Galerie Barbara Weiss

John Miller 'The Totality of All Things as They Actually Exist'
Mary Heilmann 'Home Sweet Home'

John Miller 'The Totality of All Things as They Actually Exist'
Mary Heilmann 'Home Sweet Home'

sunset dream by mary heilmann

Mary Heilmann

Sunset Dream, 2010

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red kachina by mary heilmann

Mary Heilmann

Red Kachina, 1980

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everything is said #13 by john miller

John Miller

Everything Is Said #13, 2010

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everything is said #3 by john miller

John Miller

Everything Is Said #3, 2010

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Saturday, May 1, 2010Saturday, June 5, 2010


Berlin, Germany

John Miller 'The Totality of All Things as They Actually Exist' (ground floor)

Mary Heilmann 'Home Sweet Home' (first floor)

May 1 – June 5, 2010
Opening April 30, 6-9 pm
Gallery Weekend May 1 - May 3

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Mary Heilmann
Home Sweet Home

01. Mai – 05. Juni 2010
Eröffnung Freitag, 30. April, 16 – 21 Uhr
Öffnungszeiten Di – Sa, 11 – 18 Uhr

Gallery Weekend 1. und 2. Mai, 10 – 19 Uhr

Die Galerie Barbara Weiss freut sich, ihre erste Einzelausstellung mit der international bekannten amerikanischen Künstlerin Mary Heilmann (* 1940) ankündigen zu können. Die Ausstellung mit dem Titel Home Sweet Home präsentiert über 20 Exponate aus den letzten 40 Jahren und umfasst Gemälde, Skulpturen, Fotografien und Druckgrafiken der Künstlerin.

Mary Heilmann, die sich seit vielen Jahren in einem dichten Netzwerk von Kunst- und KulturproduzentInnen bewegt, gilt in den USA heute als wichtigste nicht-gegenständliche Malerin ihrer Generation. Als Artist’s Artist kennzeichnet sie eine signifikante künstlerische Position, die für das jüngste Wiederaufleben malerischer Tendenzen von großer Bedeutung ist.

Angelehnt an das Formenvokabular der geometrischen Moderne und Farbfeldmalerei, verbindet sie in ihren Werken nicht nur ungegenständliche Elemente mit Codes von Popkultur und Kunsthandwerk. Sie kombiniert auch Abstraktes mit Konkretem. Persönlich Wahrgenommenes und Erlebtes – Nuancen von Farben, Klängen, menschlichen Begegnungen und Orten – fließen in ihre dichten, farbig satten Bildkompositionen ein. So zeugen viele Werke gerade in ihrer Farbigkeit oder Betitelung von Heilmanns Kindheit und Jugend an den kalifornischen Stränden und in den Beatnik-Clubs der Bay Area. Auf formaler Ebene verweisen leichte Verzerrungen der zugrunde liegenden geometrischen Formen, Farbspritzer im Bild und ein klar erkennbarer Pinselstrich auf eine künstlerische Haltung, die sich mittels des Einsatzes subjektiv aufgeladener Gesten vom strengen Kanon der geometrischen Abstraktion verabschiedet hat.

Wie die Ausstellung Home Sweet Home zeigt, beschränkt sich das Œuvre von Mary Heilmann nicht allein auf Malerei und Grafik, sondern es umfasst auch Möbelobjekte und Keramikskulpturen. Die in den Ausstellungsraum gestellten, leuchtend farbigen Holzstühle (Clubchair, 2009), ein pink-orange bemalter Holztisch (Pink Table, 2010), sowie diverse farbig glasierte Keramikskulpturen, unter anderem in Form eines Sitzmöbels (Red Chair, 1982) oder mit motivischer Nähe zu einem Kaffeeservice und poppiger Innenraumdekoration (u.a. The Black Hand, 1983), verwandeln das neutrale Ambiente der Galerie in einen mit Energie und Leben erfüllten Ort. Alle Elemente, selbst die Gemälde (u.a. Chair, 1987), Grafiken (u.a. Franz West II, 1997) und das Fotodyptichon Magic Chair - Floating Table, 1967-72 verschmelzen zu einem Interieur, das Aspekte von Kunst, Leben und Arbeit zu einem sensiblen Netz verwebt.

