Galerie Barbara Weiss

No Games Inside the Labyrinth

No Games Inside the Labyrinth

logo to self-consciousness by fredrico catala

Fredrico Catala

Logo to Self-Consciousness, 2014

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father and son by matt keegan

Matt Keegan

Father and Son, 2014

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baby by matt keegan

Matt Keegan

Baby, 2014

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self-capital

Self-capital, 2009

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hommage to michael asher, installation for a photograph

Hommage to Michael Asher, Installation for a photograph, 2014

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untitled

Untitled, 2014

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untitled

Untitled, 2014

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bom - dac

BOM - DAC, 2014

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Untitled, 2014

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Untitled, 2014

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(@ @)

(@ @), 2014

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Tuesday, September 2, 2014Friday, October 31, 2014

Kohlfurter Straße 41-43
Berlin, 10999 Germany

No Games Inside the Labyrinth bringt Werke von fünf KünstlerInnen zusammen, die bisher kaum in Berlin gezeigt wurden. Antoine Catala, Melanie Gilligan, Karin Schneider mit Abraham Adams, Josh Tonsfeldt und Matt Keegan leben und arbeiten alle in New York. In der von John Miller organisierten Ausstellung wird die Galerie als ein topologischer Schauplatz behandelt, in dem sich die Möglichkeit eines Spiels entfalten kann; anstatt von den Künstlern bestimmte Arbeiten anzufragen, lud Miller diese dazu ein, auf die Vorschläge der anderen Teilnehmer zu reagieren.

Antoine Catalas kinetische Skulptur eines über den Boden krabbelnden Emoticons führt buchstäblich eine topologische Erkundung durch, angetrieben von einer dreidimensionalen Version des Wackelaugen-Symbols. Dieses rotiert auf einer elektrisch angetriebenen Achse, stößt sich vom Boden ab und treibt die ganze Konstruktion vorwärts. Welchen Weg die Skulptur dabei einschlagen wird, ist nicht vorhersehbar, ähnelt aber dem eines automatischen Staubsaugers – mit der Besonderheit, dass eine Zimmerecke für das Emoticon ein unüberwindliches Hindernis darstellen könnte. Aber das Werk verspricht, eine andere Funktion zu erfüllen; Catala beschreibt seine Emoticons als „Sprache, die der Sprache beraubt wurde, ein Sprachskelett, dazu da, eine Emotion zu transportieren.“ Bringt ein Piktogramm Bedeutung besser zum Ausdruck? Was passiert, wenn Symbole über einen eigenen Raum verfügen, scheinbar mit eigenen Absichten? Catalas zweites Werk ist ein aufblasbares Logo aus einer Serie von Logos für „jeden Moment des Lebens“, wie „ein Eis kaufen“ oder „eine Dusche nehmen“.

In Melanie Gilligans dreiteiliger Videoarbeit Self-Capital tauchen ökonomische Faktoren als körperliche Symptome im Leben einer Frau mittleren Alters auf. Im Laufe der Erzählung wird klar, dass – in einer David Lynch-artigen Multiplikation der Person – eine Schauspielerin alle Rollen innehat: Analytikerin und Patientin, Kundin und Verkäuferin, etc. Gilligan weist darauf hin, dass die politische Ökonomie innerhalb und außerhalb des Körpers operiert. „Als Patientin in einer Therapie repräsentiert die Protagonistin sowohl das kapitalistische System als ganzes als auch eine Person, die von einer ökonomischen Krise betroffen ist. Das Werk folgt der Global Economy bzw. dem kapitalistischen sozialen Körper durch eine Reihe von ‚unorthodoxen körperbezogenen Techniken’ und zeigt, wie sich die Krise durch Verlust des Arbeitsplatzes und staatliche Sparmaßnahmen auf einer materiellen und körperlichen Ebene auswirkt, aber auch, wie heutige psychologische und politische Subjekte auf beunruhigende Weise auf ihre körperliche Materialität reduziert und entsprechend behandelt werden.“

