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3-Tagesprojekt: Tim Trantenroth. Reisetagebücher Südafrika    Aug 16 - Aug 18, 2012

Gated com.africa
Tim Trantenroth
Gated com.africa, 2011
 
  
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Langer Donnerstag

16. August 2012, 19.00 - 22.00 Uhr
Tim Trantenroth. Reisetagebücher Südafrika

Wir zeigen für drei Tage Arbeiten, die anlässlich einer Reise von Tim Trantenroth nach Südafrika entstanden sind.

Tim Trantenroth schreibt zu seinen Arbeiten:

Die beiden Serien Autoview und Shacks sind auf der Basis visueller Eindrücke einer 17-tätigen Südafrikareise (Nähe Johannesburg) entstanden.

Wie intensiv nehmen wir bei einer Reise wahr; erschließt sich nicht vieles erst nach der Rückkehr im Vergleich mit dem Vertrauten? Wie flüchtig sind die Betrachtungen aus dem sicheren Schutzraum Auto? An welcher Stelle und zu welchem Zeitpunkt wird der Tourist zum Voyeur?

Schon eine präzise Benennung der Hütten ist schwierig: Sind es Shacks, eine improvisierte Behausung, oder Slums (eigentlich begrifflich definiert in England im 19. Jhd. als Arbeitersiedlung; heute ein Synonym für wuchernde illegale Ansammlung von Kleinsthütten ). Die Hütten sind improvisiert und ohne Infrastruktur erbaut.

In erster Linie interessiert mich der rein malerische Aspekt wie zufällig gefundene Materialien, Abfallprodukte, auf improvisierte Weise in ihrer Anordnung eine Komposition ergeben.

Ist es zynisch einen ästhetischen Aspekt des Elends wahrzunehmen? Gerade diese Ambivalenz reizt mich.

Ich will die Slums nicht romantisieren, die Andersartigkeit der Slums als ästhetisches Bild fasziniert mich. Der Kontrast der aus der Not entstandenen Behausungen zu unseren vertrauten, überdesignten, konstruierten und durchgeplanten Lebensräumen.

Wahrnehmenbar ist jedoch nur eine bildhafte Oberfläche der Shacks. Das Leben in größter Armut, Einfachheit, und Spontaneität in den afrikanischen Slums ist im kulturellen Kontext des Europäers kaum nachvollziehbar, dennoch übt die Gefahr und die Andersartigkeit einen Reiz aus, der zugleich unmoralisch, faszinierend und abschreckend ist, wie etwa auch die Faszination für Ruinen oder Zerstörtes im Allgemeinen.

Als Malgrund wurden Kartons verwendet, in denen Lebensmittel aus Afrika nach Deutschland transportiert wurden.

Dieses einfache Material referiert einerseits auf die schlichten und zufälligen Materialien aus denen die Shacks gebaut sind, zum anderen ist die Intention durch diesen Malgrund den globalen wirtschaftlichen Verteilungsprozess zu hinterfragen. Auf subtile Weise wird die Komplexität der Warenkreisläufe mit all ihren Konsequenzen (wie Verpackung, Transport,...) hinterfragt, wenn auch das Bewusstsein darüber nicht automatisch vor Missachtung und Verlockung schützt.

Welche Rolle spielt die Umverteilung von Nahrung fernab ihrer natürlichen Quellen?

Übersteigerter Konsum bringt eine übermäßige Fülle an Verpackungsmüll mit sich. Materialen, die im Ursprungsland der zu transportierenden Nahrungsmittel als Hausbaumaterialien dienen.

Die Malerei wertet diese Rohstoffe wieder auf, durchbricht in gewisser Weise den sorglosen und übermäßigen Umgang mit Ressourcen alltäglicher Import-Export-Praktiken der Weltwirtschaft.

Ein weiterer Aspekt der Shacks sind die zum Teil mit original Erde (rötlich und grau) gemalten Umgebungen, sie spielen unter anderem mit dem Begehren dinghaften Konservierens und Konsumierens von Reiseerinnerungen, Reisedevotionalien.

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