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Slight Adjustments: Florian Baudrexel – Edit Oderbolz – Mamiko Otsubo – wiedemann/metter and guests
Richard Hamilton, Ian Hamilton Finlay, Christian Marclay, Dieter Roth and Pieter Vermeersch    Dec 8, 2012 - Feb 23, 2013

Installation view
Installation view
 
Siet
Florian Baudrexel
Siet, 2012
 
Patricia Knight I-III
Richard Hamilton
Patricia Knight I-III, 1982
 
VOX and TIME
Christian Marclay
VOX and TIME, 1988-1989
 
Untitled
Edit Oderbolz
Untitled, 2012
 
p. 16, 60 (Kurosawa)
Mamiko Otsubo
p. 16, 60 (Kurosawa), 2011
 
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Slight Adjustments

Florian Baudrexel – Edit Oderbolz – Mamiko Otsubo – wiedemann/metter und Gäste
Richard Hamilton, Ian Hamilton Finlay, Christian Marclay, Dieter Roth und Pieter Vermeersch

8. Dezember 2012 bis 23. Februar 2013
Eröffnung am Samstag, 8. Dezember von 11 bis 18 Uhr

Wir freuen uns sehr, Ihnen in der Gruppenausstellung Slight Adjustments neben Arbeiten von fünf Künstlerinnen und Künstlern aus dem Galerienprogramm fünf weitere Positionen von Gästen zu zeigen.

Der Titel der Ausstellung folgt einem Zitat des im Jahre 2006 verstorbenen schottischen Künstlers Ian Hamilton Finlay, der gesagt hat "Art is about slight adjustments". Der Titel lässt viele Möglichkeiten der Interpretation zu: Geringfügigen, leichten Anpassungen begegnen wir in der Kunst in vielen Spielformen. In der Ausstellung reicht die Spannbreite der Verschiebungen und Korrekturen durch alle Medien. Die Definition des Bezugssystems bestimmt den Charakter und den Grad der leichten Anpassung. Die Arbeiten selber beanspruchen unterschiedliche Stufen von Aufmerksamkeit und binden das Publikum auf verschiedene Weise in die Rezeption mit ein.

Für den Eingangsbereich der Galerie konstruierte Florian Baudrexel ein brummendes, krudes Relief aus Karton mit dem Titel Siet. Diese zwischen Malerei und Skulptur angesiedelte Form folgt einerseits dem Interesse am kompositorischen Vorgehen von Malerei, wie auch an der Realität des Skulpturalen. Im Prozess der Arbeit zwischen Bildansicht und skulpturaler Form verschiebt er die Anordnungen, bis eine ausgewogene aber kraftvolle Bilddynamik entsteht. Dabei sind die rhythmische Gliederung, Massenverhältnisse und Kräftelinien wie eine immanente Anatomie, die jedes Relief in seiner individuellen Körpersprache hervorbringt.

Rechts vom Eingang zeichnet Edit Oderbolz mit drei Paaren von zusammengeschweissten und unterschiedlich gefärbten Armierungseisen eine Wandzeichnung, die dem Relief von Baudrexel mit zeichnerischer Leichtigkeit antwortet. Die farbigen Striche der leicht verschobenen Armierungseisen setzen poetische Akzente in den Raum.

Subtile Verschiebungen sind der Malerei von Pieter Vermeersch in der Form von Gradationen immanent. In der gezeigten Bildserie Painting #28 nimmt die Helligkeit innerhalb der sechsteiligen Serie von einem Bild zum anderen zu. Durch seine Malweise erzeugt Vermeersch einen, je nach Sichtweise, metallenen oder puderigen Farbkörper, der in der Vorstellung des Betrachters über die Bildgrenzen hinausgreift.

Im Hauptraum der Galerie hängen Variationen der Schauspielerin Patricia Knight von Richard Hamilton. Der englische Künstler erprobte in diesen drei Blättern mit dem Drucker von Pablo Picasso, Aldo Crommelynck, alle Möglichkeiten des Tiefdrucks. Hamilton hatte dabei eine kleine radierte Ziege von Picasso vor Augen, deren Fertigung in der Zuckertuschmanier ihn fesselte. Die samtenen Aquatintaflächen sind ein Charakteristikum des Meisterdruckers, Aldo Crommelynck aus Paris, deren sich Hamilton ausgiebig bediente. Neben Patricia Knight ist der Materialdruck Postcard von Dieter Roth aus dem Jahr 1969 positioniert. Wie dem Titel und der Rückseite des Drucks, die Platz für den Empfänger des Bildes freilässt und die Druckdetails wiedergibt, zu entnehmen ist, handelt es sich bei der Abbildung um eine Postkarte, die Roth im Offsetverfahren aufgeblasen hat. Die Postkarte zeigt aus der Vogelperspektive eine Aufnahme von Hyde Park, Kensington Gardens und die an den Park angrenzende Londoner Stadtlandschaft. Roth überdeckte mit einer Plasikmasse den Parkbereich und liess lediglich den Serpentine Teich aus. Dadurch entsteht der Eindruck, als wäre eine weisse Malerpalette über die Landschaft gelegt worden.