Matt Keegans Father & Son setzt das Thema der Verdopplung fort, aber in ödipaler Konstellation. Die verwendeten Bilder entstammen einem Leitfaden für Kostümierung, in dem der Sohn den Vater nachzuahmen scheint. Beide tragen ausgewaschene Jeans und korallenfarbige T-Shirts. Der falsche Schnurbart des Sohnes eifert dem des Vaters nach – genau wie seine temporäre Tätowierung. Ein Text, der auf Deutsch und Englisch auftaucht, komplettiert die beiden: „Vater und Sohn. Wer ist alt und wer ist jung? Zwei stramme Kerle. Mutters Wahl wird nun eine schwierige sein.“ Wahrhaft schwierig! Die Fotografie in Keegans zweiter Arbeit, Baby, stammt aus einer Sammlung von Bildern, die seine Mutter für den Unterricht von Englisch als Zweitsprache verwendete. Keegan interessiert sich für den in diesen Karten eingebetteten ideologischen Überschuss; gleichermaßen didaktisch wie Stockfotografien, fehlt ihnen deren professionelle „Stromlinienförmigkeit“.

Josh Tonsfeldt wird eine ortsspezifische Arbeit entwickeln, die einerseits auf die Galerie als geografischen Ort mit einer spezifischen Geschichte und andererseits auf die Installationen der anderen KünstlerInnen eingeht. Seine Arbeit wird vor Ort zusammengetragene Materialien beinhalten, die er in seine anderen Fotografien und Skulpturen einfließen lässt. Die Bilder und Materialien werden eine Kette von Assoziationen auslösen, die ihrerseits dabei helfen werden, zwischen einem improvisierten Prozess und Möglichkeiten des Displays zu entscheiden. Tonsfeldts Fotografien lassen die Differenz zwischen dem physischen Fotomaterial und der sich darauf befindenden Abbildung erfahrbar werden. Seine Interventionen sind typischerweise subtil poetisch und weisen doch auf die ideologische Funktion der Galerie als institutioneller Rahmen hin.

Karin Schneider und Abraham Adams Beitrag ist als Hommage an Michael Asher, den kürzlich verstorbenen Konzeptkünstler aus Los Angeles, konzipiert. Unter den verschiedenen Teilen des Werks, das Schneiders Dialog mit Asher reflektiert, finden sich ein Druck von Andy Warhol, Malmaterialien Barnett Newmans, eine Dokumentation des Abbaus eines Pavillons von Dan Graham in der Galerie von Marion Goodman in New York, sowie Teile eines Werks von John Knight. Schneider und Abrahams merken an, dass Graham und Knight Ashers Kollegen waren und dass deren Praxis, genau wie seine, den Fokus vom „Werk“ zu der es umgebenden sozialen Architektur und Rahmungen verschob, d.h. zu Distributionssystemen hin. So gesehen ist das Format der Hommage phantasmatisch. Dementsprechend, so schreiben die Künstler, „wird die Affirmation der Negation eine der ‚Materialien’, und diese Spektralanalyse wird aus verstreuten Elementen angeordnet, gezeigt im Interieur der Galerie. Dabei werden historische Beziehungen und die vielfältigen Weisen, in denen diese operieren und unsere Denkprozesse kontrollieren, verortet... Bestimmte Werke, Derivate und Dokumentationen dieser künstlerischen Produktionen werden gezeigt werden und verknüpfen die in ihnen verkörperten Netzwerke sozialer Geometrie mit geometrischer Praxis.“ Die Konversation Homage to Michael Asher schafft auch einen Rahmen für eine von John Miller aufgenommene Fotografie. Diese Fotografie ist nur per Email zugänglich. Das gesamte Werk kann mit genauen Angaben zur Installation verkauft werden, mit Ausnahme des Warhols, dieser ist nicht verkäuflich. Nach der Präsentation kann der Warhol durch ein beliebiges Werk von Warhol ersetzt werden, jedoch unter der Bedingung, dass dieses immer mit dem Gesicht auf dem Boden liegend ausgestellt wird.

– John Miller


No Games Inside the Labyrinth features five artists based in New York, who for the most part have not previously been shown in Berlin. They include Antoine Catala, Melanie Gilligan, Matt Keegan, Josh Tonsfeldt, and Karin Schneider with Abraham Adams. Organized by John Miller, the show treats the gallery as a topological site in which the possibility of play might unfold; rather than requesting specific works, Miller asked the artists he invited to respond to each other and the works they present.

