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E A R L Y C O L O R -
ARBEITEN VON SAUL LEITER, RAGHUBIR SINGH UND EVELYN HOFER
ERÖFFNUNG: 26. Januar 2012
AUSSTELLUNGSDAUER: 27. Januar bis 21. April 2012
Bitte beachten Sie: SAUL LEITER in den Deichtorhallen Hamburg vom 3. Februar – 15. April 2012
Die Galerie f5,6 freut sich Ihnen die Ausstellung Early Color ankündigen zu können. Wir
präsentieren erstmalig in dieser Zusammenstellung Arbeiten der Fotografen Saul Leiter (*1923
Pittsburgh, Pennsylvania), Evelyn Hofer (*1922 Marburg a. d. Lahn - †2009 Mexiko City) und
Raghubir Singh (*1942 Jaipur, Indien - †1999 New York, USA). Wir zeigen drei frühe Positionen und
Sichtweisen der Farbfotografie – die eines Amerikaners, einer Europäerin und eines Inders vereint
durch die gemeinsame Pionierarbeit für Farbe in der Fotografie.
„Was könnte denn natürlicher, gewöhnlicher sein als eine Farbfotografie? Niemanden kümmerte
natürlich das Farbbild im Geldbeutel; es war die Farbfotografie an der Wand eines Museums oder
eine Galerie welche den Aufruhr auslöste“
Kevin Moore in Starburst: Color Photography in America 1970 – 1980
Noch bis tief in die Mitte der siebziger Jahre waren Ausstellungen von farbigen Fotografien eine
äußerst rare Erscheinung. Erst 1976 gab eine Ausstellung mit dem Titel Photographs by William
Eggleston den öffentlichen Startschuss für den Siegeszug der Farbfotografie in der Kunst, für den
Egglestons Name inzwischen fast als Synonym verwandt wird. Die Frage warum der Siegeszug der
Farbfotografie so lange hat auf sich warten lassen, ist dabei nicht mit technischen Entwicklungen
zu erklären, sondern ist auch bei dem jungen Medium der Fotografie in einer kulturellen
Erwartungshaltung zu verorten. Schwarzweiss Fotografie, ob nun Kunst- oder
Dokumentarfotografie, hat mit Beginn der 1960’er Jahre ihren Platz im Museum bereits gefunden.
Dokumentarfotografie als Kunst, nebenbei ein ganz eigener Kampf, begann sich im Ausdruck
schon mit Subjektivität anzureichern als Farbfotografie noch Verfechter suchte. Die Gründe waren
vielfältig und so schien vielleicht das realitätsnahe Abbildungsverfahren durch Grauwerte
abstrahiert genug um den Respekt des Abgebildeten nicht zu verletzen, während man mit Farbe
einem etwaigen soziokulturellen Auftrag widersprach. Zu früh hatten sich Werbung und Unterhaltungsindustrie der Aufmerksamkeit erregenden, farbigen Bilder bedient, um als Kunst in
den Augen der Öffentlichkeit ernst genommen werden zu können.
Die in unserer Ausstellung zusammengeführten Fotografen trotzten diesen Widrigkeiten. Neben
ihren thematischen Inhalten bezwingen ihre Fotografien zusätzlich durch den gezielten Einsatz der
Farbe. Dabei nutzen Leiter, Hofer und Singh die Farbe in ihren Bildern in jeweils eigener Manier.
Saul Leiter verwandelt den Aspekt des kurzen, fotografischen Augenblicks in die Zeitlosigkeit der
Malerei, indem er städtisches Treiben in Reflexionen und Schichten bettet, die den Raum in eine
abstrakte Fläche verwandelt. Er selbst beschreibt dies folgender Maßen: „Fotografien werden oft
als Höhepunkt der Realität behandelt. Aber eigentlich sind es kleine Fragmente von Andenken
dieser unvollendeten Welt.“ Sicherlich spielt hierfür sein künstlerischer Ursprung in der Malerei
eine wesentliche Rolle. Anders als seine Zeitgenossen William Klein, Robert Frank oder Helen
Levitt, die heute als klassische street photographer bezeichnet werden, bleibt Leiter aber auch im
Medium der Fotografie am Gedanken der Abstraktion interessiert. Der Farbfilm gab ihm die
Möglichkeit, die formalästhetischen Prinzipien der Malerei des Abstrakten Expressionismus mit
der Fotografie zu verbinden.
