNUNG: 26. Januar 2012
AUSSTELLUNGSDAUER: 27. Januar bis 21. April 2012

Bitte beachten Sie: SAUL LEITER in den Deichtorhallen Hamburg vom 3. Februar – 15. April 2012

Die Galerie f5,6 freut sich Ihnen die Ausstellung Early Color ankündigen zu können. Wir präsentieren erstmalig in dieser Zusammenstellung Arbeiten der Fotografen Saul Leiter (*1923 Pittsburgh, Pennsylvania), Evelyn Hofer (*1922 Marburg a. d. Lahn - †2009 Mexiko City) und Raghubir Singh (*1942 Jaipur, Indien - †1999 New York, USA). Wir zeigen drei frühe Positionen und Sichtweisen der Farbfotografie – die eines Amerikaners, einer Europäerin und eines Inders vereint durch die gemeinsame Pionierarbeit für Farbe in der Fotografie.

„Was könnte denn natürlicher, gewöhnlicher sein als eine Farbfotografie? Niemanden kümmerte natürlich das Farbbild im Geldbeutel; es war die Farbfotografie an der Wand eines Museums oder eine Galerie welche den Aufruhr auslöste“
Kevin Moore in Starburst: Color Photography in America 1970 – 1980

Noch bis tief in die Mitte der siebziger Jahre waren Ausstellungen von farbigen Fotografien eine äußerst rare Erscheinung. Erst 1976 gab eine Ausstellung mit dem Titel Photographs by William Eggleston den öffentlichen Startschuss für den Siegeszug der Farbfotografie in der Kunst, für den Egglestons Name inzwischen fast als Synonym verwandt wird. Die Frage warum der Siegeszug der Farbfotografie so lange hat auf sich warten lassen, ist dabei nicht mit technischen Entwicklungen zu erklären, sondern ist auch bei dem jungen Medium der Fotografie in einer kulturellen Erwartungshaltung zu verorten. Schwarzweiss Fotografie, ob nun Kunst- oder Dokumentarfotografie, hat mit Beginn der 1960’er Jahre ihren Platz im Museum bereits gefunden. Dokumentarfotografie als Kunst, nebenbei ein ganz eigener Kampf, begann sich im Ausdruck schon mit Subjektivität anzureichern als Farbfotografie noch Verfechter suchte. Die Gründe waren vielfältig und so schien vielleicht das realitätsnahe Abbildungsverfahren durch Grauwerte abstrahiert genug um den Respekt des Abgebildeten nicht zu verletzen, während man mit Farbe einem etwaigen soziokulturellen Auftrag widersprach. Zu früh hatten sich Werbung und Unterhaltungsindustrie der Aufmerksamkeit erregenden, farbigen Bilder bedient, um als Kunst in den Augen der Öffentlichkeit ernst genommen werden zu können.
Die in unserer Ausstellung zusammengeführten Fotografen trotzten diesen Widrigkeiten. Neben ihren thematischen Inhalten bezwingen ihre Fotografien zusätzlich durch den gezielten Einsatz der Farbe. Dabei nutzen Leiter, Hofer und Singh die Farbe in ihren Bildern in jeweils eigener Manier.

Saul Leiter verwandelt den Aspekt des kurzen, fotografischen Augenblicks in die Zeitlosigkeit der Malerei, indem er städtisches Treiben in Reflexionen und Schichten bettet, die den Raum in eine abstrakte Fläche verwandelt. Er selbst beschreibt dies folgender Maßen: „Fotografien werden oft als Höhepunkt der Realität behandelt. Aber eigentlich sind es kleine Fragmente von Andenken dieser unvollendeten Welt.“ Sicherlich spielt hierfür sein künstlerischer Ursprung in der Malerei eine wesentliche Rolle. Anders als seine Zeitgenossen William Klein, Robert Frank oder Helen Levitt, die heute als klassische street photographer bezeichnet werden, bleibt Leiter aber auch im Medium der Fotografie am Gedanken der Abstraktion interessiert. Der Farbfilm gab ihm die Möglichkeit, die formalästhetischen Prinzipien der Malerei des Abstrakten Expressionismus mit der Fotografie zu verbinden.

Die Arbeiten Evelyn Hofers gehören, nach klassischem Urteil, zu einer deutlich fotografischeren Position. Ihre Fotografien sind nüchterne Studien, Kompositionen gut durchdachter Momente und bleiben dabei klar und einfach in ihrer Herangehensweise. Das Endergebnis sind intime Portraits von Personen und ebenfalls von Objekten. Farbe ist keine zufällige Zutat in den Arbeiten Evelyn Hofers sondern, von Anfang an, ein wichtiger Teil des gesuchten Motivs. Farbe ist in gleichem Maße wichtig und bedeutend in jedem von ihr als gelungen erklärten Bild und übernimmt nicht selten sogar die Hauptrolle. Hofer ist bekannt für ihre Portraits sowie für ihre Landschaftsaufnahmen – sie suchte innerhalb ihres Werks nicht nur Bewegung sondern auch Stille. Ihre technische Professionalität verhalf ihr zu hohem Ansehen innerhalb der fotografischen Gemeinde. Für viele junge Fotografen war sie die Wunschadresse um als Assistent sich ihres Wissens zu nähern. Ansehen und Wissen um ihr technisches Talent verhalfen ihr zum Titel der „berühmtesten unbekannten Fotografin Amerikas“. Wir freuen uns besonders Ihnen Dye Transfer Abzüge zeigen und anbieten zu können die noch von Evelyn Hofer selbst erstellt und signiert wurden.