Home Sweet Home. This sentimental song title is appropriate for this show, because it is something I heard when I was little. I remember back then I would be around looking at the things in the room and mentally moving them around and using chairs, tables, plates cups and saucers... pictures on the wall to help me daydream. [...] When I am in my studio now (and my studio is my home) I can daydream in the same way... (Mary Heilmann, zitiert nach ihrem Text zur Ausstellung)

Die Künstlerin wird während der Ausstellungseröffnung anwesend sein.

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John Miller
The Totality of All Things as They Actually Exist
01. Mai – 05. Juni 2010
Eröffnung Freitag, 30. April, 16 – 21 Uhr
Öffnungszeiten Di – Sa, 11 – 18 Uhr

Gallery Weekend 1. und 2. Mai, 10 – 19 Uhr

Die Gesamtheit aller Dinge wie sie wirklich existieren (The Reality of All Things As They Actually Exist) – es ist eine äußerst ausladende Definition von Realität, mit der der amerikanische Künstler John Miller (*1954) seine inzwischen bereits 6. Einzelausstellung in der Galerie Barbara Weiss betitelt.

Betrachtet man die neuen Gemälde John Millers, sieht man sich mit Bildern von Menschen in ganz unterschiedlichen räumlichen Szenarien konfrontiert, deren Gesichter einen spontanen Gefühlsausbruch zeigen. Schrecken und Trauer zeichnen ihre Mimik; vermutlich, so könnte man meinen, haben sie gerade eine schlechte Nachricht erhalten. Erfährt man jedoch, dass die Motive der von Standbildern aus dem Internet auf Leinwände übertragenen Bilder auf Szenen aus Reality-TV-Shows zurückgehen, entsteht unweigerlich die Frage nach der Authentizität der dargestellten Emotionen. Denn das, was uns heute im Fernsehen als „Reality“ verkauft wird, ist zunehmend ein von Filmproduzenten inszeniertes Konstrukt, das auf der Annahme basiert, Realität ähnele der Struktur nach einem Spiel und wäre damit – genauso wie die Handlungen der DarstellerInnen – anhand der Regeln der sog. Spieltheorie* zu berechnen und steuern. Erinnert man sich an die Game-Show-Paintings von John Miller, die er 1999 in der Galerie zeigte, erscheint die neue Werkserie wie eine logische Folge seiner anhaltenden Beobachtung von Realität und Realitätsverlust.

Einen stark gegenläufigen, an Gesten von Konzeptkunst erinnernden, Akzent setzt John Miller mit den in die Ausstellung gestellten Aktenschränken auf Holzsockeln, in denen sich Mappen mit unbenutztem Druckerpapier befinden, sowie mit unbeschriftet gerahmten Schreibpapieren. Eine Atmosphäre des bürokratischen Speicherns von Daten, von Systematisierung und Überwachung wird aufgerufen. Doch die Tatsache, dass alle Blätter ohne sichtbaren und damit nachvollziehbar werdenden Inhalt bleiben, versinnbildlicht, dass das, was ohne zeichenhaften Ausdruck, was (psychologisch) unterdrückt bleibt, nicht von Außen kontrollierbar ist. Und in diesem Faktum könnte man durchaus eine Herausforderung an den möchtegern-Empirismus des heutigen Reality-TVs sehen, wie es John Miller formuliert.

Ergänzend laufen drei Musikclips der virtuellen Band Robot (John Miller und Takuji Kogo). Die repetitiven Songtexte – I’m.../I like.../I think... – zum elektronisch generierten Instrumentalsound übernehmen Miller und Kogo aus Bekanntschaftsanzeigen, womit auch hier ein Genre ins Spiel kommt, in dem das dargestellte Image nur selten mit der Realität übereinstimmt, sondern vielmehr seine eigene Realität erzeugt. Das Bildmaterial der Clips geht auf die Zusammenarbeit mit KünstlerInnen wie Aura Rosenberg und Nic Cuagnini zurück.

* Die Spieltheorie ist ein Teilgebiet der Mathematik und befasst sich damit, Systeme mit mehreren Akteuren zu modellieren. Dabei versucht sie auch, das rationale Entscheidungsverhalten in sozialen Konfliktsituationen abzuleiten.

Der Künstler wird während der Ausstellungseröffnung anwesend sein.

