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Despina Stokou: Delusions of Grandeur/Grössenwahn (Berlin)    Apr 26 - Jun 22, 2013


Despina Stokou: Delusions of Grandeur/Grössenwahn
27.04. – 22.06.2013
Eröffnung | Opening 26.04.2013, 16 – 21 h

Nach einem fünfmonatigen Aufenthalt in New York, der mit ihrem USA-Debut „bulletproof“ endete, zeigt Despina Stokou bei Krobath „Delusions of Grandeur“. In ihrer ersten Einzelausstellung in Berlin setzt sie sich weiterhin mit den Strukturen auseinander, welche die Kunstproduktion und -vermittlung ermöglichen (und gleichzeitig verzerren); Gallerie-System, Geld, Sprache, Geschlechterrollen und die Vorstellung von Erfolg. Vom Deutschen Theater als Künstlerin der kommenden Spielzeit 2013/2014 gewählt, lässt Stokou diesmal auch Theatertexte in ihre Auseinandersetzung mit der Kunstszene einfliessen. Erfundene Charaktere mischen sich mit real life-Akteuren; Johanna de Orleans, Roberta, Blanche, Henry V und ein gewisser George B ...

Despina Stokou
Delusions of Grandeur

Despina Stokou malt Bilder. Doch an diesen Bildern ist wenig Malerisches, denn ihr hauptsächliches Element ist der Text. Die Buchstaben schneidet die Berliner Künstlerin aus verschiedenfarbigen Origami-Papieren und bringt sie auf die Leinwand. Dort werden Wortfetzen und Satzfragmente bevorzugt gegen expressiv aufgetragene, schmutzige Farben gesetzt und stellenweise zu dunklen Textwolken verdichtet. Farb-Auskratzungen, collage-artig eingesetztes Zeitungs- und Magazinmaterial, sowie die punktuelle Verwendung von Sprayfarbe tragen zum wilden All-over-Gesamteindruck bei. Für den kleinen Schmierigkeitsfaktor sorgen einmontierte alte Playboy- und Playgirl-Fetzen. Die Schrift lässt die Künstlerin mit einer Macht über die Leinwand hereinbrechen, die an die Kraft erinnert, mit der früher etwa die Wände, Busse und U-Bahnzüge New Yorks mit Graffiti überzogen wurden. Jean Baudrillard sprach damals – Mitte der Siebzigerjahre – vom „Aufstand der Zeichen“.

Das Material für ihre Schriftbilder findet Stokou in Ihrer unmittelbaren Umwelt: Für „34 Adjectives NYT“ (2013) filterte die Künstlerin etwa aus einer in der New York Times abgedruckten Ausstellungsbesprechung der einflussreichen Kunstkritikerin Roberta Smith alle Eigenschaftswörter heraus und nutzte das so gewonnene Sprach-Extrakt für die Kunst-Produktion. Die Entstehung von „Characters 2013/2014“ (2013) basiert auf einem ähnlichen Verfahren: hier sind es die verschiedenen Akteure in ihrem professionellen Netzwerk als Charaktere in einer Theaterproduktion dargestellt: Mother Gallery, Father Gallery, der Sammler Chor, der Schreiber. So schlägt sich ein Teil der für gewöhnlich wenig öffentlichen Produktionsumgebung einmal selbst im Bild nieder. Dennoch geht es der Künstlerin nicht um ein stringentes Narrativ, um die Aufdeckung irgendwelcher Zusammenhänge. Vielmehr setzt sie auf Privatmythologie, Sprachspiele und Missverständnisse: „Viele der von mir benutzten Wörter sollen Wege in einen anderen Raum öffnen.“

In „Ruin Art Noir“ (2013) zitiert Stokou sowohl die Menükarte des „Les Trois Rois“ in Basel, wie auch die des für seine exklusiven Poolparties während der Art Basel Miami beliebten Fünf-Sterne-Hotels „Delano South Beach“. Für die Hintergrundfarben der „Kunst-Kannibalismus-Serie“, wie sie es privat nennt, ließ sie sich von den Etiketten der Champagnermarke Ruinart inspirieren: Die Produkte des in Reims beheimateten Champagnerhauses werden weltweit durch den Luxusmarkenkonzern LVMH gezielt auf Kunstmessen vermarktet.

Stokou interessiert sich für den verführerischen Reiz, den angenagten Glamour, den Orte wie Basel oder Miami verströmen. Sie beobachtetet das Treiben, hört auf die Namen, die jede Saison neu wie Aktien gehandelt werden. Die Bilder aus der Ruin Art-Serie wirken wie hastige Mitschriften, so als sollten die sich überschlagenden Namen, Orte, Preise für einen Moment fixiert werden. Doch die Undurchsichtigkeit bleibt. Wie übereinanderliegende Folien kommen Stokous Aufzeichnungen zu einem neuen Such-Bild zusammen: Da, wo die Buchstaben tanzen, entstehen Verzerrungen und Doppeldeutigkeiten. Irgendwo knarrt eine Tür und ein kühler Windhauch zieht durch das „Les Trois Rois“. Auf dem Menü des Hotelrestaurants Cheval Blanc steht plötzlich Voodoo Stew.

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