Jerszy Seymour 'The Universe Wants To Play'

Jerszy Seymour 'The Universe Wants To Play'

the universe wants to play - installation view at galerie crone 2013 by jerszy seymour

Jerszy Seymour

The Universe Wants To Play - Installation View at Galerie Crone 2013

Friday, April 26, 2013Saturday, June 8, 2013


Berlin, Germany

Jerszy Seymour 'The Universe Wants To Play'
27. April bis 8. Juni 2013

Eröffnung am 26. April 2013, 18.00 bis 21.00 Uhr

Vielleicht erinnern Sie sich an den Film „Being John Malkovich“? An die merkwürdige 7 1/2 Etage, die Lotte alias Cameron Diaz mitten in das Gehirn ihres Kollegen John Malkovich katapultierte und ihr etwas ermöglichte, was sich doch jeder irgendwann einmal wünscht: durch die Augen eines anderen zu blicken.

Jerszey Seymours Einzelausstellung „The Universe Wants to Play“, die zum Berliner Gallery Weekend von der Galerie Crone präsentiert wird, kommt der Versuchsanordnung dieses Films ziemlich nahe: Auch Seymour, geboren 1968 in Berlin, aufgewachsen in London, lädt ein, sich in ein Gehirn zu begeben, sich dort auszutoben, zu spielen und zu tanzen, wenn man das möchte, und einmal Gedanke zu werden im Kopf eines anderen.

Die Reise beginnt in einer Art Vorzimmer, dem Erdgeschoss der Galerie. Hier stellt der Künstler den Prolog aus, der die Gäste behutsam auf die Seymour‘sche Etage vorbereitet.

Durch das Auge einer Kamera blicken man in eine S-Bahn, die unentwegt Berlin umkreist. Darsteller in bunten Kapuzenpullovern tauchen auf und ab, ringen mit sich und um einen blutigen Knochen, der den ersten Schlüssel zum Kern der Ausstellung liefert. Seymour nennt diesen Film „Thank God Hip Hop, Pop Art And (Your) Desire Are Back“.
Als Rahmenhandlung dient dem Künstler die Suche nach dem Heiligen Gral, Elemente aus Filmen wie „Monty Python and the Holy Grail“ blitzen auf. „Für C.G. Jung“, sagt Seymour, „ist der Heilige Gral ein archetypisches Symbol. Die Suche nach dem Heiligen Gral ist auch immer eine Suche nach dem Selbst, nach dem verlorenen Zustand der Unschuld.“

Ins Paradies aber versucht der Künstler seine Gäste nicht zu schicken. Der Aufstieg führt in das „Brain Cave Spaceship“ in der oberen Etage, jenes Gehirnlabor, das er mit Objekten aus seinem künstlerischen Kosmos ausstattet. Auf einem glitzernden Sandstrand liegen Felsbrocken, Steine, Knochen und Tierschädel aus einer anderen Zeit, bemalte Ziegel, Äste. Dazwischen hüpfen Frösche und verstecken sich kleine Behälter – Seymours „memory tanks“, die ebenfalls Aufschluss über diese Schau geben. Zwischen den Schichten der Erinnerung wachsen halluzinogene Pflanzen: „Sie aktivieren die Gedanken“, sagt Seymour, „sie lassen sie ausbrechen aus der Ordnung der Dinge und in eine Bewegung kommen, die der der Frösche ähnelt“. Der Frosch, das ist das Tier, das den Übergang beherrscht vom Wasser zum Land, von einem Universum ins andere.

Was dann noch bleibt? Das ist kein Chaos, eher ein dionysischer Ausnahmezustand, die Seymour‘sche Etage, auf der sich der Sinn und die Sinne in einem pop-archaischen Rausch neu zusammensetzten dürfen.

Jerszey Seymour war Ingenieur bevor er auf dem Royal College of Art in London Industriedesign studierte. Lange lebte er in Italien, wo er unter anderem für Andrea Branzi und Alessandro Mendini, aber auch für Designunternehmen wie Magis, Vitra oder Kreo arbeitete. Zentral für seine damalige Tätigkeit war die Frage „Wie wollen wir leben?“, die er nun – nach institutionellen Ausstellungsprojekten im Design Museum London, dem Vitra Design Museum in Basel und Berlin oder dem Pariser Palais de Tokyo – für seine erste Einzelschau in der Galerie Crone weiterentwickelt: „Wie wollen wir eigentlich in unserem Kopf leben?“

Das „Brain Cave Spaceship“ ist darauf keine Antwort. Seymours „Environments“ sind immer experimentelle Angebote. Für die Galerieausstellung zeichnete er geometrische Formen, Kreise, Quadrate oder Dreiecke auf Ziegelsteine, nur um sie im Anschluss wie ein Puzzlespiel in seinem Gehirnlabor wieder zu zerlegen. Aus Gesten wie diesen entwickelt der Künstler utopische Spielplätze, auf denen sein Publikum toben und – wie Seymour sagt – auch gerne Anarchie üben darf.