Die Arbeiten Evelyn Hofers gehören, nach klassischem Urteil, zu einer deutlich fotografischeren
Position. Ihre Fotografien sind nüchterne Studien, Kompositionen gut durchdachter Momente und
bleiben dabei klar und einfach in ihrer Herangehensweise. Das Endergebnis sind intime Portraits
von Personen und ebenfalls von Objekten. Farbe ist keine zufällige Zutat in den Arbeiten Evelyn
Hofers sondern, von Anfang an, ein wichtiger Teil des gesuchten Motivs. Farbe ist in gleichem
Maße wichtig und bedeutend in jedem von ihr als gelungen erklärten Bild und übernimmt nicht
selten sogar die Hauptrolle. Hofer ist bekannt für ihre Portraits sowie für ihre
Landschaftsaufnahmen – sie suchte innerhalb ihres Werks nicht nur Bewegung sondern auch
Stille. Ihre technische Professionalität verhalf ihr zu hohem Ansehen innerhalb der fotografischen
Gemeinde. Für viele junge Fotografen war sie die Wunschadresse um als Assistent sich ihres
Wissens zu nähern. Ansehen und Wissen um ihr technisches Talent verhalfen ihr zum Titel der
„berühmtesten unbekannten Fotografin Amerikas“. Wir freuen uns besonders Ihnen Dye Transfer
Abzüge zeigen und anbieten zu können die noch von Evelyn Hofer selbst erstellt und signiert
wurden.
Auch Raghubir Singh sucht nicht erst mit der Kamera in der Hand nach interessanten
Kompositionen, sondern sie Laufen ihm en-passant über den Weg. Nicht umsonst ist er in seinem
Heimatland als „der indische Cartier-Bresson“ bekannt. Seit den 60er Jahren bereiste er die
verschiedenen Provinzen Indiens, um diese mit Hilfe der daraus entstandenen Buchpublikationen
der Welt präsentieren zu können. Durch seinen speziellen, aufmerksamen Blick verwandelt er
dabei die reine Dokumentation in Lyrik. Leben und Farbe sind für ihn gleichbedeutend. „Der
wahrhaft indische Künstler kann den Segen der Farbe nicht ignorieren. Farbe begreifen wir als
Eingebung,... . Wenn der Monsun hereinbricht und den braunen Wüstenstaub in ein nasses Braun
und üppiges Grün verwandelt, dann lebt auch die Farbe „lariya“ in der Kleidung auf. Die grünen
und gelben Farbtöne leuchten im Gleichklang der Natur...Im Sommer vertreiben zarte Farben die
große Hitze...weiß ist die Farbe, die das Leben und den Tod vereint...“
Fotografie ohne Farbe wäre für ihn niemals möglich gewesen.
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E A R L Y C O L O R -
PHOTOGRAPHIC WORKS BY SAUL LEITER, RAGHUBIR SINGH AND EVELYN HOFER
OPENING: 26. Januar 2012
EXHIBITION: 27. Januar bis 21. April 2012
For your attention: SAUL LEITER at Deichtorhallen Hamburg, February 3 – April 15
Gallery f5,6 is happy to announce the upcoming exhibition Early Color. We are presenting, for the
first time in this combination, works by renowned photographers Saul Leiter (*1923 Pittsburgh,
Pennsylvania), Evelyn Hofer (*1922 Marburg a. d. Lahn - †2009 Mexico City) and Raghubir Singh
(*1942 Jaipur, Indien - †1999 New York, USA). On display will be three early positions and
perspectives of color photography – an american, european and indian view of the world united by
the combined efforts for early color photography.
