Adrien Missika: The sun is late

Adrien Missika: The sun is late

Saturday, April 28, 2012Saturday, June 16, 2012


Berlin, Germany

Adrien Missika: The sun is late
28. April bis 16. Juni 2012
Eröffnung am 27. April 2012, 18.00 bis 21.00 Uhr

Galerie Crone freut sich, zum Gallery Weekend 2012 die erste Einzelausstellung von Adrien Missika in Deutschland anzukündigen.

In dieser multimedialen Ausstellung zeigt der Künstler eine Gruppe von neuen hybriden Objekten, die zwischen Rahmen und Schautafel, Skulptur und Projektionsscreen oszillieren, sowie drei projizierte Arbeiten verschiedener kinematografischer Prägung und unterschiedlichen Formats.

Bereits der Titel „The Sun Is Late“ wirft gleichermaßen Fragen nach Zeitbegriffen, Lichtquelle und Wahrnehmung auf. Worauf bezieht sich eigentlich die Verspätung der Sonne, welche Auswirkungen hat sie und wer genau befindet sich in dieser (Er)Wartungshaltung? Hier baut sich ein fiktionales Szenario auf, das zugleich wie eine poetische Sehnsucht anmutet und doch ein vielschichtiges Denkmodell bietet. Täglich zieht die Sonne ihre Kreise und ist somit nicht nur Licht- und Lebensspender oder eine beliebte Vorlage für zahllose romantische Landschaftsdarstellungen, sondern auch die Voraussetzung für Sichtbarkeit und Erkennung. Wir verlassen uns auf ihre stetige Wiederkehr.

Adrien Missika greift das Motiv einer geschlossenen Kreisbewegung und der unvermeidlichen Wiederholung gleich zu Beginn des Ausstellungsrundgangs in seiner Super-8-Filmskulptur „Around The Dome“ auf. Hier treffen dreifach unterschiedliche Formen des Loops aufeinander. Das abstrakt anmutende dokumentarische Filmmaterial folgt einer Bodenmarkierung und vollzieht genau eine Umrundung eines undefinierten kuppelartigen Baus. Der physische Akt dieser Kreisbewegung entspricht dabei genau der Länge einer Standard-Super-8-Filmrolle, die diese Bilder aufnimmt. Bei der Projektion unterstützt ein ausgefeilter Looper, der den Film sichtbar durch ein Zick-Zack-System laufen lässt und zur Endlosschleife macht, diesen geschlossenen Bewegungsablauf. Medium und Motiv sind hier unlösbar aneinander gekoppelt und bilden eine „Ehe“ in ihrer identischen Temporalität und unendlichen Repetition.

Ganz andere zeitliche Ebenen, Asynchronitäten und Wahrnehmungsverschiebungen eröffnet die Projektion „Regarde Les Mouches Voler“. Hier wird mit Hilfe einer aus der Wissenschaft entliehenen High-Speed- Aufnahmetechnik eine Fliege bei der Durchquerung des Bildausschnitts aufgenommen. In übertriebener Slowmotion verfolgen wir – ständig Aktivität erwartend - eine Bewegung, die normalerweise vom menschlichen Auge nicht erfasst werden kann. Jeder einzelne Flügelschlag wirkt hier beinahe schwerfällig und monumental. Wahrgenommene Filmzeit und reale Bewegungszeit stehen sich diametral gegenüber. Stillstand und Bewegung kollidieren und schaffen ganz im Sinne des französischen Sprichworts „Regarde Les Mouches Voler“ (dt. „Den Fliegen beim Fliegen zusehen“) eine zeitlose Zone im Bereich des Nichtstun und der Langeweile.

Projiziert wird diese Aufnahme auf eines der drei eigens für die Ausstellung entwickelten hybriden zweibeziehungsweise vierteiligen Objekte. Diese werden mal als Bildträger und Rahmen, mal als Skulptur oder, wie in diesem Fall, als transparente Projektionsfläche, eingesetzt. Was auf den ersten Blick wie minimalistische Skulpturen anmutet, entgleitet bei näherer Betrachtung einer eindeutigen Definition und bildet eigenständige kleine Ausstellungen innerhalb der Ausstellung. So werden beispielsweise vier verglaste Paneele zum Display von Fotografien, Fotogrammen und semitransparenten Flächen.

Thematisch drehen sich die hier arrangierten fotografischen Abbildungen um das Observatorium im indischen Delhi aus dem 18. Jahrhundert. Vor langer Zeit diente diese Architektur der Beobachtung solarer Gebilde. Man wartete auf interessante Konstellationen. Sämtliche wissenschaftlichen Aktivitäten wurden hier jedoch eingestellt, das Observatorium scheint im Nebel unterzugehen und wirkt wie ein zeitloses verlassenes Monument seiner selbst. Lediglich Missikas Gegenüberstellung mit abstrakten Fotogrammen, die an Sonnenfinsternis erinnern, lässt die ursprüngliche Funktion dieses Gebäudes erahnen. Der Künstler kombiniert dabei unterschiedliche Display-Methoden und reflektiert somit die Frage nach Bildträger und Bild. Mal füllen großformatige Fotografien die Fläche der Paneele, mal werden Abbildungen übereinander geschichtet. Spiegelungen und Transparenzen der Glasoberflächen lassen die Ausstellungsarchitektur und andere gezeigte Objekte in die Arbeit eindringen. Hier mutieren und vermischen sich diverse Methoden der Bildproduktion und der Wahrnehmung.

