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Franziska Furter: Hyle    May 21 - Jul 16, 2011

Hyle
Franziska Furter
Hyle, 2011
 
Alu
Franziska Furter
Alu, 2011
 
Crystal Silence I
Franziska Furter
Crystal Silence I, 2011
 
Dust I
Franziska Furter
Dust I, 2011
 
Fath V
Franziska Furter
Fath V, 2011
 
 
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Franziska Furter
Hyle

21. Mai bis 16. Juli 2011
Eröffnung: Freitag, 20. Mai 2011 von 18 bis 20 Uhr

Wir freuen uns sehr, Ihnen neue Arbeiten von Franziska Furter (*1972) in ihrer ersten Einzelausstellung in unserer Galerie präsentieren zu können. Bereits 2009 stellten wir drei ihrer neuen Serien auf Papier in der Gruppenausstellung Spuren und Eindrücke (mit Anna Amadio und Edit Oderbolz) vor. Franziska Furter ist in vielen Einzel- und Gruppenausstellungen in Museen und Galerien hervorgetreten. Im vergangenen Jahr präsentierte sie zwei Einzelausstellungen in Institutionen: Der intelligenten Intervention Squall Lines im Palais de Tokyo in Paris folgte ein spielerischer Umgang mit dem anspruchsvollen Raum der Chapelle St-Quirin in Sélestat, einem Ausstellungsort des FRAC (Fonds Regional d'Art Contemporain) Alsace.

In ihrer Ausstellung Hyle in Zürich führt Franziska Furter Ideen und Werkgruppen weiter, die sie in den beiden Ausstellungen in Frankreich erstmals vorstellte. Aus einem zeitlichem Abstand heraus lässt sich eine logische Stringenz und Folgerichtigkeit ihrer genauen künstlerischen Vorgehensweise beobachten: Franziska Furter arbeitet konsequent an Werkgruppen, die zueinander in Verbindung stehen und sich in einen künstlerischen Gesamtzusammenhang stellen lassen.

Hyle, der Titel der Ausstellung, weist der Interpretation ihrer Arbeiten eine Richtung. Hyle bedeutet formbare Urmaterie, substanzielle Unterlage alles Seienden. Bei Hyle handelt es sich sozusagen um das Gegenteil von Schatten, der eigentlich keine Materie ist, sondern nur ein Abbild einer materiellen Vorlage: Der Schatten braucht Materie, um überhaupt zu existieren. In diesem phänomenologischen Spannungsfeld lassen sich die neuen Arbeiten von Franziska Furter orten. Eine wichtige Inspiration für ihre neuen Skulpturen und Zeichnungen fand die Künstlerin im phantastischen Roman Die andere Seite (1909) des Zeichners Alfred Kubin. Wie die meisten Zeichnungen von Kubin handelt auch sein Roman von den Schattenseiten der Existenz und von Traumwelten.

Den ersten Raum der Ausstellung besetzt eine lange schwarze Wimpel-Reihe namens Rift. Die Wimpel-Reihe stellt eine Zeichnung im Raum dar; sie durchschneidet mit ihren zahnartigen Zacken aggressiv das Raumgefüge und bildet gleichzeitig eine Schleuse zwischen Aussen und Innen. Die Wimpel sind ein Reflex von Franziska Furters Studienaufenthalt in Kairo im vergangenen Jahr: Zur Zeit des Ramadan hängen zwischen den Häusern farbige Wimpelreihen, die die Künstlerin nun schwarzabstrahierend und somit in stärkerer Zeichenhaftigkeit in ihre Arbeit integrierte.

Im zweiten Raum der Ausstellung erzeugt Franziska Furter mit wenigen, genau gesetzten Mitteln eine magische Stimmung. In der Mitte des Ausstellungsraums stehen auf vier unterschiedlich hohen Sockeln vier Gebilde namens Crystal Silence. Durch die schwarzen Swarovski-Kristalle nehmen die Skulpturen die Formgebung der Wimpel auf. Da die Skulpturen als Variationen über ein Thema betrachtet werden können, ist es nicht überraschend, dass ihr Titel demjenigen einer gleichnamigen Jazzplatte von Chick Corea und Gary Burton aus dem Jahre 1972 folgt. Die Skulpturen bezeichnen Aggregatzustände, verweisen auf Musik und Unsichtbares.

