Galerie Clara Maria Sels

Sebastian Riemer

Sebastian Riemer

Friday, September 7, 2012Saturday, October 27, 2012


Düsseldorf, Germany

Sebastian Riemer
7.9. – 27.10.2012

Die Galerie Clara Maria Sels zeigt in ihrer zweiten Einzelausstellung mit Sebastian Riemer einen Werkzyklus fotografischer Arbeiten der jüngst in Istanbul entstanden ist.
Der Umgang mit der Vielschichtigkeit der uns umgebenden sichtbaren Wirklichkeit ist charakteristisch für das Werk Sebastian Riemers. Durch konzentrierte Ausschnitte und präzise Auswahl der Motive entstehen neue Wahrnehmungsmodi, die über das Fotografierte weit hinausweisen.
Riemer fasziniert die Stofflichkeit des Materials und ihre spezifische Oberfläche. Sie sind für ihn der bildnerische Ausgangspunkt seiner Werke. Die Ästhetik von Strukturen, ihre Schönheit aber auch die Veränderung durch die Zeit sind in seinen Bildern verortet. Oft wird das fotografierte Sujet bis zu seiner Unkenntlichkeit vergrößert. Gegenständlichkeit und Abstraktion verbinden sich hier miteinander und es entsteht ein imaginärer Raum. Der Künstler liebt den Balanceakt zwischen dem fotografierten Gegenstand und seiner bloßen Andeutung und vielleicht auch seiner Bedeutung mit der er uns in eine neue, seine Bildwelt führt.
Sein jüngst in Istanbul entstandenes wandfüllendes Bild, benannt nach einem Stadtteil in Istanbul, “Tophane“ (2012, Direktdruck auf Aluminiumverbundplatte, 150 x 530 cm, Ed. 3) zeigt eine aus 20 Tafeln bestehende Mauerverkleidung mit den Resten von eigentümlichen Aufklebern und Kritzeleien, die an einen antiken Fries denken lassen. Im selben Raum ist auch das Werk “Bucht (Berggren)“ (2012, Giclée-Print auf Aluminiumverbundplatte, 75 x 150 cm, Ed. 3), auf der eine Stadtansicht Istanbuls aus osmanischen Zeiten zu sehen ist vertreten. Die Vedute und der Ausschnitt einer Wand könnten auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein. Doch durch ihre ungewöhnliche bildliche Fragmentierung entfaltet sich ein verbindender Reiz und verschafft so beispielhaft dem Betrachter Zutritt zu Riemers motivischer Differenziertheit. Der flüchtige Blick und das tatsächlich Gesehene werden vom Künstler geschickt gegeneinander ausgespielt.
Es gelingt dem Künstler meisterlich aus vorgefundener Materie ein vielschichtiges, immaterielles Werk zu schaffen. Doch bleiben seine Bilder auch stets technischen fotografischen Prinzipien, wie etwa Wiedergabegenauigkeit und Bildschärfe, verpflichtet. Der Bildreferent wird so nicht durch spielerisch eingesetzte Mittel wirklich verändert sondern bewahrt, stets für den Betrachter ersichtlich, seine Herkunft aus der banalen Alltäglichkeit. Somit nimmt Sebastian Riemer in der aktuellen Debatte um zeitgenössische abstrakte Fotografie eine herausgehobene Stellung ein.
Sebastian Riemer (geb. 1982) hat bei Thomas Ruff (Meisterschüler) und Christopher Williams an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert (2003-2010) und war zuletzt Stipendiat der Kunststiftung NRW (2012) und des House of Photography in Moskau (2011).

Künstlergespräch:
Dr. Gregor Jansen
Direktor der Kunsthalle Düsseldorf
im Gespräch mit Sebastian Riemer
am Dienstag, dem 30. Oktober 2012, 19.00 Uhr