Galerie Boisserée, J. & W. Boisserée GmbH

Roy Lichtenstein (Studio)

Roy Lichtenstein (Studio)

brush stroke (pinselstrich) by roy lichtenstein

Roy Lichtenstein

Brush Stroke (Pinselstrich), 1965–1971

Wednesday, April 18, 2012Saturday, May 26, 2012


Cologne, Germany

18.04.–26.05.2012 im Studio der Galerie

ROY LICHTENSTEIN – selected prints

"Ich wähle üblicherweise ... jene Motive, ... die lediglich klassische Archetypen ihrer Art zu sein scheinen. Dies interessiert mich am meisten, ... wobei ich versuche, dem Motiv etwas abzugewinnen, das außerhalb der Zeit liegt, das unpersönlich und "mechanisch" erscheint ..." (Roy Lichtenstein, 1966)
(Zitiert nach Bernard Kerber, Roy Lichtenstein - Ertrinkendes Mädchen, Stuttgart 1970, S. 26-27)

Roy Fox Lichtenstein, am 27. Oktober 1923 in Manhattan geboren und dort am 29. September 1997 verstorben, ist neben Andy Warhol wohl der bekannteste Vertreter der amerikanischen Pop Art. Seine Rasterpunkte und Pinselstrich-Arbeiten (brushstrokes) sind weltberühmt, ebenso seine der Kunst-, Comic- und Konsumwelt entlehnten Motive. Seine Arbeiten wurden zu Ikonen der Kunst des 20. Jahrhunderts.

Die Galerie Boisserée zeigt in einer kleinen Studioausstellung einige Beispiele aus seinem druckgraphischen Œuvre von 1963 bis 1993.

1961 malt Lichtenstein seine ersten Pop-Bilder, für die er Cartoonfiguren aus Comic-Heften und Kaugummipapieren mit kleinen aber aufschlussreichen Änderungen direkt auf Leinwand überträgt. Er experimentiert viel und imitiert die industriellen Drucktechniken. Die Phänomene der industriellen Massenfertigung, die Werbemittel der Massenmedien werden Inspirationsquellen. Sie faszinieren ihn, bringen aber zugleich seinen kritischen Umgang mit ihnen zum Ausdruck. Statt Farbflächen setzt er gleichgroße Farbpunkte nebeneinander. Diese "Benday-Dots" – nach dem amerikanischen Künstler und Erfinder Benjamin Day benannt, der diese für die industrielle Illustration entwickelte – werden zu Roy Lichtensteins Markenzeichen sowohl in der Malerei als auch in der Graphik. Zitat Lichtenstein: "Die Punkte sind ganz wichtig. Am Anfang waren sie handgemacht, wurden aber dann immer besser. Zuerst ging die Arbeit mit Hundebürsten aus gleichmäßig verteilten Borsten vonstatten. Manchmal wurden auch Pinsel zusammengebunden. Eine selbst hergestellte Metallschablone war der nächste Schritt. Es folgten Schablonen aus gelochtem Metall, die ich beim Hersteller fertig kaufte. ...Kurz gesagt, je größer und klarer der Punkt ist, umso später ist das Gemälde entstanden. ..."
Alles Dargestellte ist stark stilisiert und auf die Umrisslinien beschränkt. Die Details sind auf das Minimum reduziert. Eine plastisch modellierende Innenzeichnung fehlt fast völlig. Hierdurch, aber auch durch die monochromen Farbflächen und den neutral gehaltenen Hintergrund, wirken die Motive sehr flächig. Allerweltshandlungen und Gebrauchsgegenstände werden monumentalisiert. Die Personen entbehren jeder Individualität. Und fast immer ist es das Typische, über zahllose Reproduktionen Bekannte und Klischeehafte, das Lichtenstein als Grundlage seiner Bilder wählt, bezogen auf die Kunst wie in seinen Comicbildern oder Verarbeitungen von Alltagsgegenständen.
Mit diesen neuen Ideen und seinem neuen Stil gelingt ihm der Durchbruch. Bereits 1962 nimmt er an der ersten großen Pop Art Ausstellung in der Sidney Janis Gallery in New York teil. Zwei Jahre später wird sein Werk erstmals in Paris in Europa gezeigt. Die enge Verbindung zwischen Kunst und Kommerz stößt bei Kunstkritikern auf Ablehnung, nicht jedoch beim Publikum und den Käufern.
Obwohl sich die Pop Art während ihrer Entwicklung in den 50er und 60er Jahren durch provozierende Themenstellungen und unkonventionelle Fertigungstechniken radikal von den etablierten Kunstrichtungen absetzte, stand auch sie in einer Tradition und knüpfte in Motiv und Machart bei älteren Vorformen an. Sein ganzes Leben lang sollten die modernen Meister für Lichtenstein eine Ressource darstellen, mit deren Hilfe er die Fragen anging, die die Malerei ihm im Laufe der Jahre stellte. Seine Bilder über Kunst meinen in der Regel nicht in erster Linie das dem Motiv zugrunde liegende Werk oder den Stil, sondern nehmen diese zum Anlass eigener konzeptioneller und formaler Überlegungen. Es geht weniger um einzelne Künstler und Werke als vielmehr um typisierte Vorstellungen von bestimmten Stilen wie Kubismus, Fauvismus, Expressionismus oder Surrealismus.
Daneben experimentiert Lichtenstein mit traditionellen Gattungen wie Stillleben, Interieur oder Porträt, verarbeitet etablierte Gestaltungsformen.
Lichtenstein hat seinen ausdrucksstarken Stil und die mechanische Art der Bildwiedergabe seiner ersten Pop-Gemälde beibehalten und die Technik auf Skulpturen und später auf Wandgemälde und Keramiken übertragen.
Die Beschäftigung mit den Printmedien nimmt eine herausragende Stellung in Lichtensteins Schaffen ein. Die graphischen Techniken boten ihm wie den anderen Künstlern der Pop Art eine hervorragende Ausdrucksform und waren wesentliche Grundlage, um seriell zu arbeiten. Er widmete sich dem Siebdruck, dem Holzdruck, der Lithographie, dem Linolschnitt und bediente sich der Collagen-Technik. Ein eindrucksvolles Beispiel für Lichtensteins Nutzung industrieller Ideen ist seine Farbgebung. Wie der kommerzielle Drucker versuchte er, so wenige Farben wie möglich einzusetzen. Während der Drucker dies aus ökonomischen Gründen entschied, wird es bei Lichtenstein zu einem künstlerischen Mittel. Große Flächen werden entweder vollständig gefüllt oder durch die charakteristischen Rasterpunke dargestellt.
Roy Lichtenstein war Teilnehmer der 4. documenta 1968 und auch auf der documenta 6 im Jahr 1977 vertreten. Mit dem Kyoto-Preis wurde ihm 1995 eine der höchsten Auszeichnungen für Verdienste um Wissenschaft und Kultur verliehen.

Alle Exponate der Ausstellung können im Internet unter www.boisseree.com angesehen werden.