Die Serie In der Ferne von Dieter Roth aus dem Jahr 1973 schliesst die Längswand ab. Das Portfolio kann als Reflex auf die vielen Reisen von Roth betrachtet werden. In zwei Blättern ahmt der Bildausschnitt die Sicht durch einen Feldstecher nach. Einzelne Buchstabenreihen, wie zum Beispiel "SCH", geben der Serie einen literarischen Anstrich und verweisen auf den poetischen Hintergrund vieler Bildfindungen von Roth.

Die Fotografie With a View /Berlin von wiedemann/mettler nimmt die kurze Stirnwand ein. Sie besitzt einen modellhaften Charakter und erweitert im internen Bildraum den Galerieraum: Die Bildgrenze zum Betrachter wird diffus und die Wand im Bild zur Projektionsfläche für das Publikum.

Die schmale Rückwand der Galerie besetzen zwei filigrane Assemblagen von Mamiko Otsubo. Otsubo griff für diese Arbeiten auf Bücher zurück, die sie nach geeigneten Abbildungen durchsuchte und herausschnitt, was sie als häretische Aktion bezeichnete. Mit kleinen Retuschen, zwei blauen und einem roten Viereck, auf der schwarzweissen Darstellungen von Broadway Boogie Woogie von Mondrian und einer weissen Fläche und Ausschneidungen, auf der dem Grafiker und Filmemacher Saul Bass gewidmeten Seite, entstanden Maskengesichter, die sie auf die abgetrennten Buchdeckel aufklebte. "Ich war daran interessiert, diesen toten Dingen ein neues Gesicht zu verleihen (was wörtlich passierte), aber auch etwas zu tun, das häretisch war."

Die Mitte der Längswand nimmt die samtene, beinahe körperliche Arbeit star flakes von wiedemann/mettler ein. Mit dem leichten Auftrag von Lauge wurde die Farbe im Samtstoff entfernt und ein mit Rechtecken versehener Sternenhimmel erzeugt. Die Arbeit besticht durch die Genauigkeit mit welcher die Farbpunkte entfernt wurden. Die Konstellation der Punkte bringt eine luftige, weiche und geometrische Zeichnung zum Vorschein. Neben star flakes hängen zwei überarbeitete Schallplattencover von Christian Marclay aus dem Jahr 1989. Diese "Assisted Ready Mades" basieren auf zwei Leidenschaften von Marclay: Seine Affinität zur Musik und seine Verehrung von Marcel Duchamp. Der in London lebende Künstler, der mit seinem 24 Stunden dauerten Video The Clock einem grösserem Publikum bekannt wurde, hat mit sicherer Hand auf die Schallplattencover Farbrechtecke gesetzt, die farblich auf die Formen und Farben der Schriftbezeichnungen auf den Covers antworten. In der Gitterarbeit auf der Stirnwand zieht Edit Oderbolz alle Register ihrer künstlerischen Fertigkeiten. Die aus Armierungseisen gefertigte Gitterkonstruktion wurde leicht verbogen, so dass die strenge Symmetrie, die an Werke der Minimal Art erinnert, aufgebrochen wurde. Der kühlen Aesthetik der graubemalten Eisenkonstruktion stehen die sorgfältig gesetzten Tücher entgegen, die in die Geometrie eingefügt wurden und der Arbeit eine malerische Komponente verleihen.

Im hinteren Büroraum kommt der Titelgeber der Ausstellung Ian Hamilton Finlay mit sechs Arbeiten zum Zug. In fünf Offsetdrucken und einem Relief aus Bronze umkreist Ian Hamilton Finlay das Thema der französischen Revolution. In drei Arbeiten setzt er die französische Revoution in direkten Bezug zur Marmorskulptur Apollo und Daphne von Gian Lorenzo Bernini.

In vielen Arbeiten der Ausstellung begegnen wir leichten Anpassungen, sei dies in Form von physischen Verschiebungen oder Anfügungen innerhalb der Arbeiten oder in Variationen über einem Thema. Die Anpassungen erfordern nicht nur eine gedankliche Beweglichkeit seitens der Kunstschaffenden, der Produzenten, sondern verlangen auch eine intellektuelle Neugierde und geistige Flexibilität seitens der Rezipienten, dem Publikum.

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Slight Adjustments

Florian Baudrexel – Edit Oderbolz – Mamiko Otsubo – wiedemann/metter and guests
Richard Hamilton, Ian Hamilton Finlay, Christian Marclay, Dieter Roth and Pieter Vermeersch

8 December 2012 – 23 February 2013
Opening reception Saturday, 8 December from 11am – 6pm

We are very pleased to show in the group exhibition Slight Adjustments besides works by five artists from the gallery programme positions from five guests.

