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Marianna Gartner: Still Lifes    Sep 20 - Oct 26, 2013

The Bewlay Brothers
Marianna Gartner
The Bewlay Brothers, 2013
 
White Noise
Marianna Gartner
White Noise, 2013
 
 
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Marianna Gartner
Still Lifes

Eröffnung: Freitag 20. September 2013, 19 - 21 Uhr
Dauer der Ausstellung: 20.09. bis 26.10.2013

Lachende Skelette, bunte Kürbisse, Fliegen mit Fischschwanz und eine Runde gediegener Herrn an einem großen weißen Tisch, auf dem ein sonderbares Gebilde aus Venen, Adern und Knochenteilen erwächst. Wofür steht dieses Ding?

Was besprechen die schwarz-weißen Männer mit ihren unterschiedlichen Abzeichen an der Brust? Die Krise der Kunst, das Leben an sich oder gar die Beherrschung der Zeit? In der christlichen Ikonografie hat im Stillleben jedes Symbol seine feste Bedeutung. In den neuen Gemälden der Kanadischen Malerin Marianna Gartner, die diesem klassischen Genre der Kunst gewidmet sind, ist wenig eindeutig und klar, aber Vieles umso spannender.

Der Titel der Arbeit The Bewlay Brothers könnte sich auf den gleichnamigen Song vom Album Hunky Dory (1971) keines geringerem als David Bowie beziehen, in dem es auch um Geister geht, "...there are layers of ghosts within it..." wie Bowie 2008 konstatiert. Das passt gut zu Gartner und ihrer auf den ersten Blick so harmlos wirkenden figurativen Malerei. Erst auf den zweiten Blick fallen dem Betrachter die Besonderheiten ihrer Malerei auf, wie zum Beispiel der anatomisch freigelegte Blick auf das Innenleben eines Fußes des Kinderportraits oder die Tätowierungen auf der Haut des Babies.

Die 1963 in Winnipeg geborene und heute in Victoria lebende "Ausnahmekünstlerin", wie sie die Direktorin des Wiener Belvederes Anges Husslein-Arco nannte, wo sie 2011 eine große und spannende Ausstellung bzw. Intervention mit den Meisterwerken vor Ort hatte, arbeitet oft mit historischen Fotografien, die sie auf Flohmärkten und in Antiquariaten findet.

Die Steifheit, Losgelöstheit und Isolation der frühen, inszenierten Porträtfotografien mit ihren langen Belichtungszeiten schleichen sich heimlich in ihre Malereien, so dass ein Reiz, ein sonderbarer, von ihnen ausgeht. Der Dialog zwischen Malerei und Fotografie ist eröffnet, wobei die Malerei mitunter authentischer wirkt als die der Fotografie nachempfundenen Personen, die wie künstliche Zitate oder leere Fremdkörper erscheinen. Gartner verwebt die beiden Medien, deren Eigenschaften sie in Calgary studiert hat, mit den Motiven, oft auch Texturen, unabhängig von Zeit und Raum zu einer Art "Papiertheater", wie Margrit Brehm bemerkte, wo "Gefundenes neben Erfundenem" existiert und die "Gebrochenheit des Bildes" - das Nichtvorhandensein eines gemeinsamen Ortes, einer einheitlichen Zeit oder einer stringenten Handlung - für Irritationen sorgen. Doch trotz der Verwirrung und düsteren Verweise der klassischen Vanitassymbole in Stillleben, wie dem Totenkopf oder der Fliege, die mit dem Gedanken des Memento Mori (Bedenke, dass Du sterblich bist!) verknüpft sind, schafft es die Künstlerin immer wieder ihren Betrachtern zuzuzwinkern. Zum Beispiel wendet sich das kleine Skelett mit einem Taschentuch vor der Nase von dem undefinierbaren Gebilde hinter ihm ab, als würde es schrecklich stinken.

Marianna Gartner fasst zusammen: "Ich male Bilder, und da ergeben sich stets Kombinationen: Schönheit und Hässlichkeit, Glück und Schrecken, Leben und Tod, all die einfachen Widersprüche, die in unserem Leben vorkommen." (2010)

Text: Anna Hellner

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit einem Text von Jeanne Cannizzo (The University of Edinburgh, Social Anthropology).

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