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Franka Hörnschemeyer    Apr 26 - Jun 29, 2013

Im Innern der Figur
Franka Hörnschemeyer
Im Innern der Figur, 2013
 
Installation view
Franka Hörnschemeyer
Installation view, 2013
 
 
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Franka Hörnschemeyer
26. April bis 29. Juni 2013

Eröffnung am Freitag, den 26. April, 18-21 Uhr im Rahmen des Gallery Weekend Berlin.

Im Rahmen des diesjährigen Gallery Weekend Berlin (26.–28. April) zeigt die Galerie Thomas Schulte, neben einer Ausstellung der amerikanischen Bildhauerin Alice Aycock, eine Installation von Franka Hörnschemeyer, welche von der Künstlerin speziell für den Eckraum der Galerie entwickelt wurde. Zur Vernissage wird die Künstlerin anwesend sein.

In ihrer Arbeit setzt sich die in Berlin lebende Künstlerin Franka Hörnschemeyer auf vielschichtige Weise mit der Neubestimmung räumlicher Gegebenheiten auseinander: „Für mich ist Raum eine Konstruktion aus materiellen, sozialen, historischen und psychologischen Verhältnissen, die mit dem Menschen in einem ständigen Austausch steht. Diese Verhältnisse untersuche ich und ordne sie neu.“ Hörnschemeyers Raumkonstruktionen entstehen stets ortsspezifisch und fordern den Betrachter auf, sie durch Bewegung zu erforschen.

Für die Galerie Thomas Schulte schuf die Künstlerin erstmals eine Konstruktion, die nicht durch den Besucher, sondern aus sich selbst heraus durch einen Motor in Bewegung gesetzt wird. Die mobilen, horizontal schwingenden Elemente der Konstruktion verkörpern das Prinzip einer Marionette und fragen nach der Beziehung zwischen Anmut und Bewegung. Sie teilen den hohen Eckraum der Galerie in zwei Ebenen und verändern damit seine Wahrnehmung. Die horizontalen Elemente bilden eine Art Zwischendecke, sie schaffen Raum. Gleichzeitig ist die Konstruktion eine sich bewegende Figur, die, ähnlich wie der Besucher, in eine Beziehung zum Raum tritt.

Der Titel der Installation Im Innern der Figur bezieht sich auf Heinrich von Kleists Essay Über das Marionettentheater. Der Autor schildert hier ein Zwiegespräch des Ich-Erzählers mit einem Tänzer, der die natürliche Grazie der Marionette bewundert: „Jede Bewegung, sagte er, hätte einen Schwerpunkt; es wäre genug, diesen, in dem Innern der Figur, zu regieren; die Glieder, welche nichts als Pendel wären, folgten, ohne irgend ein Zutun, auf eine mechanische Weise von selbst."1 Die natürliche Anmut, welche die Marionette habe, sei dem Tänzer durch das reflektierende Bewusstsein nicht möglich. Die vollkommene Anmut der Marionette wäre daher auch nur zu erreichen, würde „ihr Tanz gänzlich ins Reich mechanischer Kräfte hinübergespielt“ und nicht von Menschenhand hervorgerufen – ein Prinzip, das auch in Hörnschemeyers Installationen Ausdruck findet. Im Eckraum der Galerie, der sich mit seinen hohen Fenstern zur Leipziger Straße hin öffnet, wird die Installation wie auf einer Bühne präsentiert.

Im Window Space der Galerie werden darüber hinaus einige digital erstellte Piezo Drucke der Künstlerin gezeigt, bei denen es sich teilweise um Grundrisse bereits realisierter Arbeiten handelt wie das Raum-Labyrinth LaSound 908, das Hörnschemeyer 2008 für die Berliner Ausstellung Megastructure Reloaded schuf, oder die Arbeit Konditional, die 2006 als ein begehbarer Parcours mit beweglichen Elementen auf der Grundlage der Stadtstruktur der polnischen Stadt Zamość entstand. Erst die Aufsicht, welche durch die Grundrisse ermöglicht wird, verdeutlicht die Durchlässigkeit der räumlichen Systeme, die innerhalb der Konstruktionen als labyrinthartig wahrgenommen werden. Der Titel der teilweise ausgestellten Serie Diffusion und Konfusion bezieht sich hingegen nicht auf ein realisiertes Projekt, sondern auf Begriffe aus der Kryptologie. Es handelt sich dabei um die zwei Grundprinzipien der Chiffrierung, die für Hörnschemeyers Arbeit grundlegend sind, wobei Konfusion die Verschleierung des Zusammenhangs zwischen Klartext und Geheimtext bezeichnet und Diffusion ein Prinzip zur Auflösung von statistischen Strukturen.