Transformation spielt auch in Adrien Missikas imposantem Film „Dome“ eine Rolle. Oscar Niemeyers unvollendeter, enigmatischer Kuppelbau in Tripolis (Libanon) wird zunächst äußerlich und innerlich eingehend erkundet und anschließend von einem Unbekannten zu einer riesigen Soundskulptur verwandelt.

Im letzten Jahr gewann Missika den Prix Fondation d’entreprise Ricard. Mit der Verleihung des seit 1996 vergebenen Preises ist der Ankauf eines Werks für das Centre Georges Pompidou in Paris verbunden. Das Werk wird dort in die ständige Ausstellung integriert.

Adrien Missika wurde 1981 in Paris geboren. Er hat Kunst an der École cantonale d‘art de Lausanne studiert und lange in Genf gewohnt. Mittlerweile lebt und arbeitet der Künstler in Berlin. Einzelpräsentationen hatte Missika zuletzt im Centre d’Art Contemporain in Genf und im Pariser Palais de Tokyo. Das Nouveau Musée National de Monaco unterstützte Missikas Expedition durch die Wüste Karakum in Turkmenistan zum mysteriösen brennenden Krater in Derweze.

Seit Anfang des Jahres ist Adrien Missika Künstler der Galerie Crone und damit neben Monika Grzymala und Peter Miller einer der jungen, aufstrebenden Neuzugänge.

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Adrien Missika: The sun is late
28 April to 16 June 2012
Opening on 27 April 2012, 6 p.m. to 9 p.m.

Galerie Crone is pleased to announce Adrien Missika’s first solo exhibition in Germany to coincide with the Gallery Weekend 2012.

In this multimedia exhibition, the artist presents a group of new hybrid objects that oscillate between frame and wall chart, sculpture and projection screen, along with three projected works of various cinematic influences and formats.

The title “The Sun is Late” itself raises questions about concepts of time, sources of light and perception in equal measure. What does the sun’s delay actually refer to? What repercussions does it have and who exactly is waiting in mindful anticipation? This establishes a fictional scenario that creates the impression of poetic longing and yet offers an eclectic conceptual model. Every day the sun moves in circles, thus serving not only as a source of light and life or as a popular model for countless romantic landscapes, but also as the prerequisite for visibility and recognition. We count on the fact that it will always return.

Adrien Missika captures this motif of a closed-loop motion and inevitable repetition right at the start of the exhibition tour in his Super 8 film sculpture. The loop’s three different patterns converge here. The seemingly abstract documentary film material follows a floor marking and completes exactly one circumnavigation of an undefined dome-like structure. The physical act of this circular motion corresponds to the exact length of a standard Super 8 film reel used to record these images. During the projection, a sophisticated looper supports this closed motion sequence and allows the film to run visibly and in an endless loop through a system of zig zags. Medium and motif are inextricably linked here and form a “marriage” in their identical temporality and infinite repetition.

The projection “Regarde Les Mouches Voler” opens up completely different temporal levels, asynchronism and shifts in perception. In this work, a fly is recorded crossing the field of view with the help of a highspeed imaging technique borrowed from the scientific world. In exaggerated slow motion and constant anticipation, we trace a movement that normally can’t be perceived by the human eye. Each individual wing beat seems almost cumbersome and monumental. The perceived film time is diametrically opposed to the actual flight time. In the spirit of the French expression “Regarde Les Mouches Voler” (en. “to stare into space”; literally “to watch flies”), stasis and motion collide and create a timeless zone in the realm of idleness and boredom.

This recording is projected on one of three hybrid two or four-part objects developed specifically for the exhibition. In some cases, these are used as image supports and frames, sculptures or, as in this case, a transparent projection surface. What appears at first glance to be a series of minimalist sculptures actually eludes a clear definition on closer inspection, forming small stand-alone exhibitions within the exhibition. For example, four glazed panels become a display for photographs, photograms and semi-transparent surfaces.

Thematically, the photographic images arranged here revolve around the observatory in Delhi built in the18th century. Long ago, this architecture was used for observing solar formations. People waited for interesting constellations. However, all scientific activities came to a halt here and the observatory seems to have vanished into the mist, resembling a timeless, abandoned monument to itself. Only Missika’s juxtaposition of abstract photograms reminiscent of an eclipse provides a notion of the original function of this building. In the process, the artist combines various display methods, thus reflecting the question of image carrier and image. In some cases, large-format photographs fill the surface of the panels; in other cases, images are layered over one another. Reflections and the transparency of the glass surfaces allow the architecture of the exhibition and other objects on display in the work to pierce through. Various methods for producing and perceiving images mutate and intermingle.

Transformation also plays a role in Adrien Missika’s impressive film “Dome”. Oscar Niemeyer’s unfinished, enigmatic domed structure in Tripoli (Lebanon) is first explored extensively inside and out and then transformed into a giant sound sculpture by an unknown person.

Last year, Missika received the Prix Fondation d’entreprise Ricard, which has been awarded since 1996. The award also includes the purchase of a work for the Centre Georges Pompidou in Paris. This work will be integrated into its permanent exhibition.

Adrien Missika was born in 1981 in Paris. He studied art at the École cantonale d‘art de Lausanne and spent many years living in Geneva. The artist now lives and works in Berlin. Missika’s most recent solo exhibitions were at the Centre d’Art Contemporain in Geneva and at the Palais de Tokyo in Paris. The Nouveau Musée National de Monaco provided support for Missika’s expedition through the Karakum Desert in Turkmenistan to the mysterious burning crater in Derweze.

Adrien Missika has been a Galerie Crone artist since the start of the year and is one of the young, aspiring newcomers along with Monika Grzymala and Peter Miller.