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Hans Weigand
Out Of The Dark
30. April 2011 bis 4. Juni 2011
Eröffnung: Freitag, 29. April 2011, 18 bis 21 Uhr
Zum Künstler:
Hans Weigand, 1954 in Tirol geboren, lebt und arbeitet in Wien.
Er studierte bei Oswald Oberhuber an der Akademie für Angewandte Kunst in Wien. Von Anfang an
widmete er sich sowohl inhaltlich als auch ästhetisch den kulturellen Bezugspunkten, die bis heute sein
Werk bestimmen – dem Pop, dem Trash, der Science-Fiction und der Psychedelik. Und von Anfang an
befasste er sich mit Techniken, die er im Laufe seiner langjährigen Arbeit zu einem unverwechselbaren,
eigenwilligen Stil entwickelte – der digitalen Bildbearbeitung in Verbindung mit klassischer Malerei.
Weigands Arbeiten wurden bisher in über 70 Einzelausstellungen gezeigt, unter anderem im Museum
Ludwig in Köln, in der Gemäldegalerie der Akademie der Bildenden Künste in Wien, der University Art
Gallery in San Diego, dem Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck und der Secession in Wien.
Darüber hinaus nahm Weigand an über 50 Gruppenausstellungen teil, unter anderem in New York, Los
Angeles, Paris, London und Madrid.
In den 90er Jahren arbeitet Weigand mit Martin Kippenberger, Jason Rhoades und Raymond Pettibon
zusammen. Es entstanden gemeinsame Videoarbeiten, Performances und Aktionen.
Das Arbeiten von Hans Weigand sind in mehreren Büchern und Ausstellungskatalogen dokumentiert.
Zuletzt erschien im Verlag Walther König „Panorama I“ und „Panorama II“.
Zum Gallery Weekend wird in der Paris Bar eine neue Arbeit von Hans Weigand vorgestellt und dort
dauerhaft zu sehen sein.
Zur Ausstellung:
„Out of the Dark“ sang der österreichische Popstar Falco 1998, kurz bevor er sich in das große Nichts
verabschiedete. „Out Of The Dark“ heißt auch die neue Einzelausstellung von Hans Weigand, die einmal
mehr das große Nichts der Gegenwart zum Inhalt hat. Genauer gesagt sind es die Untiefen der
zeitgenössischen Populärkultur, die Weigand als Anlassfall und Symptom nimmt, um mit ihnen über
Vernichtungspotenziale und Untergangsfantasien der Jetztzeit zu spekulieren.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht eine große, fast vierzig Meter umspannende Installation, die acht
übermalte Fotomontagen in lose gehängter, ovalförmiger Anordnung enthält. Allen acht Tableaus ist
gemeinsam, dass sie – in mehrschichtigem Verfahren entstanden – eine fiktive dystopische Landschaft
entwerfen, die schon bessere Zeiten gesehen haben mag (schlechtere sind schwer vorstellbar).
Als durchgängiges Motiv taucht darin eine Küstenlinie bzw. ein Meereshorizont auf, von dem her allerlei
Strandgut, man könnte sagen „Fall-out“, aus den letzten dreißig Jahren einer über Bord gegangenen
Fantasie des Populären angeschwemmt wird. Weggespülte Gebäudeteile, abgerissene Brücken und
deplatzierte Kitsch-Skulpturen sind hier ebenso enthalten wie wertlos gewordenes Frachtgut und allerlei
mythologische Figuren – Gorillas wie aus dem Film Planet der Affen oder die Comicfigur des Silver Surfer.
All diese Motive tauchen bei Weigand aus einem Dunkel auf – out of the dark, dessen Aufklärung nicht
mehr möglich scheint. Der einzige Trost, wenn man so will, liegt in der zutiefst ambivalenten, ja gar nicht
anders möglichen Beziehung zu diesen pechschwarzen Fantasieobjekten.