„What could be more natural, more ordinary than a color photograph? No one cared, of course,
about the color picture in your wallet; it was the color photograph appearing on the wall of a
gallery or art museum that caused the stir“
Kevin Moore in Starburst: Color Photography in America 1970 – 1980
Until the second half of the seventies exhibitions of color photography remained a rather rare
occurence, it was the 1976 held exhibition Photographs by William Eggleston that brought change
and public recognition for the colored prints. William Egglestons name, by now, is an almost
everywhere accepted synonym for the genre of color photography . The question why it took color
photgraphy comparatively long to gain success can not be explained by technical developments,
though. The explanation is rooted rather in the cultural expectations even the young medium of
photography was confronted with. By the 1960s black and white photography, albeit art or
documentary photography, already found its place in museums and galleries. The genre of
documentary photography, by the way a whole different struggle concerning the topic of credibility
in the art world, even began to enrich its modalities with subjectiveness while color photography
still needed to look out for advocates.
The reasons for that seemed manifold, with black and white being considered much more
respectfull due to ist medial abstractions whereas color photography appeared way too alluring
and distant to the approaches of social documentation, being one of them. Too early happened the adoption of color photography by the advertising and entertainment industry to gain recognition
among the public to become considered a serious art form.
The photographers’ works collected in this exhibition defy these accusations and next to the
photgraphs’ thematic subjects, the versatile usage of color – variant in style be it Leiter, Hofer or
Singh, defeat any additional doubts.
Saul Leiter transferred the aspect of photographys’ decisive moment to paintings timelessness, by
incorporating urban scenery in multiple reflexions and layers that recreate space as an abstract
plot. He describes it best himself: „Photography is often treated as the high point of reality. But
they are rather tiny fragments of souvenirs taken from the imperfect world“. His background and
roots in the fine arts might have to be taken into consideration concerning this statement.
Different to his contemporaries like William Klein, Robert Frank or Helen Levitt, who today are
genuinely considered street photographers, Leiter remains interested in the painterly principles of
abstractions. Color film materials merely have given him the opportunity to combine fine arts
formalasthetic principles of abstract expressionism with photography.
The work of Evelyn Hofer is much more a photographical position by classical standards. Her
photographies are sober studies, compositions are well thought of sceneries and her approach is
always clear and simple. The results are intimate portraits of each subject as well as object. Color,
to Evelyn Hofer, is no ingredient that coincidentally made it in the frame but is instead part of the
intended setting she seeked out to portray. Color is equally important and crucial to every shot she
considers successful and sometimes the shots’ main character. Hofer is known for her portraits
as well as her landscapes or urban scenes – she sought out not only motion but also stillness in
life. Her technical proficiency was highly respected among fellow photographers and for many
young photographers a post as her assistant meant being part of that wisdom. This made Evelyn
Hofer a household name in the world of professional photography and earned her the nickname of
„the most famous unknown photographer in America“. We are especially proud of being able to
present and offer dye transfer prints executed and signed by Evelyn Hofer herself.
Raghubir Singh on the other hand is not on search for his motives and compositions, but meets
them per chance on his ways. It’s not incidental that in his motherland he is know as the „indian
Cartier-Bresson“. Since the 1960’s he travelled to visit all of Indias provinces and collected his
impressions in publications that had great success all over the world. Because of his special and
attentive way of viewing his surroundings he transforms mere documentary in lyrical essays. Color
for him is no medium, but pure life. Color and life are equally important.
„The true indian artist is not able to ignore the blessing of color. We experience color as
epiphany,... . When the monsoon rains begin and brown desert dust is transformed in lush browns
and green, then the color „lariya“ makes its arrival in peoples clothes. The green and yellow hues
shine in unity with nature... .In the summertime soft colors make the heat disappear... white is the
color that unifies life and death.“
Photography without using color would have been impossible for Raghubir Singh.
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