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John Hoyland: GARDEN MOON and Julian Schnabel: MALFI (Vienna)     Feb 2 - Mar 30, 2012

Garden Moon
John Hoyland
Garden Moon, 2001
 
Malfi (2)
Julian Schnabel
Malfi (2), 1998
 
 
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JOHN HOYLAND RA died on the 31 of July 2011 at the age of 76 in London.

As a tribute to one of the finest painters of our time the white8 wants to change the running program showing "GARDEN MOON" and other works by the artist.
Friendship will survive anyway.

John Hoyland
GARDEN MOON
painting, works on paper

and

Julian Schnabel
MALFI
works on paper

opening 2 Feb 2012 6-8 pm
duration 30 March 2012



John Hoyland, Julian Schnabel bei white8 in Wien

Die künstlerische Biografie des britischen Malers und Grafikers John Hoyland (1934—2011) – „who was widely recognised as one of the greatest abstract artists of his time“ (The Guardian, 2011) – steht den Karrieren seiner Künstlerkollegen und -freunde Mark Rothko, Barnett Newman, Hans Hofmann, Robert Motherwell oder Anthony Caro … in nichts nach: nach seinem Studium an den Royal Academy Schools in London hatte er 1964 die erste Einzelausstellung in der Marlborough Gallery, London, dann folgten Solo shows und Beteiligungen wie: 1967 Whitechapel Art Gallery, London und Waddington Fine Art, Montreal; 1968 documenta 4, Kassel; 1969 X Biennal de São Paulo, Brasilien; 1970 National Gallery of Art, Washington D.C.; 1979/80 Serpentine Gallery, London; 1982 Tokyo Metropolitan Art Museum; 1993 Tate Liverpool; Barbican Gallery, London; 1999 Royal Academy of Arts, London; 2003 Beaux Arts, London; 2006 Tate St Ives; 2010 Yale Centre for British Art … . Sein Leben und Werk war außerdem Gegenstand umfassender Monografien von Autoren wie Mel Gooding (2006) und Andrew Lambirth (2009).

Dennoch blieb dem Briten John Hoyland die offizielle Würdigung des britischen Königshauses, wie sie seine berühmten Landsleute durchwegs erhalten hatten, zu Lebzeiten ebenso verwehrt wie eine große Londoner Retrospektive. Denn Hoyland war immer auch ein Rebell: als Kind einer Arbeiterfamilie (sein Vater war Schneider in Sheffield, seine Mutter förderte mittellos sein künstlerisches Talent) stand er der kommerziellen und auf Ruhm ausgerichteten Kunstwelt stets kritisch gegenüber. Seine Passion galt von Anfang an der „reinen“ Malerei, zunächst insbesondere koloristisch-expressiven Tendenzen, wie sie in Europa z.B. Van Gogh, Gauguin, Matisse oder Emil Nolde vertreten hatten. Zugleich war er von Tendenzen zur Abstraktion wie z.B. eines Nicolas de Staël fasziniert, wo es weniger um geometrisch-konstruktive Reduktion des Gegenstandes geht als um die Suche nach einer Position zwischen Figuration, Abstraktion und Emotion. So fühlte er sich auch bei seinem Aufenthalt in den USA in den späten 1960er-Jahren trotz der guten Gesellschaft von New Yorker Künstlern und Kritikern wie Clement Greenberg, Helen Frankenthaler oder Kenneth Noland nicht glücklich in diesem „competitive hothouse of east coast painting“ – und kehrte 1973 schließlich zurück nach England.
Desgleichen sträubte er sich selbst gegen die Etikettierung als „abstrakter Maler“. Vielmehr empfand er sich als ein „painter full stop“ – als ein Künstler, der die Farbpalette wie auch das begrenzte Format traditioneller Tafelmalerei erweitern wollte, indem er, wie etwa Jackson Pollock, die Leinwand von der Staffelei auf den Boden verlegte, um großformatig arbeiten zu können. „Unlike most Americans he poured, and later sculpted, threw and squirted, the paint on to stretch as opposed to loose canvas.“ (The Telegraph, 2012).
Dabei gilt zugleich, was Johannes Rauchenberger bei der Eröffnung der Ausstellung „Painting Poems“ von John Hoyland in der Galerie white8 im Jahr 2007 sagte: „Wie für Newman oder Pollock auf ihre je verschiedene Weise liegt für Hoyland die leitende Obsession seiner Kunst in den Mythen des Ursprungs: Wie Welt entsteht, im Prinzip der Genesis und der Individuation, verbunden mit dem Auftauchen aus dem undifferenzierten Chaos zu einem definierbaren und definitiven Zeichen. Die lebendigen Zeichen und Kreise aus der Acryltube, die erstarrten Formschreibungen in den späten Bildern Hoylands sind Symbole kosmischer Genesis. Sie sind ins Bild gesetzt in ihrer puren expressiven kalligrafischen Funktion.“