Auch Raghubir Singh sucht nicht erst mit der Kamera in der Hand nach interessanten Kompositionen, sondern sie Laufen ihm en-passant über den Weg. Nicht umsonst ist er in seinem Heimatland als „der indische Cartier-Bresson“ bekannt. Seit den 60er Jahren bereiste er die verschiedenen Provinzen Indiens, um diese mit Hilfe der daraus entstandenen Buchpublikationen der Welt präsentieren zu können. Durch seinen speziellen, aufmerksamen Blick verwandelt er dabei die reine Dokumentation in Lyrik. Leben und Farbe sind für ihn gleichbedeutend. „Der wahrhaft indische Künstler kann den Segen der Farbe nicht ignorieren. Farbe begreifen wir als Eingebung,... . Wenn der Monsun hereinbricht und den braunen Wüstenstaub in ein nasses Braun und üppiges Grün verwandelt, dann lebt auch die Farbe „lariya“ in der Kleidung auf. Die grünen und gelben Farbtöne leuchten im Gleichklang der Natur...Im Sommer vertreiben zarte Farben die große Hitze...weiß ist die Farbe, die das Leben und den Tod vereint...“
Fotografie ohne Farbe wäre für ihn niemals möglich gewesen.

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E A R L Y C O L O R -
PHOTOGRAPHIC WORKS BY SAUL LEITER, RAGHUBIR SINGH AND EVELYN HOFER

OPENING: 26. Januar 2012
EXHIBITION: 27. Januar bis 21. April 2012

For your attention: SAUL LEITER at Deichtorhallen Hamburg, February 3 – April 15

Gallery f5,6 is happy to announce the upcoming exhibition Early Color. We are presenting, for the first time in this combination, works by renowned photographers Saul Leiter (*1923 Pittsburgh, Pennsylvania), Evelyn Hofer (*1922 Marburg a. d. Lahn - †2009 Mexico City) and Raghubir Singh (*1942 Jaipur, Indien - †1999 New York, USA). On display will be three early positions and perspectives of color photography – an american, european and indian view of the world united by the combined efforts for early color photography.

„What could be more natural, more ordinary than a color photograph? No one cared, of course, about the color picture in your wallet; it was the color photograph appearing on the wall of a gallery or art museum that caused the stir“
Kevin Moore in Starburst: Color Photography in America 1970 – 1980

Until the second half of the seventies exhibitions of color photography remained a rather rare occurence, it was the 1976 held exhibition Photographs by William Eggleston that brought change and public recognition for the colored prints. William Egglestons name, by now, is an almost everywhere accepted synonym for the genre of color photography . The question why it took color photgraphy comparatively long to gain success can not be explained by technical developments, though. The explanation is rooted rather in the cultural expectations even the young medium of photography was confronted with. By the 1960s black and white photography, albeit art or documentary photography, already found its place in museums and galleries. The genre of documentary photography, by the way a whole different struggle concerning the topic of credibility in the art world, even began to enrich its modalities with subjectiveness while color photography still needed to look out for advocates.
The reasons for that seemed manifold, with black and white being considered much more respectfull due to ist medial abstractions whereas color photography appeared way too alluring and distant to the approaches of social documentation, being one of them. Too early happened the adoption of color photography by the advertising and entertainment industry to gain recognition among the public to become considered a serious art form. The photographers’ works collected in this exhibition defy these accusations and next to the photgraphs’ thematic subjects, the versatile usage of color – variant in style be it Leiter, Hofer or Singh, defeat any additional doubts.

Saul Leiter transferred the aspect of photographys’ decisive moment to paintings timelessness, by incorporating urban scenery in multiple reflexions and layers that recreate space as an abstract plot. He describes it best himself: „Photography is often treated as the high point of reality. But they are rather tiny fragments of souvenirs taken from the imperfect world“. His background and roots in the fine arts might have to be taken into consideration concerning this statement. Different to his contemporaries like William Klein, Robert Frank or Helen Levitt, who today are genuinely considered street photographers, Leiter remains interested in the painterly principles of abstractions. Color film materials merely have given him the opportunity to combine fine arts formalasthetic principles of abstract expressionism with photography.

The work of Evelyn Hofer is much more a photographical position by classical standards. Her photographies are sober studies, compositions are well thought of sceneries and her approach is always clear and simple. The results are intimate portraits of each subject as well as object. Color, to Evelyn Hofer, is no ingredient that coincidentally made it in the frame but is instead part of the intended setting she seeked out to portray. Color is equally important and crucial to every shot she considers successful and sometimes the shots’ main character. Hofer is known for her portraits as well as her landscapes or urban scenes – she sought out not only motion but also stillness in life. Her technical proficiency was highly respected among fellow photographers and for many young photographers a post as her assistant meant being part of that wisdom. This made Evelyn Hofer a household name in the world of professional photography and earned her the nickname of „the most famous unknown photographer in America“. We are especially proud of being able to present and offer dye transfer prints executed and signed by Evelyn Hofer herself.

Raghubir Singh on the other hand is not on search for his motives and compositions, but meets them per chance on his ways. It’s not incidental that in his motherland he is know as the „indian Cartier-Bresson“. Since the 1960’s he travelled to visit all of Indias provinces and collected his impressions in publications that had great success all over the world. Because of his special and attentive way of viewing his surroundings he transforms mere documentary in lyrical essays. Color for him is no medium, but pure life. Color and life are equally important.
„The true indian artist is not able to ignore the blessing of color. We experience color as epiphany,... . When the monsoon rains begin and brown desert dust is transformed in lush browns and green, then the color „lariya“ makes its arrival in peoples clothes. The green and yellow hues shine in unity with nature... .In the summertime soft colors make the heat disappear... white is the color that unifies life and death.“
Photography without using color would have been impossible for Raghubir Singh.