Galerie Elisabeth & Klaus Thoman

Martin Walde: Solvent Scale (Innsbruck)

Martin Walde: Solvent Scale (Innsbruck)

Saturday, January 21, 2012Saturday, March 17, 2012


Innsbruck, Austria

Martin Walde: Solvent Scale

Eröffnung Sa 21.1.2012 12 Uhr

Nach markanten Beteiligungen bei Projekten der Galerie, wie Unter freiem Himmel Skulptur im Schlosspark Ambras, ist Solvent Scale die erste Einzelausstellung des Künstlers in der Galerie Elisabeth & Klaus Thoman. Martin Walde ist ein im umfassenden Sinn medial konzipierender Künstler. In seinen Arbeiten geht es in vielfältiger Weise um Prozesse die in Gang gesetzt werden. Dabei interessiert sich der Künstler in erster Linie für Phänomene, die sich mit dem Unerklärbaren und Unkalkulierbaren befassen. Walde arbeitet kontinuierlich mit verschiedenen Materialien und wechselt stets die Perspektiven. Er ist ein schwer fassbarer Grenzgänger zwischen Chemielaborant und Alchemist, zwischen technischem Erfinder und Demiurg. Mit einer ausgeprägten Entdeckerlust hinsichtlich physikalisch-chemischer Zusammenhänge experimentiert er mit Flüssigkeiten, Farben, Gerüchen und Konsistenzen. Martin Walde interessiert daran die stete Transformation, das Fließende, das Veränderliche der Werkstoffe, ihre Viskosität ebenso wie ihre affektiven, symbolischen und ästhetischen Potentiale. Dem Künstler gelingt es mit seinen dynamischen Installationsprozessen den Skulpturenbegriff zu erweitern, indem er Natur, Wissenschaft, und Technik in seine Arbeiten integriert. Und gerade weil Walde wissenschaftlichen Forschergeist mit künstlerischer Form verbindet(…), weil Poesie, Lust und Leidenschaft den Motor für alles Voranschreiten bilden, ist Martin Walde weniger ein Finder und Erfinder von neuen Sinnzusammenhängen als ein verträumender ‚Weltenmacher‘, der es vermag, den Zweckrationalismus einer grauen Alltäglichkeit mit den sprühenden Funken eines ungebändigten Geistes zu infizieren.* (Roland Nachtigäller, Das Museum als künstlerisches Labor und soziales Handlungsfeld, In: Katalog, Martin Walde – A Second Home for Schrödinger’s Cat, MARTa Herfod, ZKM, Neue Galerie Graz, 2010)

Martin Walde zeigt in seiner für die Galerie Elisabeth & Klaus Thoman in Innsbruck konzipierten Ausstellung Solvent Scale eine Gruppe von Glasarbeiten. Alle Glasgefäße funktionierten in industriellen Rückgewinnungsanlagen für Lösungsmittel. Diese form- und skalennormierten Gefäße wurden vom Künstler, in Zusammenarbeit mit dem Glastechniker Bernd Weinmayer, in einem speziell von ihnen angefertigten Hochofen verformt. Ein wesentlicher Moment der Konzeption besteht darin, dass die „Deformation“ der Glaselemente nicht Selbstzweck ist und formalästhetischen Kriterien folgt, sondern Begleiterscheinung und Konsequenz der Verflüssigung der „Skalen“ darstellt. Im Prozess strebt der Künstler nicht die De- Funktionalisierung der Gefäße und somit der Industrieanlagen, sondern eine Veränderung der Funktionalität an. Das markante zweite große Werk in der Ausstellung ist die zehnteilige Arbeit Dandelion, die gerade an der Biennale Moskau gezeigt wurde. Martin Walde verwandelt das Foto einer Löwenzahnwiese schrittweise durch fortwährende Reproduktion von analogen und digitalen Überschreibungen in eine unwirkliche, phantastische Welt. Torkelnd zwischen inkonsequenten Manipulationen und Konzeption wird ein Abstraktionsprozess in Gang gesetzt, in dem sich das Abbild der Wiese verliert. Die schrittweisen Manipulationen aber sichtbar bleiben.

Martin Walde (* 1957) lebt und arbeitet in Wien. Seit 1982 internationale Beteiligung, Einzelausstellungen und zahlreiche Projekte im öffentlichen Raum. Biennale di Venezia Italien (1986), Istanbul Biennale Istanbul (1989), Documenta X Kassel (1997), Biennale de Montréal Montréal (1998 ), Biennale di Venezia Italien (2001), BIACS 3 Sevilla (2008), The Hayward Gallery London (2008). Einzelausstellungen u.a. Museum van Hedendaagse Kunst Gent (1984), Generali Foundation Wien (1989), Wiener Secession Wien (1996), Tokyo Opera City Art Gallery Tokyo (1999), Fuchu Art Museum Tokyo (2001), Villa Arson Nizza (2003), Galerie im Taxispalais Innsbruck (2005), Kunsthaus Baselland Basel (2006), ZKM Karlsruhe Karlsruhe (2009), MARTa Herford Herford (2010).