|
Amely Spötzl: Phytomagnetik
4. November - 17. Dezember 2011
Eröffnung: Freitag, 4. November 2011, 18 - 22 Uhr
Amely Spötzl formt in ihren Skulpturen, Objekten und Arrange- ments eine Atmosphäre von einzigartiger, sinnlicher Naturliebe und artifizieller, kunstvoller und expressiver Strahlkraft, wie sie kaum ein zweites Mal in der Kunst der Gegenwart zu finden ist. Ihre Arbeiten sprechen über sich selbst, ihre Elemente und Bestandteile durch deren reinen und unverfälschten Einsatz und sie lernen von der Künstlerin zu sprechen über Dinge, Bezüge und Referenzen, die gänzlich außerhalb ihrer selbst liegen.
Wenn Amely Spoetzl sich eines Fundstücks – und es sind ausnahmslos Fundstücke, die ihr für ihre Werke dienen – annimmt, entwickelt sich das spätere Werk aus einem dialogischen Prozess heraus, ohne dass die Künstlerin ihr Material in ihrem Sinne „verbiegt“ oder zwingt.
Dem Material gehorchend, erfüllt die Künstlerin jede Anforderung, ob von Brombeerranken, Pusteblumen, Weidenkätzchen oder Löwenmäulchen, und gewinnt ihnen schließlich die Fähigkeit ab, im fertigen Kunstwerk weit über sich hinaus zu wirken.
Im Arbeitsprozess entwickelt sich ein spannungsvolles Verhältnis, denn jedes genutzte Material bringt seine individuellen Eigenschaften und Notwendigkeiten mit sich, auf die die Künstlerin eingeht. Der spielerischen Anmutung und Leichtigkeit der Objekte geht ein intensiver Prozess der Konzentration und Auseinandersetzung voraus, geprägt von Kraft und Gegenkraft: der Kraft des bildnerischen Schaffenswunsches Amely Spoetzls und der physischen Kraft des Materials, die es im Schaffensprozess zu bezwingen und zu überwinden gilt.
„Wünsch Dir was“, die Pusteblume ist Wunschträger und gleichzeitig Bildnis der Vergänglichkeit durch die Veränderung von Zeit und Raum, der sie nicht widerstehen kann, denn sie verblüht, der Wind trägt ihre Samen davon oder sie wird gepflückt. Die Künstlerin isoliert sie, fängt sie ein und konserviert sie. Sie wird in Sphären aus Plexiglas eingeschlossen, in Reihen selektiert oder als reine Menge auf Vorrat aufbewahrt zur Nutzung bei Be- darf, losgelöst von Zeit und Ort, den nun sind sie transportabel, und jahreszeitenunabhängig prallen in Amely Spoetzls Arbeiten der „Wunschbox“-Serie Grundsätze aufeinander, die sich nur auf der gedanklichen Ebene des Kunstwerks vereinen oder aufheben lassen.
Das gilt auch, wenn sich dornige Ranken wohl geordnet um Spulen legen, Dornen auf feinem Grund wunderbare Muster bilden oder Löwenmäulchen auf Kissen fixiert und von goldschimmernden Strahlenkränzen umgeben sind; dann ist jene feinsinnige und sen- sible Zwischenwelt spürbar und erfahrbar, innerhalb deren Amely Spoetzl ìs Werke verortet sind, um von dort aus zu faszinieren, zu bezaubern und einzuladen, mit wachen Augen auch das kleinste Geschenk der Natur wahrzunehmen.
|