Auf einem Sockel neben der Werkgruppe Crystal Silence steht der Glasturm Alu. Die Mehrdeutigkeit des Wortes Alu, das zunächst als Abkürzung für Aluminium gebräuchlich ist, fasziniert die Künstlerin und bestimmte die Titelgebung. Alu benennt sowohl einen äthiopischen als auch einen philippinischen Vulkan, aber bezeichnet auch einen mesopotamischen Dämon der Nacht und einen Asteroiden. Ausserdem ist es ein altes Runenwort, welches vermutlich "Heil" heisst und als magisches Zeichen benutzt wurde. Die Zeichenhaftigkeit der Schreibweise ALU ist offensichtlich. Mit dem für die Skulptur Alu benutzten Glas hat es eine besondere Bewandtnis: Es stammt nämlich von Franziska Furters Installation Rime in der Ausstellung Squall Lines im Palais de Tokyo. Das Glas sah man in der Ausstellung in Paris nicht, da es sich unter einem Teppich befand. Es war aber hörbar, wenn sich die hunderten von Besucherinnen und Besucher im Ausstellungsraum bewegten und die Glasscheiben unter ihren Schritten zerbrachen. Nach Ende der Ausstellung liess sich Franziska Furter das Glas nach Berlin schicken und verwendete es – nun sichtbar – für den Glasturm.

Neben den Skulpturen im mittleren Galerieraum hängen die drei grossformatigen, filigranen Bleistift-Zeichnungen Dust I-III. Die Vorlagen der Zeichnungen stammen von Bild-Ausschnitten, die in der Regel nicht besonders beachtet werden. Dabei kann es sich um eine Schattenecke, einen dunklen Hintergrund oder einen Lichtabfall handeln – alle Vorlagen haben mit Licht und Schatten zu tun. Der Titel Dust weist einerseits darauf hin, dass die neue Gruppe von Zeichnungen eine Fortführung der Werkgruppe Draft ist, der Staub verbreitet sich durch den Windzug. Ausserdem bezieht sich Dust auf die Romantrilogie His Dark Materials (1993) von Philipp Pullman. Darin ist "Dust" eine Art "Dark Matter", die intelligentes Leben oder die Verbindung der Seele und dem Körper oder Magie erst möglich macht. In der Wissenschaft ist "Dark Matter" eine nicht nachweisbare, hypothetische, aber offensichtlich existierende Form von Materie. Die akribischen Zeichenvariationen Dust I-III von Franziska Furter reihen sich in diesen Themenkreis ein. Sie illustrieren dabei aber keineswegs den Begriff "Dust", sondern eröffnen in ihrer genauen und strengen Komposition vielseitige Assoziationen. Ergänzt werden die Zeichnungen von kleineren Papierarbeiten namens Fath. Diese Kringelzeichnungen beruhen auf der grösseren Wandzeichnung Fathom, die Franziska Furter für ihre Installation in Sélestat im Elsass entwickelt hatte. Sie visualisieren die Strukturen von aufblitzenden Ideen.

Alle Arbeiten in der Ausstellung Hyle sind im Bereich von Schatten und Materie, Immateriellem und Unsichtbaren angesiedelt. Franziska Furter erzeugt in ihren Skulpturen und Zeichnungen Stimmungen, die auf ausserbildliche Elemente verweisen. Ihrer Kunst liegt dabei keine philosophische Grundthese oder auferlegte Idee zugrunde, sondern ihre Arbeiten entwickeln sich aus einem gewachsenen Konzept, das sich auf frühere Werkgruppen bezieht. Ein roter Faden ist nicht geplant, sondern entwickelt sich in den Ablagerungen visueller Schichten ihres dichten, künstlerischen Vorgehens.

Franziska Furter geboren 1972 in Zürich, lebt und arbeitet in Berlin.

