NEUE GALERIERÄUME: Steinheilstr. 18, 80333 München
NEW GALLERY SPACE: Steinheilstr. 18, 80333 München, Germany
Michael Wesely. Time Works
Eröffnung: 8. Juni 2010, 19 bis 21 Uhr
Ausstellung: 9. Juni-17. Juli 2010
Öffnungszeiten: Di - Fr 12-18 Uhr, Sa 12-16 Uhr und nach Vereinbarung
Nusser & Baumgart freut sich, die neuen Galerieräume in der Steinheilstraße 18 mit einer
Einzelausstellung von Michael Wesely (*1963) zu eröffnen.
“In den letzten Jahren zeichnet sich im Selbstverständnis Michael Weselys eine Haltung ab,
die das Bestreben erkennen lässt, seine künstlerischen Vorstellungen in bestimmter Weise
konzentrierter und intensiver als bisher zu verwirklichen. Es ist hier nicht von einem
Strategiewechsel die Rede, eher von einer vorsichtigen künstlerischen Neuorientierung in
Verbindung mit einer kritisch selbstbewussten Revision seiner Produktion, die ihn bewogen
hat, schon archivierte Arbeiten noch einmal zu überprüfen. Mit der in der Ausstellung vorliegenden
Auswahl der Bilder bekennt sich Wesely zu dieser Revision. Sie enthält neben überwiegend neueren
Bildern auch einige ältere Beispiele und greift gelegentlich auf weiträumige Aufnahmen zurück,
denen Details entnommen und in Vergrößerung als Bilder von eigener Geltung vorgestellt werden.
Bei allem ist ein frischer Impuls zu spüren...
es implizit zum Thema. Er nimmt das Licht beim Licht wie man ein Wort beim Wort nimmt.
Wesentlich in Weselys Fotografien ist das Licht. Das
Licht entscheidet semiotisch blind über die
Sichtbarkeit des Geschehens, und Wesely steuert
das Licht so, dass es die Bilder zum Vorschein
bringt, die er der Wirklichkeit abzunehmen hofft. Er
nimmt auf, was seine Kamera zu sehen bekommt,
erreicht aber mit Hilfe unüblicher und extrem
ausgedehnter Belichtungszeiten, dass die Bilder
von dem Anblick abweichen, den wir zu sehen
gewohnt sind. Diese apparativ hergestellte
Abweichung beruht (...) auf einer Abweichung von
der Konditionierung unserer Wahrnehmung. Dabei
benutzt Wesely das Licht nicht nur zur Illustration
der Zeit des Geschehens, die unserer
Aufmerksamkeit normalerweise entgeht, er macht es implizit zum Thema. Er nimmt das Licht beim Licht wie man ein Wort beim Wort nimmt.
Ort und zur Zeit der abgebildeten
Aufnahmen ergeben nach und nach einen
Index, in dem die Tätigkeit Weselys
verzeichnet ist. Sie lassen sich als Hinweis
auf die abgebildete Realität lesen, so dass
wir das jeweilige Bild mit seinem
inhaltlichen Anlass identifizieren können,
und sie geben an, wo wir uns befänden,
wenn wir der Einladung des Bildes folgen
und seine Entstehung nachvollziehen
könnten. Nichtsdestoweniger entpuppt
sich diese so realistische Referenz als
Hinweis auf einen konzeptuellen modus
operandi von eher irreal anmutender
Anschaulichkeit.
Wesely entledigt sich des notorischen fotografischen Realismus, indem er die Bilder in manchmal
erheblichem Maße von den Zwängen der Eindeutigkeit und der Wiedererkennbarkeit suspendiert. Er
versetzt die Bilder in anhaltende Aufnahmebereitschaft, heißt Zufälle willkommen, durchbricht
den Stumpfsinn der Oberflächen, rüttelt an ihrem zur Selbstgewissheit gewordenen
Anblick und beantwortet die konventionelle Starrsinnigkeit der Wiedergabe mit der Unschärfe
des nur noch zu Ahnenden. Kurz, er bezweifelt die Bilder der Realität mit Hilfe der
Realität seiner Bilder...
So scheint sogar noch etwas anwesend zu sein, das längst nicht mehr da ist. Wir erleben in den
Bildern Weselys die Anwesenheit des Abwesenden im Zeichen seiner Abwesenheit oder, anders
ausgedrückt, die vorübergegangene Sichtbarkeit des längst wieder Unsichtbaren...
Wenn wir im Schlaf zusammen mit den Gegenständen aus der Zeit aussteigen, dann lassen wir ihren
Traumgestalten freien Lauf. Doch die Kamera schläft nicht. Wesely fotografiert keine Träume, auch
wenn einige seiner Aufnahmen traumhaft schön sind. Die ihm zufallende Gleichzeitigkeit des
Ungleichzeitigen ist einem technischen Übertragungsmanöver zu verdanken, das ihm erlaubt, es der
Wirklichkeit zu überlassen, in welchem zeitlichen Zustand sie sich uns präsentieren will...
Stärker als je zuvor arbeitet Wesely heute an der Medialität des fotografischen Bildes. Er
geht bis an die Grenzen des Sichtbaren und möchte ansichtig machen, was es zu sehen gibt,
gerade auch dann, wenn es sich uns entzieht. Er möchte wissen, hinter welchen Horizonten
das Unsichtbare beginnt, welche Botschaften uns die Teleskopie des Timing sendet und wie
belastbar der lichtempfindliche Empfänger ist.”
(Jürgen Harten, Auszug aus dem Katalog “Michael Wesely. Time Works”, 2010, Schirmer/Mosel)
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