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The Uncanny, Spot°light: Tim Wolff    Feb 2 - Mar 17, 2012

The Uncanny
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The Uncanny

Benjamin Bergmann, Oliver Boberg, Gregory Crewdson, Jeronimo Elespe, Benedikt Hipp, Alfredo Jaar, Tamara K.E., David Lynch, Brian McKee, Herbert Nauderer, Hans Op de Beeck, Jörg Sasse, Eve Sussmann I Rufus Corporation, Alexander Tinei, Thomas Weinberger, Ebbe Stub Wittrup et al.

Eröffnung: Donnerstag, 2. Februar 2012, 19 bis 21 Uhr
Ausstellung: 3. Februar - 17. März 2012
Öffnungszeiten: Di - Fr 12-18 Uhr, Sa 12-16 Uhr u.n. Vereinbarung

Nusser & Baumgart zeigt in der kommenden Ausstellung The Uncanny internationale Positionen, die sich mit dem Phänomen des Unheimlichen und Abgründigen beschäftigen. The Uncanny verunsichert und fasziniert uns gleichermaßen – nicht zuletzt, weil wir es alle auch in uns tragen.
Für Sigmund Freud ist das unheimlich, was vertraut und zugleich unvertraut ist. Ihm zufolge empfinden wir eine Situation in der Regel dann als unheimlich, wenn sich etwas scheinbar Unvertrautes als verdrängtes Vertrautes herausstellt. Nicht nur in der Psychologie, auch in der Literatur, der Philosophie und der Kunst wird das Unheimliche mit der Epoche der Moderne und der Modernisierung der Städte verbunden. In diesem Zusammenhang beschreiben etwa Charles Baudelaire und Walter Benjamin den in der modernen Stadt umherschweifenden Flaneur, also das moderne, selbstbestimmte, rationale Individuum als ein Wesen, das einen solchen Moment der Entfremdung als existenzielle Angst erfährt. Dies hat sich bis heute im Grunde nicht geändert: Globalisierung, Mobilisierung und Virtualisierung lassen das Individuum weiterhin treiben und sich vor Begegnungen mit dem Unbekannten-Bekannten fürchten.
Vielleicht gilt dies derzeit sogar mehr als zu anderen Zeiten. Gibt es hierfür einen Grund?
Der Furcht wähnt er [der Mensch] ledig zu sein, wenn es nichts Unbekanntes mehr gibt. Das bestimmt die Bahn der Entmythologisierung, der Aufklärung, die das Lebendige mit dem Unlebendigen ineinssetzt wie der Mythos das Unlebendige mit dem Lebendigen. Aufklärung ist die radikal gewordene mythische Angst. Die reine Immanenz des Positivismus, ihr letztes Produkt ist nichts anderes als ein gleichsam universales Tabu. Es darf überhaupt nichts mehr draußen sein, weil die bloße Vorstellung des Draußen die eigentliche Quelle der Angst ist.“
(Adorno/ Horkheimer: „Mythos der Aufklärung“)

Die Einteilung in Kategorien ist nur ein Ausdruck der Angst vor dem Unbekannten. So sind Begriffe wie Postkapitalismus, Posthistoire, Postmoderne und Posthumanismus allesamt Versuche, die Wirklichkeit, in der wir uns bewegen, zu benennen und ihre diffuse Wahrnehmung möglichst konkret zu beschreiben. Dieses Unterfangen scheint heutzutage immer schwieriger und lässt damit das, was „Draußen“ ist, zunehmend in den Fokus rücken. Wahrgenommen wird gegenwärtig eine umfassende Erosion grundlegender Werte und Bezugssysteme. Zwar lassen sich Anhaltspunkte in der Vergangenheit finden, allerdings weisen sie das, was heute und hier passiert, als ein „Danach“ aus. Gleichzeitig richtet sich der rastlose Blick in eine ungewisse Zukunft. Eine bewusst erlebte Gegenwart und sichere Präsenz scheinen sich als vertraute Konstanten zunehmend zu verflüchtigen. Sie werden unheimlich, denn uns wird ihre bisher verdrängte Konstruiertheit und Uneinlösbarkeit mit einmal deutlich.
Angst und Verunsicherung zählen zu den Grundkonstanten des Mensch-Seins. Doch befremden und irritieren sie umso mehr, je stärker wir uns in einer durch und durch rationalisierten Welt zu bewegen scheinen. Pendant der Verunsicherung angesichts des Unerklärlichen und Unheimlichen ist dessen Faszination. Künstler aller Epochen hat die Faszination für das Unheimliche und Abgründige beschäftigt, was gerade die Werke von Tizian, Goya, Giacometti, aber auch von Barnett Newman oder Bruce Nauman zeigen. In ihrer Auseinandersetzung mit dem fascinating uncanny machen sich diese Künstler zudem eine durchaus unheimliche Besonderheit von Kunst zu Nutze:
"Weshalb, wenn nicht darum, weil mit der Kunst ein nicht aufhebbarer ‚Rest’ einhergeht? (...) Zwischen der figurativen Ordnung des Bildes und der diskursiven Ordnung der Sprache gibt es einen Spielraum, der durch nichts aufzufüllen ist. (...) Bei der Kunst hat man es nicht mit einem ‚Schattenreich’ zu tun, das auf einfache Weise der realen Welt der Lebenden gegenüberstünde. Die Kunst bringt die Gegenüberstellung dieser beiden Welten aus dem Gleichgewicht", schreibt Sarah Kofmann. Beunruhigt die Kunst den Geist folglich per se, so intensiviert sich dieser Zustand, wenn sie – wie die in der Ausstellung uncanny präsentierten Werke - das Unheimliche als Sujet wählt.
Nusser & Baumgart zeigt zeitgenössische Positionen, die das Unheimliche auf je eigene Weise Bild werden lassen. Zu sehen sind: Malereien von Jeronimo Elespe, Benedikt Hipp, Tamara K.E., Alexander Tinei, Fotografien von Oliver Boberg, Gregory Crewdson, Alfredo Jaar, Brian McKee, David Lynch, Hans Op de Beeck, Jörg Sasse, Thomas Weinberger, Skulpturen von Benjamin Bergmann, Herbert Nauderer sowie Filme von Eve Sussmann I Rufus Corporation, Herbert Nauderer, Ebbe Stub Wittrup et al.
Inspiriert wurde die Ausstellung durch den Artikel “Dinge, die wir nicht verstehen” von Alexander Pühringer.

