Albert Weis 'parade'
Eröffnung: 25. Januar 2011, 19 bis 21 Uhr
Ausstellung: 26. Januar - 5. März 2011
Öffnungszeiten: Di - Fr 12-18 Uhr, Sa 12-16 Uhr und nach Vereinbarung
Die Galerie Nusser & Baumgart freut sich, in der umfassenden Einzelausstellung „parade“ neue Arbeiten des Bildhauers Albert Weis (geb. 1969 in Passau) zu präsentieren. Der Bogen, so hat es der in Berlin lebende Künstler im Vorfeld dieser Ausstellung selbst formuliert, »spannt sich dabei von Dürer über Giacometti zur Gropiusstadt und zur Philharmonie von Scharoun«. Nach schwerem Gepäck aus 500 Jahren Kunst- und Architekturgeschichte sieht die Ausstellung allerdings dennoch nicht aus. Eher leichtfüßig scheinen die abstrakten Strukturen aus Aluminium und Neon, die gefalteten und mit Rasterfolie beschichteten Papier- und Fotoarbeiten sowie eine Videoinstallation ihre »Parade« absolvieren zu wollen.
Gemeinsam ist allen Arbeiten eine eher kühle, unbestimmt moderne Ästhetik, die etwas rätselhaft und mehrdeutig bleibt, offensichtlich aber ähnlichen Prinzipien folgt: Das Motiv von Faltung, von mehrfacher Überlagerung und daraus resultierender Komplexität kehrt immer wieder und lässt ahnen, dass es hier um räumlich-architektonische Bezüge und Strukturen geht. Einen konkreten Hinweis auf die architektonische Thematik liefern dabei neben Fotoarbeiten über Hans Scharouns zwischen 1960 und 1963 erbauter legendärer Berliner Philharmonie das Video „parade“ und die daraus entwickelten gleichnamigen, mit Rasterfolie bearbeiteten Fotoarbeiten, die Aufnahmen aus der Gropiusstadt in Berlin zeigen. Diese in den 1960er und 1970er Jahren als Erweiterung der Hufeisensiedlung von Bruno Taut gebaute Trabantenstadt, die schnell zu einem sozialen Brennpunkt wurde, veranschaulicht exemplarisch das Dilemma der Moderne, deren Ideale immer wieder durch falsche Umsetzung in ihr Gegenteil verkehrt wurden und damit das Projekt der Moderne insgesamt diskreditierten.
Die Beschäftigung mit den Idealen und Utopien der Moderne steht denn auch im Mittelpunkt des Werks von Albert Weis. Dabei geht es ihm aber weder um den melancholischen Blick auf die formvollendete Ästhetik berühmter Bauten der Moderne noch darum, aus der Perspektive des Nachgeborenen das Scheitern dieser Utopien kritisch darstellen zu wollen. Sein Blick richtet sich vielmehr auf Strukturen, die sich als Baukasten, als formales Skelett dieser Moderne auffassen lassen.
Albert Weis entwirft in seinen Arbeiten komplexe, vielschichtige Bezugssysteme, in denen er die Prinzipien der Moderne – wie ideal oder rigide sie im Einzelfall auch sein mögen – untersucht, analysiert und zu neuen Arbeiten umformuliert.
(Text: M. Fuchs, Auszug)
Albert Weis absolvierte 1997 als Meisterschüler die Akademie der Bildenden Künste in München. Seitdem wurden seine Arbeiten in zahreichen nationale wie internationalen Ausstellungen (Daimler Contemporary, Haus Huth, Berlin 2010 / Centre d’art Dudelange, Luxembourg, 2010 / Schauspielhaus Frankfurt, 2008 / Haus der Kunst, 2009 / Kunstmuseum, Krefeld, 2007) und Projekten im öffentlichen Raum gezeigt. Seine Werke wurden durch zahlreiche Kunstpreise und Stipendien (Villa Aurora, LA, 2009 / „Cité International des Arts“, Paris, 2005 / Bayer. Staatsförderpreis für Bildende Kunst, 2001) honoriert.
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