Die Herstellung der Einzeltableaus folgt einem dreistufigen Prozess. Erst werden die Leinwände grundiert
und bemalt, meist mit abstrakten Nacht- oder Tagstimmungen, die den bildbestimmenden emotionalen
Grundton setzen. In einem zweiten Schritt werden darauf computergenerierte Collagen und andere
fotografische Elemente gedruckt, die zum Teil auf die großen mythischen Küstenlandschaften von
Kalifornien und Hawaii anspielen. Go West? Ja, Mann, ich war dort, und ich hab’ nicht nur die Sonne
gesehen… Eingestreut in diese wie von einem Megabeben verwüsteten Uferstriche sind bizarre
architektonische Versatzstücke, die eine noch größere Naturkatastrophe aus Las Vegas bzw. den
Hinterländern der amerikanischen Alltagskultur hierher verfrachtet haben dürfte.
All dies wirkt, so legt Weigands Montageverfahren nahe, als sei es von einer riesigen Archiv-Flutwelle
angespült worden – einer Art „Daten-Tsunami“, so dies in Bezug auf das aktuelle Weltgeschehen nicht
allzu abgeschmackt klingt. Und oben drauf, auf all dem Müll aus trashigen und flashigen Motiven, ein paar
letzte Überlebende – der Gorilla Ivo aus dem Berliner Zoo etwa oder ein paar verwegene Surfer, die dem
Hyperdesaster zu trotzen versuchen und, in aller Doppeldeutigkeit, endlich ihre Stunde gekommen sehen.
Als dritte Schicht schließlich setzt Weigand dem ganzen noch ein paar handgemalte Akzente auf
– Schlieren, Spritzer und Fetzen, die wie die heimliche, vielleicht schon aus dem Jenseits kommende
Rache an zu viel digitaler – glatter und „glossiger“ – Oberflächenästhetik wirkt.
Der abgründig visionäre Zyklus wäre aber nicht komplett, hätte er nicht, wie bei Weigand üblich, einen
doppelten Boden. In diesem Fall ist es die Rückseite der Bilder, die einen (unterbrochenen) Rundumlauf
um die gesamte Installation bilden. Wird die Serie innen von einer lose sich fortsetzenden Horizontlinie
zusammen gehalten, so sind es außen Fragmente von Schriftbildern, die einen fortlaufenden
Zusammenhang bilden. Sind es innen die Wucht und Unbegreiflichkeit von Umweltdesastern, die Weigand
in ein anschauliches Format presst, so regiert außen die Nüchternheit der Schrift, die gleichwohl
unentschlüsselbar bleibt. Scheinen uns die Katastrophen-Montagen daran zu erinnern, mit welchem
medialen und archivarischen Ballast jeder einzelne heutzutage zu Rande kommen muss, so wird dieses
Verhängnis in den kryptischen Schriftmalereien gleichsam formelhaft abstrahiert. In Kürzeln, die wir nicht
verstehen, und kalligrafischen Fragmenten, die uns, wenn schon nicht anders möglich, so wenigstens
formal Trost spenden. Moderne Menetekel, die Licht in die Sache bringen sollen, im Endeffekt aber alles
noch mehr verunklaren.
Und so markiert Out Of The Dark unser zutiefst gespaltenes Verhältnis zu Bildern von Katastrophen und
drohenden Untergängen. Einerseits sind diese zu Allgemeingut gewordene Spektakel, andererseits nicht
wirklich dechiffrierbare Singularitäten; Angst machend auf der einen Seite, zutiefst lustbesetzt auf der
anderen; so ernst, dass einem das Lachen vergeht, und gleichzeitig so humorig, dass es fast schon wieder
an Ernst grenzt. Und wie sang Falco doch so treffend im erwähnten Stück? „Deine Hölle brennt in mir / Du
bist mein Lebenselixier“.
Auch eine Art, mit dieser Spaltung umzugehen und vielleicht doch noch das Licht zu sehen.
Text: Christian Höller
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