Franka Hörnschemeyer wurde 1958 in Osnabrück geboren. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Zu ihren jüngsten Einzelausstellungen zählen: Franks International, Display, Wilhelm Hack-Museum, Ludwigshafen (2011), In the Presence of Noise, Galerie Nordenhake (2010), Peenemünde, Jewish Museum, Athen (2008), Franks International, Henry Moore Institute, Leeds (2007), TSE 11022, Hamburger Bahnhof Museum für Gegenwart, Berlin (2002). Zu ihren bedeutendsten Arbeiten im öffentlichen Raum gehören: Trichter, Dresden (2011), Koordinaten, Kunstwegen Station, Neugnadenfeld (2011), BFD – bündig fluchtend dicht, Deutscher Bundestag, Berlin (2001), und PSE 900, Kunsthalle Hamburg (2000). Sie nahm an zahlreichen Gruppenausstellungen teil u.a. Wir sind alle Astronauten, Universum Buckminster Fuller im Spiegel zeitgenössischer Kunst, Museum Marta, Herford (2011), squatting. erinnern, vergessen, besetzen, Temporäre Kunsthalle Berlin (2010), MAN SON 1969. Vom Schrecken der Situation, Hamburger Kunsthalle (2009), Megastructure Reloaded, Ehemalige Staatliche Münze, Berlin (2008), sowie Ideal City – Invisible Cities, Brandenburgischer Kunstverein Potsdam und Zamość Polen (2006).

1Heinrich von Kleist, Über das Marionettentheater, Berlin 1810.

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Franka Hörnschemeyer
April 26 to June 29, 2013

Opening Friday, April 26, 6–9 pm, in line with Gallery Weekend Berlin.

As part of this year’s Gallery Weekend Berlin (April 26– 28), Galerie Thomas Schulte will present a site-specific installation by Franka Hörnschemeyer in the gallery’s Corner Space. Hörnschemeyer’s installation will stand next to a larger solo exhibition with the American sculptor Alice Aycock. The artist will be present at the opening.

Franka Hörnschemeyer, who lives and works in Berlin, focuses her work on a multifaceted approach to redefining spatial conditions. As she explains, “To me a space represents a construction made up of social, historical, and psychological relationships that are constantly in an interplay with people. I examine these relationships and reorganize them.” As a rule, Hörnschemeyer’s special constructions are developed site-specifically, challenging the viewer to explore them through movement.

Unlike her previous constructions, Hörnschemeyer’s installation at Galerie Thomas Schulte is not set into movement by the viewer, but through a motor from within the construction itself. The construction’s mobile, horizontally swinging elements embody the principle of a marionette, questioning the relationship between gracefulness and movement. The elements divide the Corner Space into two levels, altering its outward perception. The horizontal elements create space by composing a type of suspended ceiling. At the same time, the construction is a moving figure, behaving within the room, much like a viewer would.

The installation’s title Im Innern der Figur references Heinrich von Kleist’s essay Über das Marionettentheater, in which the author describes a dialogue between the narrator and a dancer who admires the natural grace of the marionette. Here, Kleist writes, “Every movement, he said, has a focal point. It would suffice to control this from within the figure – the limbs, which would be mere pendulums, would follow, without needed assistance, in their own mechanical way.”1

Due to conscious reflection, the dancer cannot match the natural gracefulness of the marionette. This means that the marionette’s absolute gracefulness would only be realizable if “it’s dance were to slip completely into a mechanical realm,” rather than being controlled by the human hand. This principle is of the central aspects being expressed in Hörnschemeyer’s installation. Furthermore, it finds a stage to perform on in the gallery’s Corner Space, whose big arched windows open onto Leipzigerstrasse.

Additionally, Hörnschemeyer’s digitally mastered Piezo prints, will be on display in the gallery’s Window Space. Some of these prints represent outlines of already existing works, including LaSound 908 – from the 2008 Berlin exhibition Megastructure Reloaded – as well as Konditional, the interactive moving foundation of the Polish city Zamość. These prints, in form of layouts, allow us to understand the transparency of special systems, which run through the construction like labyrinths. On the other hand, the title of the series here exhibited Diffusion und Konfusion does not merely reference the finished project, but cryptological concepts. In this sense, it focuses on two basic principles of encryption that are fundamental to Hörnschemeyer’s work. Whereby Konfusion describes the blurring of the relationship between plain-language and secrete code and Diffusion suggests the principle of dissolving statistical structures.

Franka Hörnschemeyer was born in Osnabrück in 1958, and lives and works in Berlin. Her latest solo exhibitions include Franks International, Display, at the Wilhelm Hack-Museum, Ludwigshafen (2011), The Presence of Noise at the Galerie Nordenhake, Berlin (2010), Peenemünde at the Jewish Museum, Athens (2008), Franks International at the Henry Moore Institute, Leeds (2007), and the TSE 11022 at the Hamburger Bahnhof, Berlin (2002). Her most acclaimed works in public include Trichter, Dresden (2011), Koordinaten at Kunstwegen Station, Neugnadenfeld (2011), BFD – bündig fluchtend dicht, at the Deutscher Bundestag, Berlin (2001), and PSE 900 at the Kunsthalle Hamburg (2000). She was part of many group exhibitions counting Wir sind alle Astronauten, Universum Buckminster Fuller im Spiegel zeitgenössischer Kunst at the Museum Marta, Herford (2011), squatting. erinnern, vergessen, besetzen at the Temporäre Kunsthalle Berlin (2010), MAN SON 1969. Vom Schrecken der Situation at the Hamburger Kunsthalle (2009), Megastructure Reloaded at the Ehemalige Staatliche Münze, Berlin (2008), as well as Ideal City – Invisible Cities, at the Brandenburgischer Kunstverein Potsdam and Zamość, Poland (2006).

1Heinrich von Kleist, Über das Marionettentheater, Berlin 1810.

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