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Mary Heilmann
Home Sweet Home

Galerie Barbara Weiss is pleased to announce the first solo exhibition by the internationally renowned American artist Mary Heilmann (born 1940). The show is entitled Home Sweet Home and presents over twenty works spanning the past forty years, including paintings, sculptures, photographs and prints.

For many years Mary Heilmann has been active in a large network of art and culture producers, and in the USA she is seen as the most significant non-figurative painter of her generation. Heilmann is generally regarded as an “artist’s artist,” representing an important artistic position that is highly influential in recent revivals of painterly art.

Her work refers to the formal idioms of geometrical modernism and color field painting, combining non-figurative and also figurative elements with the codes of pop culture and arts and crafts. She also links the abstract and the concrete. Things she has herself perceived and experienced - nuances of colors, sounds, human encounters, and places - flow into her dense and colorfully lush compositions. In many of her works Heilmann uses colors and titles that refer to her own childhood and youth on Californian beaches and the beatnik clubs of the Bay Area. On the formal level, slight distortions of the underlying geometrical shapes, sprays and drips of paint on the picture, and a clearly recognizable use of the brushstroke all stand for an artistic approach which utilizes subjective gestures and thus abandons the strict canon of geometrical abstraction.

As Home Sweet Home shows, Mary Heilmann’s work is not limited to painting and prints, but also includes pieces of furniture and sculptures in ceramics.

Heilmann transforms the normally neutral space of the gallery into a place that is vibrant with energy and life, using brightly colored wooden chairs (Clubchair, 2009), a wooden table painted in pink and orange (Pink Table, 2010), and various ceramic sculptures glazed in different colors, including one in the shape of a chair (Red Chair, 1982), and others that are reminiscent of a coffee set and interior decorations (e.g. The Black Hand, 1983). All of these objects, including the paintings (e.g. Chair, 1987), prints (e.g. Franz West II, 1997), and the photo diptych Magic Chair - Floating Table (1967-72), combine to form an interior that interweaves aspects of art, life, and work into a sensitive network.

Home Sweet Home. This sentimental song title is appropriate for this show, because it is something I heard when I was little. I remember back then I would be around looking at the things in the room and mentally moving them around and using chairs, tables, plates cups and saucers ... pictures on the wall help me daydream. [...] When I am in my studio now (and my studio is my home) I can daydream in the same way ... (Mary Heilmann, from her text on this exhibition).

Mary Heilmann will be attending the exhibition opening.

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John Miller
The Totality of All Things as They Actually Exist

The Reality of All Things As They Actually Exist – this is a broad definition of reality which the American artist John Miller (born 1954) has chosen for his sixth solo exhibition at Galerie Barbara Weiss.

In Miller’s new paintings, you see individuals depicted in various settings, all of whose faces show spontaneous emotion. They are in shock and sadness, reacting perhaps to bad news. Miller, however, took these images from reality - TV Shows, still images published on the Internet. This leads straight to the question of the authenticity of these emotions. What TV today sells us in the name of reality, is increasingly staged as a television producer’s commodity, based on the assumption that the structure of reality is like a game that can be calculated and controlled using the rules of game theory,* just as the actions of the protagonists of reality shows can be made to perform on demand for the cameras. Recalling the game show paintings Miller exhibited at Galerie Weiss in 1999, this new series of works offers an extended observation on reality and the loss of reality.

Miller’s other works shown here contrast with the paintings. He has placed filing cabinets on wooden bases, inside of which are files with unused printing paper and framed sheets of writing paper without text. This conjures up an atmosphere of the bureaucratic storage of data, of systemization and control. But because all the sheets of paper are without visible and traceable content, they stand for the fact that whatever has no clear symbolic meaning, but remains (psychologically) repressed, cannot be controlled from the outside. This potential could well be seen as a challenge to the would-be empiricism of contemporary reality TV as John Miller sees it.

The exhibition also includes three music clips by the virtual band Robot (John Miller and Takuji Kogo). These clips use electronically generated instrumental sound and repetitive song texts – I’m.../I like.../I think... – that Miller and Kogo have taken from personal ads. This too is a genre where the image presented rarely coincides with reality, as it creates its own reality instead. The pictorial material in these clips was created together with other artists such as Aura Rosenberg and Nic Cuagnini.

* Game theory is a field in mathematics that posits models for systems with more than one agent. It attempts to predict rational decision-making processes in situations of social conflict.

John Miller will be attending the exhibition opening.