2010 Artist in residence, Cité des Arts, Paris und Artist in residence, Kairo, Pro Helvetia; 2008 Cahiers d’Artistes, Pro Helvetia und Förderpreis, Alexander Clavel-Stiftung, Riehen; 2006 Werkbeitrag, Kuratorium des Kantons Aargau; 2003 Atelierstipendium London, Kuratorium des Kantons Aargau; 2001 Prix Ehinger, Basel; 1999 Atelierstipendium Berlin, Kuratorium des Kantons Aargau und Atelierstipendium Edinburgh, CMS Stiftung, Basel; 1997 Förderbeitrag, Stiftung Vordemberge-Gildewart; 1994-1997 Hochschule für Bildende Kunst HGK Basel;

Seit 2000 zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland, u.a. Aargauer Kunsthaus, Aarau; Kunsthalle Basel; Kunsthalle Baselland; Kunsthaus Langenthal; Kunstmuseum Solothurn; Kunstmuseum Thun; Kunstverein Freiburg i.Br.; Museum Wiesbaden; Volpinum, Wien; Chapelle St. Quirin, Sélestat, Elsass und Palais de Tokyo, Paris.

Die Eröffnung findet in Anwesenheit der Künstlerin am Freitag, 20. Mai 2011 von 18 bis 20 Uhr statt. Für weitere Information und Bildmaterial kontaktieren Sie bitte Lullin + Ferrari, Limmatstrasse 214, CH–8005 Zürich, t. +41 (0)43 205 26 07, f. +41 (0)43 205 26 08, info@lullinferrari.com, www.lullinferrari.com Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 12–18 Uhr, Samstag 11–17 Uhr und nach Vereinbarung

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Franziska Furter
Hyle

21 May to 16 July 2011
Opening reception: Friday, 20 May 2011 from 6 – 20 pm

We are pleased to show new works by Franziska Furter (*1972) in her first solo exhibition in our gallery. In 2009 in the gallery group exhibition Traces and Impressions (with Anna Amadio and Edit Oderbolz) we introduced her work for the first time to the public in Zurich by including three series of her new works on paper. Franziska Furter's work was shown in many solo and group exhibitions in museums and galleries, in Switzerland and abroad. Last year she had two outstanding exhibitions in institutions: Her intelligent intervention Squall Lines in the Palais de Tokyo in Paris followed a playful handling of the challenging space of the Chapelle St-Quirin in Sélestat, an exhibition space of the FRAC (Fonds Régional d'Art Contemporain) Alsace.

In her exhibition Hyle in Zurich Franziska Furter further develops ideas and works, which she had for the first time introduced in her two exhibitions in France. From a certain distance in time one can observe a logical consequence and consistency in her precise artistic approach: Franziska Furter creates consequent series of works, which interlink with each other and which are placed under an overall artistic vision.

Hyle, the title of her show, leads the interpretation of her works its way. Hyle means mouldable substantial material, base of all existence. One could say, that Hyle signifies the contrary of shadow, which is not a material, but a depiction of a material model: For its existence the shadow is dependent on matter. The new works by Franziska Furter have to be placed in this phenomenological domain. For her new sculptures and drawings the artist found an important inspiration in the fantastic novel The Other Side (1909) by the draftsman Alfred Kubin. As most of his drawings also his novel deals with the shady side of existence and dream worlds.

The first room of the exhibition is occupied by Rift, a long row of black pennants. The row of pennants forms a drawing in space; it cuts with its aggressive, dentoid jags the spatial structure and forms simultaneously a lock between inside and outside. The pennants are a reflex of Franziska Furter's residency in Cairo last year: During Ramadan are hanging between the houses colourful pennants, which the artist copied and integrated in a black and therefore more abstract variation in her work.

In the second room of the gallery Franziska Furter evokes with precisely placed works a magical atmosphere. In the middle of the exhibition space are positioned on pedestals four shapes called Crystal Silence I-IV. Made with black Swarovski crystals they contain formal qualities similar to the ones seen in the pennants. As the shapes are variations on a theme, it is not surprising that their titles follow the one of a jazz record by Chick Corea and Gary Burton from 1972. The sculptures describe states of materiality and refer to music and the invisible.