Antoine Catala’s kinetic sculpture, which represents an emoticon, literally enacts a topological exploration by awkwardly crawling over the floor. It is propelled by 3-D renditions of the characters that comprise an emoticon that represents googly eyes. These rotate on a steel stem driven by a small electric motor. As they rub against the floor, they push the entire contraption forward. The exact path of the sculpture is unpredictable. In this respect, it resembles a robotic vacuum cleaner – except that, for the emoticon, corners could pose an insurmountable challenge. In contrast, the prospect of concretization spins off in different directions. Catala describes them as “language devoid of language, like a skeleton of language created to communicate an emotion.” Does a pictogram make meaning more concrete? What happens when the symbols command real space, with seemingly their own agency? Catala’s second work is an inflatable logo, one that belongs to a set of logos for, as he put it, “every moment in one’s life,” i.e., getting an ice cream, taking a shower, and so on.

In Melanie Gilligan’s three-part video, Self Capital, economic factors appear as somatic symptoms in a middle-aged woman. As the narrative unfolds it becomes clear that, in a David-Lynch-like multiplication of personae, the same actor plays all the parts: both analyst and analysand, both customer and clerk, etc. Gilligan suggests that political economy operates both inside and outside the body, “As a patient in therapy, [the protagonist] represents both the capitalist system as a whole and a person affected by contemporary economic crisis all at once. The work follows Global Economy, a.k.a. the capitalist social body, as she progresses through a series of ‘unorthodox body-oriented techniques,’ suggesting that effects of the crisis such as job losses and governmental austerity measures are felt on a material and corporeal level, but also that worryingly contemporary psychological and political subjects are also increasingly reduced to and treated in terms of their bodily materiality today.”

Matt Keegan’s Father & Son extends the theme of doubling initiated by Gilligan, but in an oedipalized context. The images come from a costume make-up guide where, in this instance, the son appears to mimic his father. Both wear faded jeans and coral-colored t-shirts. The son’s fake moustache emulates his dad’s real version – as does his temporary tattoo. A text, appearing in German and English, complements these: “Father and son. Who is old and who is young? Two real sturdy guys. Mother’s choice will now be a difficult one.” Difficult indeed! The photograph in Keegan’s second work, Baby, is drawn from a collection of images used by his mother to teach English as a second language. One of the things he found curious about his mother’s flash cards is the ideological surplus embedded in such pictures. As such, they approach the didactic status of stock photographs minus their professional “streamlining.”

Josh Tonsfeldt will produce his work partly in situ, in response both to the gallery as a geographical site with a particular history and to the installation of other artists’ work. His approach will include gathering materials locally that he will incorporate or intermingle with his other photographs and sculpture. The images and materials will initiate a chain of associations, which in turn will help decide an improvisational process vis-à-vis a means of display. Tonsfeldt’s photographs split the difference between their physical composition and what they represent. His interventions are typically subtly poetic, yet point to the ideological function of the gallery as an institutional frame.

Karin Schneider & Abraham Adams’ work is envisioned in homage to Michael Asher, the recently deceased conceptual artist from Los Angeles. Reflecting Schneider’s dialog with Asher, elements of the work will include an Andy Warhol print, Barnett Newman's painting materials, a documentation of the dismantling of a Dan Graham pavilion at the Marion Goodman Gallery in New York, plus elements derived from John Knight's work. Schneider & Adams note that Graham and Knight were Asher’s peers and that their practice, like his, shifted the focus from “the work” to social architecture and frameworks, i.e., to distribution systems. In relation to this, the form of the homage is phantasmatic. Accordingly, as the artists write, “Affirming negation as one the ‘materialities,’ this spectral exercise will be arranged as fragmented elements displayed in the gallery’s interior, situating historical relationships and multiple signs of how they operate/control our thinking process... Specific works, derivatives, and documentation of these artistic productions will be on display, entangling their imbricated networks of social geometry and geometric praxis.” The conversation Homage to Michael Asher creates an environment for a photograph taken by John Miller. This photograph is available by mail only. The work can be sold with detailed instructions for its installation with the exception of the Warhol, which is not for sale. After this presentation the Warhol can be substituted by any Warhol under the condition that it always be displayed lying face-down on the floor.

– John Miller