Monika Grzymala: Meander, Morph, Volumen II (Wien)

Monika Grzymala: Meander, Morph, Volumen II (Wien)

installation view by monika grzymala

Monika Grzymala

Installation view, 2014

installation view by monika grzymala

Monika Grzymala

Installation view, 2014

Friday, April 11, 2014Saturday, May 17, 2014

Rudi-Dutschke-Str. 26
Berlin, Germany

Projektraum der Berliner Galerie Crone in Wien
Monika Grzymala - Meander, Morph, Volumen II


11. April bis 17. Mai 2014
Eröffnung am 10. April 2014, 19:00 bis 21:00 Uhr

Galerie Crone freut sich, die Eröffnung eines temporären Projektraumes in Wien bekanntgeben zu dürfen. Er befindet sich im Franz Josefs Kai 3, wo bis Ende 2013 die BAWAG Foundation untergebracht war. Vom 11. April bis 17. Mai 2014 präsentiert Galerie Crone hier nun die Ausstellung „Meander, Morph, Volumen II“ der Berliner Künstlerin Monika Grzymala.

Monika Grzymala zählt mit ihren Raumzeichnungen und handgeschöpften Papierarbeiten zu den außergewöhnlichsten Positionen zeitgenössischer Zeichnung. Ihre Auseinandersetzung mit dem Thema der gezeichneten Linie folgt einer langen kunstphilosophischen Tradition. Bereits Federico Zuccaro setzte sich 1607 mit dem Verhältnis von Idee und Zeichnung auseinander, um schließlich das Primat der Linie zu verkünden, dem zufolge die Linie als äußere Gestalt der Idee allein dem „göttlichen Schöpfungsakt“ gleichzusetzen sei. Auch für Grzymala ist Zeichnen „von der Hand geführtes Denken“, allerdings verlässt sie mit ihren Arbeiten den Untergrund aus Leinwand und Papier und verhilft der Linie zur Emanzipation vom zweidimensionalen Bildträger: In ihren großen, häufig begehbaren Installationen (‚Raumzeichnungen‘) aus Klebeband, Draht oder Schnüren verwebt Grzymala Linien skulptural an Wänden oder zieht sie strahlenförmig durch den freien Raum, um sie zu dynamisch-organischen Liniengeflechten zu verdichten.

Während Grzymala mit diesen Raumzeichnungen die Dimension des Genres Zeichnung erweitert, setzt sie bei ihren Arbeiten aus handgeschöpftem Washi-Papier eine weitere klassische Definition außer Kraft: Bereits beim Prozess des Papierschöpfens werden hier großformatige Bögen mit einem fragilen Geflecht aus erhabenen Relieflinien versehen und so die Bildträger selbst zur Zeichnung transformiert.

Im Wiener Projektraum der Galerie Crone zeigt Monika Grzymala neue Arbeiten aus ihren Serien „Meander“ und „Morph“. Zur „Meander“-Reihe zählen jene Arbeiten, die von der Künstlerin als „Papierreliefs“ bezeichnet werden. Durch ein von Grzymala eigens entwickeltes Verfahren wird die nasse Papiermasse während des Herstellungsprozesses auf Formen gegossen, so dass sich die Linien aus dem Papier stülpen und eine dreidimensionale Zeichnung entsteht. Bei den „Morphs“ hingegen zeichnet Grzymala während des Schöpfens mit schwarzer nasser Papiermasse direkt in die weiße ebenfalls nasse Papiermasse.

Den dritten Bestandteil der Ausstellung bildet die Rauminstallation „Volumen II“. Dabei nimmt Monika Grzymala auf ihre großformatige, ortsspezifische Installation „Volumen“ (2013) im Lichthof der Morgan Library in New York Bezug und setzt diese in einer neuen, die räumlichen Gegebenheiten interpretierenden Form fort. Sie knüpft damit an ihr Bestreben an, das Zeichnen im Raum und das Zeichnen auf Papier zu kontextualisieren und gleichzeitig aufzulösen.

Bereits bei ihren formal ähnlich angelegten Arbeiten „The River“ (18. Sydney Biennale, 2012) und „The River II“ (FRAC Lorraine Metz, 2013) gelang es Grzymala, die strenge lineare Dynamik ihrer Raumzeichnungen mit der Fragilität und Materialität ihrer handgeschöpften Papierarbeiten zusammenzuführen: Während bei diesen Arbeiten allerdings das Washi-Papier (mehrere tausend in Kollaboration mit Euraba Aboriginal Artists hergestellte Blätter) noch Stück für Stück auf Angelschnur aufgefädelt wurde, zeichnet sich „Volumen“ durch ein noch höheres Maß an Ganzheitlichkeit aus: Mehrere Kilometer Buchbinderschnur wurden bereits beim Herstellungsprozess in circa 5.000 handgeschöpfte Papierblätter eingebettet und auf diese Weise miteinander verbunden. Kombiniert mit reproduzierten Manuskript- und Buchseiten von Komponisten und Schriftstellern wie Galileo, Gershwin, Jane Austen, Edgar Allan Poe und Beethoven entfaltet sich „Volumen“ wolkenartig im Raum und zelebriert den Bildträger Papier als wichtigstes kulturelles Medium schlechthin.

Monika Grzymala (*1970, lebt und arbeitet in Berlin) studierte nach einer Ausbildung zur Steinbildhauerin und Restauratorin Bildende Kunst an den Kunsthochschulen in Karlsruhe, Kassel und Hamburg. Ihre Arbeit wurde in zahlreichen internatioanlen Ausstellungen gezeigt, u.a. im Museum of Modern Art, New York, im Tokyo Art Museum, der Hamburger Kunsthalle sowie auf der 18. Sydney Biennale. Sie ist Teil renommierter Sammlungen, darunter FRAC Lorraine Collection, Metz und Dian Woodner Collection, New York. Nächste Projekte und Ausstellungen werden zu sehen sein im Kunsthistorisches Museum Theseus Tempel, Wien sowie im Reykjavik Art Museum, Island. „Dark Material“, Grzymalas Performance-Kollaboration mit den Choreographen Jeremy Wade und Maria F. Scaroni sowie der Avantgardeband Xiu Xiu wird vom 30. April bis 03. Mai 2014 auf dem Donaufestival in Krems zu sehen sein.

Seit Oktober 2013 unterrichtet Monika Grzymala als Gastprofessorin an der Universität für Angewandte Kunst in Wien.