Es ist das Verdienst Dagmar Aichholzers, John Hoylands Werk noch zu dessen Lebzeiten in Österreich ins Bewusstsein gerufen zu haben. Allzu oft wird hierzulande vergessen, dass die österreichische Variante einer gestisch-abstrakten Malerei, die ab den 1950er-Jahren als die Avantgarde schlechthin galt und gilt, ohne die großen Vorbilder sowohl aus Frankreich (z.B. Matthieu) als auch aus den USA (Pollock …) und aus England (zu dessen Vertreten eben auch John Hoyland zählt) nicht vorstellbar ist. Von 2003 an bis zu seinem Tode im Vorjahr hat white8 John Hoyland vertreten und sowohl in den Galerien in Villach und Wien als auch auf internationalen Messen gezeigt. Seit seinem Tod ist Hoylands Nachlass nurmehr schwer zugänglich, und doch bemüht sich Dagmar Aichholzer weiterhin um die dem Künstler „am Kontinent“ gebührende Anerkennung – wozu diese Ausstellung einer kleinen Auswahl seiner zwischen 1992 und 2001 entstandenen Werke beitragen soll.

Den Acrylarbeiten John Hoylands werden in dem kleinen „white cube“ der Wiener Dependance von white8 drei 1998 entstandene, mit Kunstharz überarbeitete Serigrafien des US-amerikanischen „Neoexpressionisten“ (und späteren Filmemachers) Julian Schnabel gegenübergestellt. Sie sind Teil einer mit MALFI übertitelten Werkreihe, die Schnabel als Hommage an seinen 1995 in Rom verunglückten Künstler-Freund Paolo Malfi geschaffen hat.
Auch Julian Schnabel kann auf einen kometenhaften Aufstieg zurückblicken, der 1979 mit einer Ausstellung in der Galerie von Mary Boone begann. Ein Jahr zuvor hatte er einige Kisten zerbrochenen Porzellans von der Heilsarmee geholt, die Scherben auf eine Leinwand geklebt, mit Ölfarbe bemalt und sein Markenzeichen erfunden: die Plate Paintings (Teller-Bilder). Was den so gar nicht sensationsscheuen Künstler Schnabel mit John Hoyland verbinden könnte, mag das lebhafte Interesse beider an menschlicher Befindlichkeit sein – bei Schnabel einer, „die das Subjekt als verloren zwischen dem Vorher und dem Danach begreift, wo eigentlich Gegenwart sein müsste“. So schreibt Rose-Maria Gropp (FAZ 2004) weiter: „Die Dekonstruktion der Schönheit, ohne die Schönheit zu zerstören, ohne ihr den Reiz auszutreiben, das ist Schnabels Domäne: Er betreibt als Maler jene mise en abime, die ein Bild hinter dem vorigen und dem nächsten Bild herjagt, um nur ja das Ende zu vermeiden, die Akzeptanz der Vergänglichkeit. Diese Arbeit gegen die Zeitlichkeit okkupiert Raum, als Dimension des Ausweichens vor der Zeit.“

Lucas Gehrmann

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