Galerie Boisserée, J. & W. Boisserée GmbH

Jürgen Brodwolf: Der Figurist

Jürgen Brodwolf: Der Figurist

stilleben mit messer by jürgen brodwolf

Jürgen Brodwolf

Stilleben mit Messer, 1971–1973

Wednesday, May 7, 2014Saturday, June 14, 2014

Drususgaße 7-11
Cologne, 50667 Germany

JÜRGEN BRODWOLF
Der Figurist


Frühe und aktuelle Arbeiten

07.05.–14.06.2014

Zum wiederholten Mal zeigt die Galerie Boisserée ei ne umfangreiche Einzelausstellung des 1932 in Dübendorf bei Zürich geborenen Künstlers Jürgen Brodwolf zum Thema „Figuren“. Der ehemalige documenta-Teilnehmer (1977) und Professor für Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart (1982-1994) zählt mit seinen inzwischen 82 Lebensjahren zu den Klassikern der deutschen Kunstszene, seine Arbeiten befinden sich in über 40 öffentlichen Sammlungen (z.B. im Wilhelm -Lehmbruck-Museum, Duisburg oder im Kunsthaus Zürich) und wurden in über 200 Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland gezeigt (z.B. im Sprengel-Museum, Hannover oder der Kunsthalle Mannheim).

Im Zentrum von Jürgen Brodwolfs Werk steht die Beschäftigung mit der menschlichen Figur. Ausgehend von seinen ersten Tubenfiguren im Jahr 19 59 aus ausgedrückten, leeren Farb-tuben entstand für Brodwolf ein Ur-und Vorbild einer „inneren Figur“, die sich thematisch durch sein gesamtes künstlerisches Werk zieht. Die wahre Identität des Künstlers äußert sich über die Figur als Medium – sei es als Collage, Objekt, Malerei, Plastik oder Installation. Die Ausstellung versucht an Hand verschiedener Objekte aus unterschiedlichen Werkgruppen den Evolutionsprozess ständig neuer Figurentypen nachzuzeichnen. Brodwolfs Figuren leiden, sie sind verletzt, manchmal sogar tot – doch sie tanzen, lieben und träumen auch und verkörpern essenziell menschliche Erfahrungen. Brodwolfs Figuren sind nicht schön – so wie der erlebende, erleidende oder gar geschundene Mensch nie schön ist. Seine Figuren haben jedoch die Schönheit der Wahrheit, des Wissens, der Summe des Daseins in sich geborgen. Das Werk dieses außergewöhn lichen Künstlers überzeugt durch seine Konsequenz und Geschlossenheit – seine Figuren sind aus einer inneren Notwendigkeit entstanden.

Die Ausstellung zeigt verschiedenste Beispiele sein es künstlerischen Schaffens. Neben frühen Objektkästen aus den 1970er Jahren, kleinformatigen Papierarbeiten (darunter der Zyklus „Das letzte Bildnis der Meret Oppenheim“), sind auch aktuelle Arbeiten prominent vertre-ten , wie die „Embryo-Figur“ von 2011 (Titel der Einladung) oder die großformatigen Arbeiten „Große Figur“ von 1982/91 oder „Schlafende mit Idol figur“ von 1990-2010. Der aus 22 Papierarbeiten bestehende Zyklus „Cato lebt weiter“ wird komplett im Studio der Galerie gezeigt und widmet sich dem Leben und dem Tod einer Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus – der jungen Frau Cato Bontjes van Beek.

Die Ausstellung öffnet dem Besucher einen Raum, öffnet die Tür in eine künstlerische Welt, die in ihrer Sensibilität, ihrer Sprödheit, Unverwechselbarkeit und Eigenwilligkeit einen nach- haltigen Eindruck hinterlässt – der Welt des „Figuristen“ Jürgen Brodwolf.