On a pedestal next to Crystal Silence I-IV stands the glas tower Alu. The equivocality of the word Alu, known mainly as an abbreviation for Aluminium, fascinated the artist and was the reason why she chose the word as the title of the glass tower. Alu signifies an Ethiopian and a Philippinian volcano, but also a Mesopotamian night demon and an asteroid. Aside from this it is also a word on an old Celtic rune stone, which means in this context presumably salvation and was worshiped as a magical sign. The glass used for Alu has a special background, as it is recycled from Franziska Furters installation Rime in her exhibition Squall Lines in the Palais de Tokyo. The glass was not be seen in her exhibition in Paris as it was covered under a carpet. But you could hear it, as it was scrunched by the hundreds of visitors, walking over the carpet. After the end of the exhibition the elements of glass were sent to Franziska Furter to Berlin and she used it – making it now visible – for the glass tower.

Beside the sculptures in the middle room of the gallery are hanging three large, filigree pencil drawings called Dust I-III. The source material for these drawings derives from detail of images, which in general are not really noticed. This can be a shadow in a corner, a dark background or a light declension – all these images have to do with light and shadow. The title of the series of work Dust indicates that the new group of drawings is a continuation of the drawing series called Draft. The dust is dispersed through a draft. In addition Dust also refers to the trilogy His Dark Materials (1993) by Philipp Pullman. In these novels "Dust" is a kind of "Dark Matter", which renders intelligent life or the connection between soul or body or magic possible. In science "Dark Matter" is a non-verifiable, hypothetical but nevertheless existing form of matter. The meticulous drawing variations Dust I-III are to be placed in this semantic field. In no circumstance are the drawings illustrating the term "Dust", but they open up in their exact and stringent composition manifold associations. Beside the Dust drawings are positioned smaller works on paper called Fath. These playful doodles are based on the larger wall drawing Fathom conceived by Franziska Furter for her intervention in Sélestat in the Alsace. These drawings visualize the structures of flashing ideas.

All works in the exhibition Hyle are situated in the area of shadow and matter. Franziska Furter generates through her sculptures and drawings moods, which are referring to elements outside of the artworks. Her art is not founded on a philosophical theory or an imposed idea, but is developed out of a grown concept, which relates to earlier series of works. Franziska Furter is not envisaging a recurrent theme in her work, but is unfolding the sediments of visual layers of her densed artistic approach.

Franziska Furter born 1972 in Zurich, lives and works in Berlin.

2010 Artist in residence, Cité des Arts, Paris and Artist in residence of Pro Helvetia, Cairo; 2008 Cahiers d’Artistes, Pro Helvetia and grant, Alexander Clavel-Stiftung, Riehen; 2007 grant, Neue Aargauer Bank; 2006 work contribution, Kuratorium des Kantons Aargau; 2003 studio grant London, Kuratorium des Kantons Aargau; 2001 Prix Ehinger, Basel; 1999 studio grant Berlin, Kuratorium des Kantons Aargau and studio grant Edinburgh, CMS Stiftung, Basel; 1998 grant for the arts des Kantons Basel-Stadt; 1994-1997 Hochschule für Bildende Kunst HGK Basel;

Since 2000 numerous solo- and group exhibitions in Switzerland and abroad, amongst others in the Aargauer Kunsthaus, Aarau; Kunsthalle Basel; Kunsthalle Baselland; Kunsthaus Langenthal; Kunstmuseum Solothurn; Kunstmuseum Thun; Kunstverein Freiburg i.Br.; Museum Wiesbaden; Volpinum, Vienna, Chapelle St. Quirin, Sélestat, Elsass and Palais de Tokyo, Paris.

The opening reception takes place Friday, 20 May 2011 from 6 to 8 pm. The artist will be present. For further information and images please contact the gallery Lullin + Ferrari, Limmatstrasse 214, CH–8005 Zurich, t. +41 (0)43 205 26 07, f. +41 (0)43 205 26 08, info@lullinferrari.com, www.lullinferrari.com Opening hours: Tuesday to Friday 12–6 pm, Saturday 11 to 5 pm, and by appointment.

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