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Spot°light: Tim Wolff

Eröffnung: Donnerstag, 2. Februar 2012, 19 bis 21 Uhr
Ausstellung: 3. Februar - 17. März 2012
Öffnungszeiten: Di - Fr 12-18 Uhr, Sa 12-16 Uhr u.n. Vereinbarung

Tim Wolff (*1976, lebt in München) arbeitet vorwiegend in zwei Medien: Zeichnung und Video. Allen Arbeiten gemein ist sein ausgeprägtes Interesse an Dynamik, wie sie sich etwa in der modernen Stadt ausdrückt. Letztere ist nicht nur Ort der urbanen Bewegung und Interaktion, sondern verfügt auf Grund permanenter Veränderungen auch über ein großes schöpferisches Potential, das sich Wolff für seine inhaltliche und formale Auseinandersetzung gerne zu eigen macht.
In der Videoarbeit „Affenzahn“ reflektiert der Künstler den rasanten Wandel urbaner Landschaften. Dafür collagiert er die Videoaufnahmen von 30 einstürzenden Gebäudekomplexen so geschickt in einer über Eck platzierten Projektion, dass der Eindruck eines einheitlichen Bildes entsteht. Rasch wird jedoch klar, dass es sich dabei um eine fiktive Stadtlandschaft handelt, deren Wachstum und Zerfall utopischen Gesetzen folgt, denn es handelt sich bei den gefilmten Bauwerken bis auf wenige Ausnahmen um identische Gebäude, die wiederholt einstürzen oder emporwachsen.
Während die Simultanität der Bildabläufe ein verstörendes Gefühl von Gleichzeitigkeit evoziert, ruft die rhythmische Repetition ein einprägsames Bild hervor, das nicht nur die Erfahrung körperlichen Dabeiseins vermittelt, sondern auch – verstärkt durch die Darstellung der Situation in Zeitraffer – den ewigen Kreislauf des Werdens und Vergehens festhält.
Um einstürzende Gebäude und den damit verbundenen Topos der Ruine geht es auch in einer Reihe von Videostills. In diesen Fotografien verzichtet der Künstler allerdings auf den Prozess des Wiederaufbaus. Stattdessen dokumentiert er den Zerfall bis zu dem Zeitpunkt, an dem sich die Natur ihren Platz zurückerobert hat. Weitere Videocollagen zeigen kurze Filmsequenzen aus Wien. Hier veranschaulicht der Künstler seine Auseinandersetzung mit dem Thema Dynamik unter anderem im Rhythmus der geschnittenen Bild- und Tonabfolgen, wobei der wiederkehrende 3/4 Takt und die gezeigten Bilder auf geradezu synästhetische Weise an die Stadt des Walzers erinnern.

In den ausgestellten Zeichnungen gelingt es Tim Wolff mit wenigen Linien geometrische Formen, die an Gebäude erinnern, herzustellen. Auch hier geht es ihm um dynamische Prozesse, die nicht nur in der Linienführung des Künstlers zum Ausdruck kommen, sondern auch grundlegend für das Medium Zeichnung sind. Wolffs Zeichnungen entstehen stets spontan, ohne Vorzeichnung und mit XXL-Markern. Sie beziehen sich indirekt auf die präsentierte Monitorarbeit, in der eine Videoarbeit mit zusammenstürzenden Blockformationen zu sehen ist. Nur durch die auf den Monitor gemalten Umrisslinien bleiben die Architekturen stehen, die Bewegung wird eingefroren. Zeichnung und Video gehen hier ineinander über und ergänzen sich. Mit diesem transmedialen Vorgehen löst der Künstler sein Interesse am Prozessualen ebenfalls auf methodischer Ebene ein.
Im Hinblick auf die kunsthistorische Verortung spiegelt Tim Wolff in seinen Arbeiten das Anliegen des Futurismus wider, einer Kunstbewegung, die den „universellen Dynamismus" predigte und die Dynamik simultan verlaufender Vorgänge, etwa jene der modernisierten Stadt, im Bild darstellte.
Tim Wolff wurde 1976 in Elisabethstadt, Rumänien geboren und studierte Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München (2007 Diplom, Meisterschüler bei Olaf Metzel). 2004 absolvierte er ein Auslandsemester an der FAAP, Sao Paulo, Brasilien. Seine Werke wurden in zahlreichen nationalen wie internationalen Ausstellungen gezeigt: "New German Art" - Deutsche Botschaft London, UK (2010), "Diving For Pearls" - Lothringer13, München (2010), "Drawing Lines" - Kunstraum, München (2009), "+10" - HALLE 14, Columbus Art Foundation, Leipzig (2009), "Neues Wetter" - HALLE 14, Universal Cube, Leipzig (2008), "Transreport Teil 1" - Rathausgalerie, München (2008), "Public Art Bucharest" - Bukarest, Rumänien (2007), "Love it or leave it" - Biennale Cetinje, Montenegro (2004), "Office Prints" - FAAP, Sao Paulo, Brasilien (2004)

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