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Katrina Daschner 'Flamingo Massacre' (Vienna)    Jan 19 - Mar 5, 2011

Flamingo Massacre
Katrina Daschner
Flamingo Massacre, 2011
 
Exhibition view
Katrina Daschner
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Eröffnung | Opening: 18. 1. 2011, 19 – 21 h | 7 - 9 pm

Die BesucherInnen betreten eine Bühnensituation und dabei auch ein Feld von Blickregimen, in denen sie ihre Rolle als ZuschauerInnen teilweise verlassen und zu AkteurInnen werden. Konkret stehen sie vor einer motorisierten Drehbühne, der gegenüber eine sich drehende Spirale steht. Seitlich an der Wand hängt eine Fotografie, frontal ist ein schwarzer silbrig glitzernder Lamettavorhang wandfüllend zu sehen. Die Bühne mit den Wurfmessern, die seitlich in einem weißen Lederriemen griffbereit stecken, dreht sich permanent. Auch die Spirale dreht sich. Ein bewaffneter „Kampf“ bzw. der klassische Zirkusakt des Messerwerfers schwebt im Raum. Dabei wird die Bühne - und somit das Machtverhältnis - gar nicht erst betreten. Vielmehr setzt hier der lesbisch-queere Chor ein und entpuppt sich als Hauptakteur der Szene. Er ist auf der Fotografie in einer choreographierten orgienartigen Situation sichtbar. Durch knielange, die einzelnen Gesichter verdeckende Perücken entsteht ein Tumult von ineinander verschlungenen Körpern und Haaren, deren einzelne Persönlichkeiten sich zugunsten einer extatischen Gruppe vorübergehend aufzulösen scheinen. Eine Art kollektives Subjekt, welches seine Kommentatorenrolle und auch seinen Publikumsstatus verlassen hat, übernimmt die Szenerie.

Die Arbeit von Katrina Daschner besitzt in ihrer außerordentlichen künstlerischen Qualität auch etwas Gewagtes. Gewagt heißt hier: es handelt sich um eine Arbeit, in der sich die Künstlerin selber stark exponiert und Inhalte gestaltet werden, die sehr persönlich und intim sind. Es geht kurz gesagt um Sexualität, weibliche Sexualität, lesbische Sexualität. Themen, die in den Arbeiten von Katrina Daschner immer wiederkehren, sind: Verlockung und Begehren, Betrachten und Betrachtetwerden, Nähe und Distanz, weibliche Sexualität als ein eigener und selbstbewusst gestalteter Bereich. Diese Themen werden spielerisch aufgegriffen, vielfältig variiert, ins Abgründige vertieft, lustvoll dargestellt. So persönlich und intim die von Katrina Daschner behandelten Inhalte sind, so streng und präzise ist die Form der Darstellung. Die Bilder sind erotisch und witzig, erschreckend und rasierklingenscharf, schrill und still – aber nie peinlich. Das Peinliche mag sich in der Phantasie eines Betrachters oder einer Betrachterin abspielen, die das im Bild Gezeigte zur eigenen Vorstellung verwandeln. Die Kunst von Katrina Daschner ist engagiert, hat aber nichts Belehrendes. Sie lässt sich auch nicht erklären. Ihre Arbeiten haben etwas Abgründiges, das nicht beschönigt werden darf. Aber, das sei ausdrücklich gesagt: Diese Kunst ist keine Kunst des Schmerzes und des Leidens. Auch aus dem Abgrund zeigt sie Wege in die Freiheit, eine Freiheit, die genossen wird. Sie ist von einem abgründigen, einem hintergründigen Humor erfüllt. Das ist heute eine Seltenheit. Die Arbeiten von Katrina Daschner sind in der Weise eines Spiels zu betrachten. Als Spiele führen sie in Freiheit, spielerisch wird im Umgang mit ihnen Freiheit gewonnen. Sie sind nicht Lehrstücke, sie sind Spiele, die zum Mitspielen verlocken. Abgründe werden spielerisch durchschritten, Hemmnisse spielerisch überwunden. Kinder können das. Erwachsenen haben es oft verlernt.

Text: Dr. Gustav Schörghofer SJ

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