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Michael Wesely 'Time Works' at/ in Steinheilstr. 18    Jun 8 - Jul 17, 2010

Arsenale, La Biennale di Venezia (12.36 - 12.41 Uhr. 6.6.2009)
Michael Wesely
Arsenale, La Biennale di Venezia (12.36 - 12.41 Uhr. 6.6.2009), 2010
 
New Delhi Railway station, Indien (17.29 - 17.34 Uhr, 29.12.2005)
Michael Wesely
New Delhi Railway station, Indien (17.29 - 17.34 Uhr, 29.12.2005)
 
Ostjakobswarft, Fahretoft (17.27 - 17.32 Uhr, 25.7.2009)
Michael Wesely
Ostjakobswarft, Fahretoft (17.27 - 17.32 Uhr, 25.7.2009)
 
Palast der Republik
Michael Wesely
Palast der Republik, 2009
 
Palast der Republik, Berlin (28.6.2006 - 19.12.2008)
Michael Wesely
Palast der Republik, Berlin (28.6.2006 - 19.12.2008)
 
Porto Velho, Belém (13.45 - 13.55 Uhr, 4.8.2003)
Michael Wesely
Porto Velho, Belém (13.45 - 13.55 Uhr, 4.8.2003), 2010
 
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NEUE GALERIERÄUME: Steinheilstr. 18, 80333 München
NEW GALLERY SPACE: Steinheilstr. 18, 80333 München, Germany

Michael Wesely. Time Works
Eröffnung: 8. Juni 2010, 19 bis 21 Uhr
Ausstellung: 9. Juni-17. Juli 2010
Öffnungszeiten: Di - Fr 12-18 Uhr, Sa 12-16 Uhr und nach Vereinbarung

Nusser & Baumgart freut sich, die neuen Galerieräume in der Steinheilstraße 18 mit einer Einzelausstellung von Michael Wesely (*1963) zu eröffnen.

“In den letzten Jahren zeichnet sich im Selbstverständnis Michael Weselys eine Haltung ab, die das Bestreben erkennen lässt, seine künstlerischen Vorstellungen in bestimmter Weise konzentrierter und intensiver als bisher zu verwirklichen. Es ist hier nicht von einem Strategiewechsel die Rede, eher von einer vorsichtigen künstlerischen Neuorientierung in Verbindung mit einer kritisch selbstbewussten Revision seiner Produktion, die ihn bewogen hat, schon archivierte Arbeiten noch einmal zu überprüfen. Mit der in der Ausstellung vorliegenden Auswahl der Bilder bekennt sich Wesely zu dieser Revision. Sie enthält neben überwiegend neueren Bildern auch einige ältere Beispiele und greift gelegentlich auf weiträumige Aufnahmen zurück, denen Details entnommen und in Vergrößerung als Bilder von eigener Geltung vorgestellt werden. Bei allem ist ein frischer Impuls zu spüren...

es implizit zum Thema. Er nimmt das Licht beim Licht wie man ein Wort beim Wort nimmt. Wesentlich in Weselys Fotografien ist das Licht. Das Licht entscheidet semiotisch blind über die Sichtbarkeit des Geschehens, und Wesely steuert das Licht so, dass es die Bilder zum Vorschein bringt, die er der Wirklichkeit abzunehmen hofft. Er nimmt auf, was seine Kamera zu sehen bekommt, erreicht aber mit Hilfe unüblicher und extrem ausgedehnter Belichtungszeiten, dass die Bilder von dem Anblick abweichen, den wir zu sehen gewohnt sind. Diese apparativ hergestellte Abweichung beruht (...) auf einer Abweichung von der Konditionierung unserer Wahrnehmung. Dabei benutzt Wesely das Licht nicht nur zur Illustration der Zeit des Geschehens, die unserer Aufmerksamkeit normalerweise entgeht, er macht es implizit zum Thema. Er nimmt das Licht beim Licht wie man ein Wort beim Wort nimmt.

Ort und zur Zeit der abgebildeten Aufnahmen ergeben nach und nach einen Index, in dem die Tätigkeit Weselys verzeichnet ist. Sie lassen sich als Hinweis auf die abgebildete Realität lesen, so dass wir das jeweilige Bild mit seinem inhaltlichen Anlass identifizieren können, und sie geben an, wo wir uns befänden, wenn wir der Einladung des Bildes folgen und seine Entstehung nachvollziehen könnten. Nichtsdestoweniger entpuppt sich diese so realistische Referenz als Hinweis auf einen konzeptuellen modus operandi von eher irreal anmutender Anschaulichkeit.

Wesely entledigt sich des notorischen fotografischen Realismus, indem er die Bilder in manchmal erheblichem Maße von den Zwängen der Eindeutigkeit und der Wiedererkennbarkeit suspendiert. Er versetzt die Bilder in anhaltende Aufnahmebereitschaft, heißt Zufälle willkommen, durchbricht den Stumpfsinn der Oberflächen, rüttelt an ihrem zur Selbstgewissheit gewordenen Anblick und beantwortet die konventionelle Starrsinnigkeit der Wiedergabe mit der Unschärfe des nur noch zu Ahnenden. Kurz, er bezweifelt die Bilder der Realität mit Hilfe der Realität seiner Bilder...

So scheint sogar noch etwas anwesend zu sein, das längst nicht mehr da ist. Wir erleben in den Bildern Weselys die Anwesenheit des Abwesenden im Zeichen seiner Abwesenheit oder, anders ausgedrückt, die vorübergegangene Sichtbarkeit des längst wieder Unsichtbaren...
Wenn wir im Schlaf zusammen mit den Gegenständen aus der Zeit aussteigen, dann lassen wir ihren Traumgestalten freien Lauf. Doch die Kamera schläft nicht. Wesely fotografiert keine Träume, auch wenn einige seiner Aufnahmen traumhaft schön sind. Die ihm zufallende Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen ist einem technischen Übertragungsmanöver zu verdanken, das ihm erlaubt, es der Wirklichkeit zu überlassen, in welchem zeitlichen Zustand sie sich uns präsentieren will...

Stärker als je zuvor arbeitet Wesely heute an der Medialität des fotografischen Bildes. Er geht bis an die Grenzen des Sichtbaren und möchte ansichtig machen, was es zu sehen gibt, gerade auch dann, wenn es sich uns entzieht. Er möchte wissen, hinter welchen Horizonten das Unsichtbare beginnt, welche Botschaften uns die Teleskopie des Timing sendet und wie belastbar der lichtempfindliche Empfänger ist.”

(Jürgen Harten, Auszug aus dem Katalog “Michael Wesely. Time Works”, 2010, Schirmer/Mosel)

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