The title of the exhibition derives from a quote by the Scottish artist Ian Hamilton Finlay, who said: "Art is about slight adjustments". The title allows a gamut of possibilities for interpretation: In art we encounter slight adjustments in many different ways. In the exhibition the range of slight adjustments and corrections reaches through all media. The definition of the frame of reference determines the character and the degree of the adjustments. The works themselves require from the public different levels of attention and involvement.

For the entrance room of the gallery Florian Baudrexel constructed a buzzing, crude, cardboard relief titled Siet. This between painting and sculpture oscillating work follows on the one hand the demands of the compositional approach to painting, as well as the essence of sculpture. In the work process between view of an image and sculptural form Baudrexel shifts the arrangement until a balanced and powerful dynamism of the image results. Rhythmical arrangement, mass ratio and lines of interaction function in these compositions as an immanent anatomy, which each reliefs generates in its individual vocabulary of form anew.

To the right of the entrance Edit Oderbolz has affixed with three pairs of welded and coloured armouring irons a walldrawing, responding to the relief of Baudrexel with graphical lightness. The coloured bars of the slightly shifted armouring irons place poetic marks into the room. Subtle gradations are an important feature of the paintings by Pieter Vermeersch. In the six part series of paintings called Painting #28 the colour lightness increases from one painting to the other. Through his painterly touch Vermeersch generates a body of colour, which ranges from the powdery to the metallic and reaches in the imagination of the beholders over the picture plane.

In the main room of the gallery hang three etchings of the actress Patricia Knight by Richard Hamilton. In these three sheets Hamilton with Aldo Crommelynck, the printer of Pablo Picasso, sampled all possibilities of gravure printing. In this undertaking Hamilton had a small etched goat by Picasso in mind, whose production in the sugar aquatint technique had made a lasting impression on him. The velvet aquatint planes used by Hamilton in an extensive way are a speciality of the master printer from Paris, Aldo Crommelynck. Besides Patricia Knight is the material print Postcard by Dieter Roth from 1969. As one can detect from the title and from the backside of the print, where space is left out to write the recipient of the image and the print details, the basis for the print is a postcard, which has been blown up as an offset print. The postcard shows in a bird's eye view Hyde Park, Kensington Gardens and the London urban landscape around the park. Roth covered the area of the park with a plastic mass. By just leaving out the Serpentine pond, he created the impression as would a painter's palette been positioned in front of the landscape.

The series In der Ferne (In the Distance) by Dieter Roth from 1973 could be seen as a reflex of the many journeys Roth made. In two sheets the framing of the images imitates the view through binoculars. Some rows of letters, like for example "SCH", lend the series a literary character and points to the poetical background of many of Roth's works. The photography With a View /Berlin by wiedemann/mettler has the character of a model and enlarges through its interior image space the space of the gallery: The aesthetical border to the viewer becomes diffuse and the wall in the image the projection plane of the viewers.

In two refined assemblages Mamiko Otsubo referred to a series of books, which she searched for suited images and then cut out – an act she called heretic. With slight retouches, two blue and a red rectangle on the black and white reproduction of Broadway Boogie Woogie by Piet Mondrian and a white painted plane and outcuts on the sheet dedicated to the graphic designer and film maker Saul Bass, Mamiko Otsubo created masks, which she affixed on cut book covers. "I was interested in giving these dead things a new face (it turned out, literally) but also doing something that was heretical..."
Star Flakes by wiedemann/mettler, a velvety, nearly corporal work occupies the middle of the long wall. Colour has been removed from the velvet cloth by simply applying small drops of leach. As a result a sky full of stars in rectangular patterns emanated. The work convinces through the accuracy through which the points of colour have been removed. The constellation of the points creates a soft geometrical drawing.
Besides Star Flakes are two overworked record covers by Christian Marclay from 1989. These "assisted ready mades" reflect two passion of Marclay: His affinity to music and his adoration for Marcel Duchamp. Marclay who became famous to a wider audience through his 24 hours video The Clock has glued with serenity coloured rectangular forms on the record covers, responding in colour and form to the labels of the record companies. In the centrally untitled grid work Edit Oderbolz shows all her capacities. She slightly bent the armouring irons in the grid, therefore breaking up the severe symmetry which reminds one of works of the Minimal Art movement. She opposes the cool aesthetics of the grey painted iron construction with three carefully placed fabrics, giving the work a painterly feel.

In the backroom six works by Ian Hamilton Finlay, to whom the exhibition owns its title, are hanging. In five offset prints and a bronze relief Ian Hamilton Finlay explores the subject of the French Revolution. Three works bear further reference to the marble sculptor Apollo and Daphne by Gian Lorenzo Bernini, which is today in the Villa Borghese in Rome.

In many works in the exhibition we encounter slight adjustments, either in shape of physical shifts, additions or variations over a subject. The adjustments not only require a flexibility of thought on the part of the artists, the producers, but also an intellectual curiosity on the part of the beholder, the recipient.

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