Lillian Bassman und Paul Himmel
Hommage an das legendäre Künstlerehepaar
Samstag, 12. Dezember — Samstag, 30. Januar 2010
Lillian Bassman wurde am 1917 in Brooklyn/ New York, geboren. Ihre Eltern wanderten 1905 aus Russland aus und schlossen sich einer Gruppe von jüdischen Intellektuellen in New Haven/Connecticut an, um bald darauf nach Brooklyn/New York zu ziehen. Lillian Bassman zählt heute zu den letzten großen Frauenfotografinnen in der Welt der Mode. Ihre Arbeiten - vornehmlich in Schwarz / Weiß – zeigen Lillian Bassman’s experimentelle, romantische Vision und wurden zum größten Teil in Harper´s Bazaar zwischen 1950 – 1965 veröffentlicht. Die keineswegs graue, sondern von luminösem Weiß und rußigem Schwarz definierte Zone, an der Grenze des Erkennbaren, ist das bevorzugte Terrain ihrer Arbeit. Die von der Malerei kommende Fotografin, die ebenfalls von ihrem Mentor Brodovitch die wichtigsten Lektionen über Stile lernte, arbeitete unter seiner Führung auch als Art Directorin für Harper´s Bazaar und Junior Bazaar.
Jeder „Fashion Shoot“ war Anlaß für sie zu einem ästhetischen Experiment. Viel wichtiger als Schleifen, Knöpfe oder andere Details der Kleider waren ihr Atmosphäre und Emotion – ein Konzept, das die Modefotografie erst Jahrzehnte später entwickelte. Die makellosen Damen der 40er und 50er Jahre portraitierte Bassman als traumhafte, delikate Erscheinungen in einer unwirklichen, verführerisch schimmernden Schattenwelt. Pelze und Seide, Rauch und Spiegel waren ihre Komplizen bei der Erschaffung eines romantischen Glamours, einer sensiblen Traumwelt.
Die Unschärfe ihrer Bilder kreierte Bassman in der Dunkelkammer. Sie, die sich ihre fotografische Technik autodidaktisch angeeignet hatte, verwischte mit Gaze und Bleichmitteln die Realität so weit, bis ihre Bilder wie satte Kohlezeichnungen wirkten. Ihre unvergleichlichen Arbeiten werden heute weltweit in Museen und Galerien ausgestellt und zeigen nicht nur ihr großes Talent, sondern ihre herausragende kreative Persönlichkeit. Seit neuestem befasst sich Lillian Bassman, heute 87, mit abstrakter Farbfotografie die sie mittels digitaler Bildbearbeitung angeht.
Paul Himmel (geb 1914 als Sohn Ukrainischer Einwanderer) ist einer der letzten, großen lebenden Fotografen aus der frühen Ära der Amerikanischen Fotografie. Er wurde vor allem durch die frühe Ausstellung, die damals um die Welt ging, „The Family of Man“, kuratiert von Edward Steichen bekannt.
Mitte der 1930iger heiraten Lillian Bassman und Paul Himmel. Beide besuchten zusammen die legendäre „New School“ unter Alexej Brodovitch. Seine ersten Modeproduktionen erscheinen in Junior und Harper’s Bazaar. Bald darauf arbeitet er als einer der wenigen Fotografen auch gleichzeitig für Vogue. Doch Paul Himmel verliert zunehmend das Interesse an der Modefotografie. Die Art des Fotojournalismus in der Modefotografie, die er von Alexej Brodovitch übernommen hatte, weicht mehr und mehr einer kommerziellen Darstellungsweise, an der er immer weniger interessiert ist. Er beginnt eigene Projekte zu erarbeiten und so entstehen die Serien: Boxer in Stillman’s Gym – Zirkus und Ballett in denen er zunehmend mit sehr langen Belichtungszeiten und Bewegung arbeitet. Seine Negative aus der Modefotografie zerstört er komplett und widmet sich der experimentellen, dokumentarischen Fotografie. Als er 1955 seine Abstrakten Aktbilder zeigt, wird dies von der Presse nicht wohlwollend aufgenommen und er beschließt die Fotografie aufzugeben und wird Psychotherapeut. Diesen Beruf übte er bis weit in die 1980er aus. 1996 wird in New York eine Wiederentdeckung mit großer Begeisterung gefeiert: Die Howard Greenberg Gallery in New York stellt nach 27 Jahren des Rückzugs Fotografien von Paul Himmel aus. Die James Danziger Gallery, New York folgt kurze Zeit später mit einer großen Retrospektive seiner Arbeiten.
Begleitend erscheint ein Buch: Paul Himmel – Photographs, designt von seiner Frau Lillian. 2003 zeigt die Keith de Lellis Gallery in New York sein Werk. 2003 stellt die Galerie f5,6 erstmals Lillian Bassman und Paul Himmel gemeinsam aus. Aus heutiger Sicht passen Himmels oft radikale Experimente eher in unsere Zeit. Zum Glück sind seine Arbeiten nicht verloren gegangen, denn sie demonstrieren einen wichtigen Zusatz zur Fotografischen Geschichte.
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