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Thomas Weinberger, Spot°light: schön    Oct 26 - Dec 8, 2012

-09° 18' 53,77
Thomas Weinberger
-09° 18' 53,77", +48° 53' 27,39", 2012
 
Installation view
Thomas Weinberger
Installation view "schön.", Nusser & Baumgart, Munich, 2012
 
 
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Thomas Weinberger
Ausstellung: 27. Oktober - 8. Dezember 2012

Eröffnung: Freitag, 26. Oktober 2012, 18-21 Uhr

Während des Kunstwochenendes am 27. und 28. Oktober ist die Galerie auch Sa. und So. von 11-18 Uhr geöffnet;
Künstlergespräch am Sa., 27. Oktober, um 14 Uhr

Nusser & Baumgart freut sich sehr, zum Kunstwochenende eine neue Werkgruppe des in München lebenden Künstlers Thomas Weinberger (*1964) zu präsentieren. Im Spot°light, einem speziellen Ausstellungsformat von Nusser & Baumgart, werden aktuelle Entwicklungen eines Künstlers, bestimmte Werke oder Werkkomplexe in den Fokus gestellt.

„Die Bechers haben eigentlich auch nichts Anderes gemacht, als Sonnenuntergänge zu fotografieren.“ Dieser Kommentar Thomas Weinbergers zu seinen neuen Arbeiten provoziert. Tatsächlich sucht Weinberger nach Ikonen: Visuelle Phänomene, die durch den fotografischen Blick Prozesse der ästhetischen Wahrnehmung aufdecken. Die Referenz zu den Bechers wird dem Besucher vorerst durch das Mittel der Akkumulation und die charakteristische Hängung der Arbeiten sichtbar gemacht. Doch überrascht nach Weinbergers Zitat, dass das Motiv seiner Arbeiten nicht im industriellen Kontext zu verorten ist. Vielmehr besteht die Ausstellung aus 99 Sonnenuntergängen.
Mit seiner im ersten Moment als antithetisch anmutenden Präsentation macht der Fotograf auf ein Phänomen in der menschlichen Wahrnehmung aufmerksam: Trotz der unzähligen Versuche von Philosophen, Soziologen oder Kunstwissenschaftlern die Bedingungen dafür, dass etwas als „schön“ eingestuft wird, zu benennen, gibt es keine allgemeingültige Definition von Schönheit. Dennoch gibt es bestimmte Erscheinungen, die von der Gesellschaft fast einstimmig als „schön“ betrachtet werden. Bei der Suche nach den Kriterien, die diesen Kanon zu bestimmen scheinen, erwiesen sich für Weinberger die Sonnenuntergänge als paradigmatisch. Anhand der Masse an gezeigten Sonnenuntergängen und deren speziell ausgewählter Motivik, soll der Besucher dazu angeregt werden, die Sensation „Schönheit“ an sich infrage zu stellen. Wieso genau wird der Sonnenuntergang unweigerlich ästhetisch wahrgenommen? Für Weinberger ist vor allem ein Charakteristikum der untergehenden Sonne wichtig: Je näher die Sonne dem Horizont kommt, desto mehr verliert sie ihre eigentliche Funktion Licht zu spenden. Erst von dieser sie definierenden Funktion losgelöst, wird die Sonne in ihrer unmittelbaren Erscheinung gesehen und ästhetisch wahrgenommen. Durch die installative Häufung wird das Motiv von seinem Ursprung entfremdet und die formalen Aspekte der Komposition sichtbar.
Damit, dass Thomas Weinberger anonymes Bildmaterial zeigt, versucht er die Aufmerksamkeit auf eine grundsätzliche Fragestellung in der Fotografie zu lenken: Inwieweit bestimmt das Motiv die Qualität oder Kategorisierung einer Fotografie? Ein Bildthema, das von der Mehrheit der Menschen als schön wahrgenommen wird, gilt als Kitsch oder romantisch. Diese Eigenschaften sind in der Fotografieszene negativ aufgeladen. Fotografie solle ein sozialkritisches, dokumentarisches oder politisches Element aufweisen, heisst es immer wieder. Die Romantik beschwört das genaue Gegenteil der in der Fotografie so hochbewerteten Realität. Diese Gewichtung ist laut Weinbergers These eng an die Geschichte der Aufklärung gekoppelt: Das Träumerische, Egozentrische der Romantik gilt als schädlich für eine auf Rationalität und Effizienz getrimmte Gesellschaft. Sloterdijk stellt in seinem Buch „Stress und Freiheit“ fest: „Seit erwiesen ist, dass Realität vergessen werden kann, braucht sie Anwälte, die für ihre Wiederkehr plädieren. Tatsächlich ist die Ideen- und Mentalitätsgeschichte Europas seit zweihundertfünfzig Jahren im wesentlichen ein Kampf gegen die Folgen von Rousseaus Entdeckung. Sie ist das endlose Gefecht des Realismus gegen das, was man seither zumeist verächtlich oder warnend Romantik nennt.“
Thomas Weinberger nimmt diese Kritik gegen eine kollektive Verurteilung des Romantischen auf, und stellt sie in den Kontext der Fotografie. Ihr gegenüber besteht noch immer die Erwartungshaltung, ein objektives Abbild der Realität und damit einen Erkenntnisgewinn generieren zu müssen. Die Auseinandersetzung mit Fragen einer reinen Ästhetik steht diesem Anspruch entgegen. Die gezeigten Arbeiten Weinbergers ignorieren diese Maximen und fragen bewusst nach der Position des Fotografen innerhalb einer Theorie der Ästhetik.

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